Misanthropenwald

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Erde kein Planet mehr

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Nach Pluto hat es jetzt auch unsere Mutter Erde erwischt: sie ist kein Planet mehr. Aber was isse dann, wennse kein Ball mehr ist?

Führende Journalisten vom Bildblog haben herausgefunden, dass führende Journalisten beim Tagesspiegel, beim Hamburger Abendblatt, bei der Süddeutschen, der Welt (also die Zeitung jetzt) und BILD herausgefunden habe, dass führende Wissenschaftler der ESA herausgefunden haben, dass die Erde nicht so rund ist. Sondern eher gemüseförmig, sprich: Kartoffel.

Wir leben auf einer Kartoffel. Das wirft einige philosophische Fragen auf, wie: Warum leben wir auf einer Kartoffel? Ist die Menschheit die Stärke? Ist das Universum das Erdreich im Garten der Unendlichkeit? Jenseits. Ein grüner Stengel mit Blättern? Osnabrück und Mainz – die dunklen Stellen der Kartoffel, die man beim Schälen immer ausstechen muss? Wo kommen wir her, wo gehen wir hin?

Kartoffel, Kartoffel.

Written by Quax

2. April 2011 at 12:57

Veröffentlicht in Blödsinn

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Superlativistisch!

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Falls es jemand noch nicht mitbekommen haben sollte: Es gab ein Erdbeben in Japan, das löste einen Tsunami aus und der traf wiederum ein Kernkraftwerk, das im moment die Umgebung bekatastropht. Und in der Qualitätspresse überschlagen sie sich vor geil geschlagzeilter Panikmache.

Man fragt sich, wo das enden soll. Bisher kam es ja noch nicht zur Kernschmelze im Kraftwerk Fukushima I und damit noch nicht zum allerschlimmsten. Aber für die Panikpresse kein Grund, nicht schon mal den Phrasengenerator anzuwerfen und mit Superlativbenzin nachzutanken. So titelt die BILD heute noch vom „HORROR-BEBEN“ und der Express gestern schon von der „ATOM-APOKALYPSE“, woraufhin bild.de heute nachzog mit 

DIE JAPAN-KATASTROPHE ++ HORROR-BEBEN ++ TSUNAMI ++ ATOM-ANGST

Letzteres vermutlich nur, weil die Alliteration mit „Apokalypse“ schon besetzt war. Dafür kann bild.de fragen: „WIRD JAPAN SCHLIMMER ALS TSCHERNOBYL?“, weil eine Stadt eine Stadt ist und ein ganzes Land ein ganzes Land. Wegen der „ATOM-GEFAHR“ (und wie gerne würde man „Apokalypse“ schreiben!) fragt bild.de bange nach der „ANGST VOR DEM STRAHLEN-TOD“ und erklärt, wie Radioaktivität funktioniert.

Uff.

Die schlimmste aller Fragen jedoch: wie reagiert die Börse? Was hat das für Auswirkungen auf Deutschland? Mögliche, von verängstigten Lesern womöglich nie gestellte Fragen werden beantwortet. Soll man in blinden Aktionismus ausbrechen, auch wenn man keiner Regierungskoalition angehört? Nein. Denn bild.de beruhigt, die radioaktive Wolke käme frühestens in zwei Wochen bei uns an und hätte sich bis dahin radiodeaktiviert (oder so). Aber irgendwas müssen wir doch tun! Man könnte prophylaktisch Jodtabletten essen, aber davon rät bild.de lieber ab. Ebenso wie von den Plänen, sich einen Geigerzähler zu kaufen, denn „Privatleute können die Anzeige kaum einordnen und nutzen.“ Nundenn, vor ein paar Jahren war sich BILD nicht zu blöd, das Cockpit eines Flugzeugs abzubilden und seinen Lesern zu zeigen, wie man als Fliegelaie und Malle-Touri ein Flugzeug landet – da wäre eine kurze Anleitung zur Handhabung eines Geigerzählers doch wirklich nicht zu viel verlangt!

Schlimmer als nichts tun zu können, ist nur der Verzicht auf liebgewonnenes und so beruhigt bild.de seine Leser auch zu jenen Fragen, die jedem von uns beim Betrachten der Bilder aus Fernost als erstes durch den Kopf schossen: „Muss ich Angst haben, Fisch zu essen?“ – „Was ist mit Sushi?“ – „Können andere japanische Produkte verstrahlt sein?“ und „Werden Produkte aus Japan jetzt knapp?“

Die Frage, ob man nun vor lauter Wut auf die Energieriesen seinen „Atom-Strom-Vertrag“ [sic!] kündigen solle, antwortet bild.de geschickt linientreu:

Bedenken Sie, dass die Ursache der Katastrophe natürlich war (Erdbeben, Tsunami). Moderne Atomkraftwerke gelten als sehr sicher.

…denn die Japsen bauen nur steinalte Krüppelbauten, gelle?

Aber nicht nur in Deutschland neigt man zur Sensationshascherei, auch unsere Freunde auf der Insel rotieren wie wild, insbesondere das Faktenmagazin Sun schreit: „SECOND NUKE BLAST“ und läuft sich schonmal schreiend im Kreis warm für „Threat of further Megaquake ‚in days'“ – an dieser Stelle ist es dann doch enttäuschend von bild.de, dass wir noch nichts vom „MEGA-BEBEN“ lesen durften, bzw. mussten. Irgendein Hiroshimavergleich darf natürlich auch nicht fehlen, also: „Drowned town ‚is just like Hiroshima'“ und für all die Blöden hat die Sun gleich noch ein Bild von Hiroshima danebengeklatscht. Der Vergleich mit der ersten Stadt, auf die je eine Atombombe fiel, wird natürlich nicht mit Hinblick auf Fukushima gemacht.

Das wäre ja albern.

 

Nachtrag 15.3.11, 8:39 Uhr: Neuer Tag, neue Schlagzeilen. Bei bild.de freut man sich, endlich eine passende Alliteration gefunden zu haben, diesmal „FUKUSHIMA 1 DAS ALBTRAUM-AKW“, optional ginge ja auch „KATASTROPHEN-KERNKRAFTWERK“, aber das lesen wir vermutlich morgen. Inzwischen ist auch derwahre Super-GAU eigetreten: „DRAMATISCHER KURS-STURZ AN TOKIO-BÖRSE“ – furchtbar! Spätestens jetzt kann niemand mehr ruhig schlafen.

Außerdem ließ bild.de nachzählen, was so alles zerstört wurde: „72.945 HÄUSER KAPUTT“, wobei „kaputt“ schon ziemlich niedlich klingt, wenn man sich mal die Bilder ansieht. Fast so drollig, wie ein Sprecher des SWR-Fernsehens, der am Wochenende bewegte Bilder aus Japan kommentierte und angesichts des Zuges, der von den Gleisen geschleudert und mehrere Meter landeinwärts geschleift wurde, davon sprach, dass der Zug „offensichtlich entgleist“ sei. Ja, entgleist.

 

Nachtrag 15.3.11, 8:50 Uhr: Ach, SPON! Fast wärst du vergessen worden, aber jetzt gibt’s eine Fotostrecke mit einem Titel, der von jedem Horrorfilm (bzw. „HORROR-FILM“ für Bildleser) stammen könnte: „Der Tod kam aus dem Meer“

Written by Quax

14. März 2011 at 19:01

Veröffentlicht in Mischwald

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Deutschland – das beste Land der Welt

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Rankings, Polls und Votes an jeder Ecke. Größte Stadt der Welt, größtes Unternehmen der Welt, beliebtestes Fastfood der Welt. Kenne mer all. Und die von der BBC in Auftrag gegebene Umfrage, nach der Deutschland das beliebteste Land der Welt ist und bleibt – wie Die Welt schreibt – gibt’s auch nicht zum ersten Mal. Quatsch ist das natürlich trotzdem.

Es hat nämlich niemand gefragt, welches denn das beliebteste Land der Erde sei. Die Welt schreibt’s trotzdem und ist damit nicht alleine. Jede Menge Blogs und Foren benutzen diese Formulierung ebenfalls und Focus und Co. nutzten die Formulierung zumindest in den Vorjahren. Das ändert nichts an der Tatsache, dass es zu verkürzt ist, unser geliebtes Vaterland direkt zum beliebtesten Vaterland unserer Mutter Erde zu machen.

Denn darum ging’s gar nicht:

The poll […] asked a total of 28,619 people to rate the influence in the world of 16 major nations, plus the European Union.

Heißt: Deutschland wäre, wenn denn nach der Geilheit gefragt worden wäre, Erster von 16 Ländern und einer Europäischen Union – und nicht „der Welt“. Da aber nur danach gefragt war, zu beurteilen, ob der Einfluss des Landes auf die Welt positiv oder negativ ist, dürfen wir zwar kurz zucken, um uns auf die Schulter zu klopfen – müssen aber im nächsten Moment innehalten, denn schauen wir uns mal die Konkurrenz an:

Platz 17: Iran – Irre mit Bomben, warum kommen die vor? Brauchten wir einen klaren Verlierer?
Platz 16: Nordkorea – s.o.; Minus bei Südkorea
Platz 15: Pakistan –  vielleicht nicht ganz so schlimm, aber trotzdem: s.o.; außerdem Minus bei den Indern
Platz 14: Israel – die meisten Araber finden Israels Einfluss wohl er doof
Platz 13: Russland – Kommunisten, Stalin, Gulag – nichts für die freie Welt
Platz 12: Südkorea – eigentlich die Guten, dennoch: der Name Korea schreckt ab; Minus bei den nördlichen Nachbarn
Platz 11: Indien – eigentlich auch ganz nett, aber noch nicht entwickelt genug um einzuflussen; Minus bei Pakistan
Platz 10: Südafrika – ebenfalls ganz nett, aber nur die WM, ansonsten Apardheid; Quotenafrikaner der Umfrage und Quoten-irgendwasse mag keiner
Platz 09: China – Kommunismus, Mao, Wirtschaftswachstum – nichts für die freie Welt
Platz 08: USA – haben mittlerweile fast jedem Land der Erde Demokratie und Freiheit gebracht, negative Beurteilung unverständlich
Platz 07: Brasilien – wer hat Ahnung, was Brasilien so macht? Niemand, also werden die mal ins Mittelfeld gewählt
Platz 06: Frankreich – Auswirkungen des Einflusses in Afrika zeigen sich zur Zeit, nur Dank Wein und Weib so weit oben; Minus bei den Deutschen
Platz 05: Japan – brachten uns Animes und Digimons, was angesichts der Auswahl für diese gute Platzierung reicht
Platz 04: die EU – ist kein Land. Was soll der Quatsch?
Platz 03: Kanada – welchen negativen Einfluss auf die Welt können Elche, Bären und Bäume haben? Eben.
Platz 02: Großbritannien – Ja. Ist gefaked. BBC eben. Normalerweise harter Kampf um die Plätze mit den USA.
Platz 01: Deutschland – bleibt halt übrig, daran konnten auch die Franzosen nichts ändern.

Wer sich die Studie selbst ansehen will: Biddesehr. Achja, wer hat  den Link onlinegestellt? Richtig, das Auswärtige Amt. Und was steht im Teaser? Genau. Aber: Die Überschrift ist differnzierter.

Written by Achja

9. März 2011 at 19:00

Schlacht am Guttenberg

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Karl-Theodor zu Guttenberg ist zurückgetreten. Das wurde auch langsam Zeit. Sagt jedenfalls der eine Teil der Deutschen. Der andere bedauert den Schritt und sähe den Verteidigungsminister weiterhin gerne im Amt. Aber wer steht auf der einen Seite und wer auf der anderen? Und warum? Auf der Suche nach der Frontlinie.

Die Medien
…stehen auf der Seite der Guttenberg-Gegner: Nachdem die Süddeutsche Zeitung aufgedeckt hatte, dass der Minister a.D. bei seiner Dissertation abgeschrieben hat, war die Stoßrichtung: Das ist ein großer Skandal, er muss sich entschuldigen und bald hieß es, er solle seinen Posten räumen. Als zu Guttenberg dann rumkrebste, von „abstrusen“ Vorwürfen sprach, obwohl täglich neue Stellen in seiner Doktorarbeit gefunden wurden, die nicht von ihm waren, und schließlich doch „Blödsinn“ einräumte, forderten quasi alle Medien seinen Rücktritt.

Einzige Ausnahme: Die Bild-Zeitung. Sie hielt zu Guttenberg die Stange, hatte ihn schließlich zuvor schon für „gutt“ befunden und blieb dabei und ihm treu. So auch die Bildleser, wenn man denn der Umfrage des Blatts glauben kann, in der ihm 87 Prozent ihre Unterstützung zusicherten. Bei allen anderen größeren Zeitungen sah das anders aus und bereits bei bild.de waren es plötzlich 55 Prozent – die seinen Rücktritt forderten.

Die Wissenschaft
…steht mittlerweile wohl auf der Seite der Gegner. Jedenfalls spätestens, seitdem sich diverse Professoren und schließlich auch zu Guttenbergs Doktorvater (Prof. Dr. Dr. h.c. mult. – geil!) Peter Häberle gegen die Arbeitsweise des Ex-Ministers ausgesprochen haben. Für zu Guttenberg persönlich (es folgt eine wilde Vermutung) könnten auch die wäschekorbweise zu Angela Merkel angeschleppten Unterschriftenlisten mit den Signaturen enttäuschter junger Doktoranten ausschlaggebend gewesen sein, seinen Helm zu nehmen (Verteidigungsministerwitz).

Die, wo sich sonst eigentlich nicht für Politik interessieren
…sind klar für zu Guttenberg und betrauern seinen Rücktritt. In einem Facebook-Status steht u.a., dass seine Fehler mehr Nähe zu den Bürgern erzeugten, und dass sie ihn sympathischer machten. Die Argumentation pro zu Guttenberg läuft meist über Softskills: Bürgernah, gutaussehend, anpackendes Auftreten, Redetalent. Stimmen gegen zu Guttenberg werden mit „grünes Gelaber“, lustigen Sozibeschimpfungen und Missgunst gekontert. „Armes Deutschland“, das „nicht zu schätzen weiß, wenn mal einer kompetent ist, sondern denjenigen einfach verheizt.“

Die Soldaten:
…stehen weitgehend zu ihrem Minister. Er gilt als Macher, der die längst überfällige Bundeswehrreform angepackt hat. Ihm wird angerechnet, dass er zu seinen Soldaten steht und sich in Afghanistan sehen lässt. Ein ehemaliger Professor der Bundeswehruni München ließ ihn zwar gestern fallen, ist aber auch kein Militär.

Die „Intellektüllen“(Vgl. Pispers u.a.)
…sind neben den Medien die Speerspitze der Anti-zu-Guttenberg-Bewegung. Sie fürchten um seine Glaubwürdigkeit bzw. viel mehr, was noch alles erfunden und abgeschrieben ist, was so aus dem Hause zu Guttenberg kommt. Außerdem heißt es, mit Betrug dürfe man einfach nicht durchkommen. Sonst hätten sie ja damals auch abschreiben können, in ihrer Dissertation/Magisterarbeit/Abiklausur/Führerscheinprüfung. Und das haben sie ja nicht, wg. Moral u.ä.

Die Politiker
Stehen, zwiegespalten wie sie sind, auf beiden Seiten. Sie verurteilen zu Guttenbergs Verhalten sicherlich (sind ja intellektuelle Elite und meist auch promoviert) und finden sein Krisenmanagement (hoffentlich) lausig. Anderseits sehen sie kommen, dass auch ihre Dissertationen und Veröffentlichungen (neudeutsch: Papers, obwohl man sie nicht rauchen soll) bald mal unter die Lupe genommen werden. Und das kann keiner wollen.

Die, denen alles egal ist
…scheint es in diesem Fall nicht zu geben. Ich wünsche mir mal einen entsprechenden Facebook-Status. „Guttenberg ist und bleibt mir egal. Ob er betrogen hat, oder nicht, interessiert mich nicht. Dass er nun geht, habe ich mit einem Achselzucken wahrgenommen.“

Margot Käßmann
…hat sich zwar noch nicht geäußert, war aber die Letzte, die unkonventionell war, schnell empor kam und wegen eines Skandals zurücktrat. Direkt am Folgetag und mit Entschuldigung. Hat nun gelernt, dass sie wahrscheinlich mit ein bisschen mehr Ausdauer und Leugnen heute noch im Amt sein könnte.

Written by Achja

1. März 2011 at 20:58

Geographie und Grenzen

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Mit gemäßigtem Interesse überflog ich gerade den SPONschen Artikel zur Einführung eines Vertriebenengedenktages. Die Koalition möchte den vertriebenen Deutschen einen eigenen Gedenktag geben, aber ein paar Historiker möchten das nicht und haben einen Brief geschrieben. SPON nennt eine Hand voll Historiker. Und was entdeckten meine trüben, glasigen Augen da? Na?

Exakt nämlich sowas hier, einen Meilenstein der Aktualität und Orthographie:

Den Aufruf haben unter anderem […] aus der Slowakei Dusan Kovac, aus der Tschecheslowakei Kristina Kaiserova unterschrieben.

Tschecheslowakei.

Moment, moment.

Fangen wir damit an, dass es die Tschechoslowakei seit gut zwei Jahrzehnten nicht mehr gibt. Das kann man wissen, wenn man Allgemeinbildung hat, das sollte man wissen, wenn man Abitur hat und das muss man wissen, wenn man Artikel bastelt. Dass es besagte Tschechoslowakei nicht mehr gibt, hätte man daran erkennen können, dass Historiker #1 aus der Slowakei und Historiker #2 aus der Tschechoslowakei kommen soll. Tip für alle geistig umnachteten Freunde: Das Land, wo der SPON-Mann meinen tut, ist Tschechien. Aus Tschechoslowakei wurden Tschechien und Slowakei

Klar soweit? Gut.

Zweiter Punkt: wenn man schon ein existierendes Land aus reiner Gewohnheit mit dem Namen eines nicht mehr existierenden bezeichnet, was in etwa so wäre, als würden wir von ganz Deutschland als DDR sprechen, dann sollte man den Namen des nicht mehr existierenden Landes wenigstens richtig schreiben. Und nicht so, wie man den Namen des nicht mehr existierenden Landes vor sich hinnuschelt. Sondern nämlich:

T-S-C-H-E-C-H-O-S-L-O-W-A-K-E-I

Habe die Ehre.

Written by Quax

15. Februar 2011 at 09:21

Veröffentlicht in Mischwald

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Türchen Nummer zwei

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Weihnachten, das ist ein Symbol der Nächstenliebe! Man schenkt sich gegenseitig etwas und hofft, auch etwas geschenkt zu bekommen. An der Uni Leipzig hingegen schenkt man sich scheinbar nichts.

Öffnen wir mit einem Knurren also Türchen Nummer zwei!

Professor Marcel Machill ist ein Überflieger. Jung. Dynamisch. Harvard-Absolvent. Professor für Journalistik. Ein Bild von einem Wissenschaftler. Seine Klausuren haben Niveau, sagen die einen. Die anderen sagen, sie sind schwer wie zweitausend Kilo Blei.

Machill (Professor u. Harvard-Absolvent) hat ein Buch geschrieben. Das beste. Natürlich, denn mit weniger gibt er sich nicht zufrieden. Es ist relevant für seine niveavollen Bleiklausuren. Die nötigen Seiten hat er selbstredend nirgendwo verfügbar gemacht, schließlich ist er Harvard-Absolvent. Profi. Sollen die Studenten sich selbst darum kümmern.

Und das taten sie, weil alle Ausgaben aus der Universitätsbibliothek natürlich in nullkommanix ausgeliehen waren. Den teuren Schinken kaufen, das war da die einzige Alternative, doch das Standardwerk war vergriffen und erst in mehreren Wochen lieferbar. Also erbarmte sich ein hilfsbereiter Student, scannte das Buch ein und machte es seinen Kommilitonen verfügbar.

Armer Machill! Sein Lebenswerk! Verramscht! An Studenten!

Jeder richtige Mensch hätte es entweder dabei belassen oder die Texte selber auf das uniinterne Portal hochgeladen oder wenigstens dem Studenten geschrieben, er solle es unterlassen, das Urheberrecht zu beugen. Der Superprof hingegen schickte die Kavallerie in Form von Anwälten vor und mahnte den Studenten ab. Studenten sind nun dafür bekannt, dass sie in Geld schwimmen, sodass der hilfsbereite Studierende nun 1000€ Geldeuro locker machen darf.

Machill ist im Recht. Das ist er immer, das hat er immer. Ein Harvard-Absolvent muss sich nicht um niedere Studenten kümmern. So ist das nunmal, im Leben.

(Quelle)

Written by Quax

2. Dezember 2010 at 00:11

Veröffentlicht in Adventskalender

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ER IST FÜRST!

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Verdammte Scheiße, SPON! Du bist weder die Bunte noch Gala oder Welt der Frau, man kann ja wohl ein klitzekleines winziges bisschen Recherchearbeit von dir verlangen, wo du dich schon hochtrabend „Nachrichtenmagazin“ nennst! Nur weil’s Sonntag ist, heißt das nicht, dass komplett ahnungslose Berufstrottel Artikel zu Themen schreiben dürfen, von denen sie keine Ahnung haben!

In einem Artikel über das englische Königshaus klärst du, SPON, deine Leser darüber auf, dass der Pöbel auf der Insel nichts zu sagen hat. Der würde sehr gerne die Nummer zwei in der Thronfolge, nämlich Prinz William, als nächsten König sehen und nicht dessen Vater Charles. William hingegen möchte, dass sein Vater König wird, weil das nunmal so Brauch ist. Da beziehst du, SPON!, dich auf den Sunday Telegraph, in dem folgender Satz steht:

There is no question in Prince William’s mind that the Prince of Wales will be the next monarch.

So weit so richtig. Diesen Satz nahmst du, SPON verdammt!, jetzt und übersetztest ihn wohl mit der Google-Übersetzungmaschine und kamst am Ende auf folgendes Ergebnis:

Für die 28-jährige Nummer zwei der britischen Thronfolge stehe es „außer Frage, dass der Prinz von Wales der nächste Monarch sein wird“

GRAWLBRGHWHLLBRGHWLBRAH!

PRINZ VON WALES? SPOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOON!

Eine kleine Einführung in die Welt des Lateinischen. Das Wort „Princeps“ bedeutet wörtlich übersetzt ARD „der Erste“. Das deutsche Wort „Prinz“ und das englische Wort „Prince“ leiten sich von „Princeps“ ab, weil sowohl der Prinz als auch sein englisches Pendant den Ersten in der Thronfolge bezeichnet. Klarsoweit? Klarsoweit. Schlichte Gemüter, wie jene, die bei SPON ihr Dasein fristen, werden jetzt sagen: „Der Charles is‘ Prince of Wales un‘ is‘ Thronfolger, also alles rischtig gemacht“, aber solche Leute mögen doch bitte nun anfangen, rohe Toastscheiben mit einer Heißklebepistole an ihrer Stirn zu befestigen.

Bezieht sich „Princeps“ auf den ersten Mann, also den Herrscher, eines – Achtung! – Fürstentums, dann heißt „Princeps“ nicht „Prinz“, SPON du Versager!, sondern „Fürst“. „Fürst“ klingt wie „First“, was englisch für „Erster“ ist. The Fürst is the first in his Firstentum Fürstentum.

Nun ist der Herrscher, und nun volle Aufmerksamkeit, SPON!, von Wales kein schnöder Prinz, – weil Wales sich kein richtiges Oberhaupt leisten kann oder was? – sondern Fürst. Prinz [sic!] Charles ist Fürst von Wales, nicht Prinz!

Ihr dämlichen, ascheschniefenden Wurstsoldaten im Prinzentum SPIEGEL ONLINE!

Written by Quax

28. November 2010 at 14:59