Misanthropenwald

Posts Tagged ‘Katholiken

Gewusst wie

leave a comment »

Wenn man etwas hat, egal was, dann zieht man den Neid seiner Mitmenschen auf sich (außer es ist Herpes). Dann muss man sich rechtfertigen, woher man das hat (auch bei Herpes) und warum man sich als würdig erachtet, besagtes Dings zu besitzen. Da kann man schon mal ins schwimmen kommen. Zum Glück hat ein italienischer Bischof jetzt die universelle Antwort auf all diese Fragen.

Der Bischof benötigte neue Kluft für seine Predigt und seinen Körper und wer ein gottesfürchtiger Bischof ist, der will natürlich nur das Beste vom Bestesten – die Kollekte soll ja nicht für irgendwelchen Firlefanz draufgehen! Also ließ sich der Bischof vom günstigsten Schneider der Gegend einen Satz Gewänder nähen. Kirchengewänder von Armani. Denn wenn Jesus uns etwas predigte, dann war es Prunksucht.

Des Bischofs neue Kleider seien „geschmackvoll“ und „aus schlichter Seide“, so schlicht, wie Seide nur sein kann. Wie ein Auerhahn stolzierte seine Heiligkeit durch das Gotteshaus und heimste ein Kompliment nach dem anderen ein. Die Gewänder schlugen in der Gemeinde ein wie eine Bombe (oder Herpes). Vor allem aus dem weiblichen Kirchgängervolk gab es Beifall – sie hätten auch gerne so hübsche Kleidchen.

Doch der Bischof trägt seinen neuen Rumpfschmuck natürlich nicht aus Eitelkeit oder der allseits bekannten Pablissitiegeilheit, nein nein. Er schmiegt seinen Prachtkörper in das edle Geschmeide aus einem völlig selbstlosen Grund: um Gott zu gefallen.

Clever.

Mit dem Argument könnte man dem HErrn auch noch ganz andere Sachen unterstellen. Ich habe zum Beispiel vorhin aus dem Fenster gepieselt, um Gott zu gefallen. Vorhin bin ich bei rot über die Autobahn getanzt, während Grundschulkinder zugesehen haben, um Gott zu gefallen. Ich denke, heute Abend werde ich mich ins Koma saufen, um Gott zu gefallen. Morgen werde ich jemandem modriges Laub in den Briefkasten stopfen, um Gott zu gefallen. Aber jetzt höre ich lieber auf mit den Beispielen und beende diesen Eintrag, um…

naja, ihr wisst schon.

Advertisements

Written by Quax

4. Mai 2011 at 16:57

Veröffentlicht in Mischwald

Tagged with , ,

Besser spät als nie

with one comment

Im Jahre 1517 flitzte ein kleiner, dicker Mönch durch Thüringen und hängte einen Zettel mit einigen Thesen an eine Kirchentür. Dann schimpfte er laut über die Kirche, pöbelte ein bisschen in der Weltgeschichte herum und bezichtigte den Papst, der Antichrist zu sein. Ihr merkt’s schon, es handelt sich um Martin Luther.

Nicht ganz fünfhundert Jahre später saßt in Augsburg ein Bischof namens Müller, der mag sich wohl gedacht haben: „Mensch, wie kommen ich und meine Kirche, die da ist katholisch und den Papst super findet, mal wieder so richtig in die Schlagzeilen?“ – oder etwas in der Art. Dann blätterte er vermutlich das Offizielle Handbuch zur PR der Röm.-Kath.-Kirch. und schaute, was es da so gab: unsinnige Behauptungen, Wohltätigkeitsorganisationen, Wunder, Marienerscheinungen, Nazivergleiche – nein, das war nicht das, was Bischof Müller suchte.

Als schlug er in seiner Feindesliste nach, ob man da irgendetwas brauchbares findet, denn Anschuldigungen sind ja immer gut. Hexen? Doch nicht im zwanzigsten Jahrhundert! Homosexuelle? Der Schuss könnte nach hinten losgehen. Ungläubige? Das Feld hat dieser Sarrazin schon abgegrast. Protestanten? Hm…

Hmm…

Protestanten! Diese Schlingel, die weder den Papst, noch die wahre Kirche anerkennen und so! Die sollen sich mal für irgendwas entschuldigen, wie… wie…

Was mag Müller dann wohl gemacht haben? Hat er das Lexikon der 1000 schönsten Protestantentaten aus dem Giftschrank genommen? Dann schlug er bestimmt wahllos eine Seite auf, deutete auf einen beliebigen Begriff und sagte dann sowas wie: „Ja. Das ist gut, dafür müssen sie sich entschuldigen und zwar sofort!“

Dann ging Müller an die Öffentlichkeit und forderte, dass die Protestanten sofort und höchstoffiziell Abstand nehmen sollen, von Luthers Behauptung, der Papst sei der Antichrist.
Das klingt jetzt nicht so clever für einen Laien – aber vielleicht muss man katholisch sein, um zu verstehen, warum man sich nun ausgerechnet jetzt von einer fünfhundert Jahre alten Behauptung distanzieren muss.

Written by Quax

28. April 2011 at 15:42

Veröffentlicht in Mischwald

Tagged with , , ,

Türchen Nummer neunzehn

leave a comment »

Weihnachten, das ist die Zeit, in der man gerne mal die Krippe bekommt, weil es so kalt ist. Andere stellen sich eine Krippe in die Wohnstube oder vor das bausparfinanzierte Eigenheim. Die Krippe und das kleine Jesuleinkindchen und Maria und Joseph und die heiligen drei Könige und die Hirten und wilde Tiere! Herzallerliebst.

Öffnen wir mit einem Jauchzen also Türchen Nummer neunzehn!

Jeder liebt Krippen! Wie könnte man auch nicht? Kleine Figürchen und eine größere Holzhütte, die den Stall darstellt, alles hübsch dar- und hingestellt. Weil Krippen so unheimlich beliebt sind, gibt es sie in allen Größen und Variationen. Und das missfällt dem Herrn, sagen die Berufsspielverderber der katholischen Kirche.

Besonders angetan sind die Herren Kuttenträgern von einer Krippe aus einem Versandhandel, in der alle Figuren Elche sind. Die drei Kings sind Elche, Maria is’n Elch, Joseph is’n Elch und Jesus ist auch ’n Elch. Der Heiland als Elch, das ist natürlich sehr geschmacklos, schließlich ist der Elch im Christentum ein unreines Tier. Elche und Pinguine und Eisbären. Und weil diese Krippen alle so ungeheuer verletzend sind, hier nun eine wundervolle Krippenalternative für zum Selberbauen:

Maria, Joseph und das kleine Jesulein. Daneben die heiligen drei Könige. Das kann man erkennen.

Written by Quax

19. Dezember 2010 at 00:05

Veröffentlicht in Adventskalender

Tagged with , , ,

Die größten Kritiker der Elche waren früher selber welche

leave a comment »

Frei und frisch von der Leber weg nach F.K. Waechter. Worum geht’s heute? Katholen und Evangelen. Schon wieder? Misanthropenwald, ein Watchblog für die Ultramontanen. Aber was soll man machen, wenn weder Westerwelle noch Merkel noch – und ganz besonders – Wulff so gar nichts doofes machen!

Der Theologe David Berger behauptet, dass ein großer Teil der katholischen Kleriker schwul sei. Wenig verwunderlich, bei Männern, die nur von anderen Männern umgeben sind, die Schmuck und lange Kleidchen tragen. Berger, selber schwul, behauptet, dass die Katholen wegen ihrer Schwulität so extrem gegen Schwule hetzen – gegen andere gerichteter Selbsthass, sozusagen. Bei seiner Arbeit für eine katholische Zeitung wurde Berger mit schöner Regelmäßigkeit überwacht, bestimmte Begriffe durfte er nicht verwenden, denn sie seien zu neutral. Das Wort „Lebensgefährte“ beispielsweise, ist bei Heteropaaren durchaus gebräuchlich, den bösen Schwulen hingegen muss es „Unzuchtpartner“ heißen. Da zeigt sich, was die Katholenzensur für ein humorloser Haufen ist. Wenn schon gegen Schwule hetzen, dann doch bitte richtig und mit kompromittierenden Begriffen, wie „Buttbuddy“ oder wasweißichnochwas, aber doch nicht „Unzuchtpartner“! Ebenso ist „Homosexuell“ noch viel zu gut für die blöden Schwuchteln, deswegen nutzt man „widernatürliche Unzucht“. So versteift schreibt man, wenn man einen Stock im Arsch hat (Witz nicht beabsichtigt), aber doch nicht, wenn man einen moralischen Diskurs führen will – den man ohnehin schon verloren hat, wenn man ernsthaft gegen Homosexualität agitieren will, was soll denn das. Immerhin muss sich die hl. Mutter Kirche nicht vorwerfen lassen, sie habe keine Ahnung von dem, was sie da erzähle und kenne sich nicht mit Homosexualität widernatürlicher Unzucht aus. Doppelt hält nunmal alles besser, auch Moral.

Aber eine gute Meldung aus dem Vatikan gibt’s: Der Papst sieht das mit den Kondomen nicht mehr so eng!

Dass Doppelmoral kein Luxusproblem der ultramontanen Schwulenfeinde ist, zeigt der evangelikale Pfaffe Cedric Miller. Er predigte öffentlich gegen den Tempel der Generation @, nämlich Facebook. Seine Gemeindeschäfchen solle man das Gesichtsbuch verbieten, weil der kröperliche Kontakt dadurch gefördert werde. Weil Männlein und Weiblein via Facebook Kontakt aufnähmen, sich träfen und dann völlig naturgemäße Zucht durchführen könnten. Eine Horrorvorstellung, hoffentlich weiß Mark Zuckerberg davon! Deswegen muss Facebook raus aus Cedrics Gemeinde. Das wäre ein hehres Ziel und hätte ansich nichts mit Doppelmoral zu tun – wenn der Herr Pastor sich nicht nach jedem Sonntagsgottesdienst mit anderen Menschen zum allgemeinen Rudelbums zusammengefunden hätte.

(Quel le)

Written by Quax

21. November 2010 at 14:46

Veröffentlicht in Mischwald

Tagged with , , ,

Des Rottweilers Bulldozer

with one comment

Papst Rumpelstielzchen XVI. hat einen Bruder im Geiste. Der Mann heißt Franz-Peter Tebartz-van Elst und ist Bischof von Limburg. Und wo der Ratzepapst schon ewiggestrig und ultramontan ist, da ist Bischof Tebartz-van Elst noch ewiggestriger und ultramontaner.

Bischof T-v E (niemand sollte sich die Mühe machen und jedesmal Tebartz-van Elst ausschreiben) ist der jüngste Bischof im Altherrenverein der Mitrasköppe und das mit fünfzig Jahren. Der Verbrauch an Spucke muss immens sein, um sich innerhalb kürzester Zeit die Karriereleiter empor speichelzulecken und schon jetzt Aussichten auf die Übernahme des Erzbistums Köln zu haben. Dann kann sich T-v E noch den Präfix „Erz-“ an seinen bisherigen Titel klatschen.

Überhaupt macht der Hirte der Limburger das, was ein guter Hirte tut; er vollbringt lauter gute Taten, indem er mit Ehrentiteln um sich schmeißt: Prälat, apostolischer Pronotar, Reliquienentstauber, persönlicher Sekretär (damit ist kein Lustknabe gemeint – vermutlich), bischöflicher Zeremoniar – der Kasper weiß, wie man eine coole Truppe zusammenstellt. Sein Vorgänger (der nun Behinderten aus der Bibel vorliest) hat auf solche Titel und Prunk allgemein wenig gegeben und war dementsprechend wenig unbeliebt. 

Doch Bescheidenheit ist eine Zier und T-v E kann ohne ihr. Als Reversrobinhood kürzt er die Gelder an der Basis um seine eigene Basis zu vergrößern, denn was so ein Bischof ist, der braucht representative Prunkbauten und zwar keine Sakralmonumente, wie den Kölner Dom (der übrigens von – ausgerechnet! – Protestanten fertiggebaut werden musste, hihi), sondern bischöfliche Residenzen aus purem Diamant. Hinzu steht der Reißzahn des HErrn jeden Sonntag im Dom und schwafelt bis die Jungfrau blutet, wobei er gern nachplappert, was der alte Mann mit dem weißen Rauschebart vorgibt. Regelmäßig stellt er über sein Palaver fest:

Das waren nicht meine Worte, das waren Seine.

So kann man sich auch aus der Verantwortung ziehen, falls man mal eher Unsinn erzählt, doch wenn ich Blödsinn erzähle und behaupte, der mächtige Zarathustra hätte mir Worte in den Mund gelegt, ich käme womöglich schneller in die Klapse denn in hübsche bunte Kleidchen und in einen Dom.

Nun sind die Wege des Herrn ja unergründlich, es sei denn, man interpretiert sie so, wie’s Rom beliebt, denn was dem Heiligen Vater gefällt, gefällt auch Jahwe. Und wenn Christian Wulff (den hatten wir hier auch lange nicht mehr!), erwählter Bundespräsident und allzeit Mehrer der Republik, sagt, dass der Islam zu Deutschland gehöre wie der Kebab, dann widerspricht man ihm nicht, es sei denn, man ist von höherer Stelle erleuchtet. Da keift der Kanzelproll, dass der Islam nicht zu Deutschland gehöre, weiöll das Rechtssystem auf christlichen Werten der christlichen Leitkultur beruhe und biblische Überzeugungen undsoweiter, blablabla. Was die Anwesenheit regelmäßiger Moscheegänger in diesem Land nur bedingt ausschließt, sodass der Islam ja irgendwie doch ein Teil von- ach, was soll’s.

Während T-v E den Standpunkt seines Arbeitsgebers ausbreitet und dabei den Römern wohlgefällt, kriecht er den höheren Katholen sehr tief hinten rein und macht das, was man als katholischer Würdenträger am besten kann, nämlich Wasser predigen und Wein saufen, bis die Leber Rumba tanzt.

Um auf bereits geschriebenes zurückzukommen, T-v E schnallt den Gürtel enger. Freilich nicht seinen eigenen, sondern den derer, auf die er treten kann, während er mehr nach oben buckelt. Da kann man ruhig Kirchengeld abzwacken und sich einen BMW mit verdunkelten Scheiben leisten, man ist schließlich Bischof und kein schnöder Kommunalpolitiker, notfalls wird eben die Kollekte erhöht.

Ein katholischer Würdenträger, der sich Prunk und Protz baut und teure Gefährte leistet und seine Befehle direkt aus Rom bekommt? Als wir in Deutschland das letzte Mal so ein Problem hatten, kam ein Mönch und sagte: „Nüschts gibt’s!“

Hätte nicht jemand Lust, ein paar Thesen an die getönten BMW-Scheiben zu nageln? 

(Quelle)

Written by Quax

16. November 2010 at 23:33

Veröffentlicht in Polemik

Tagged with , , , ,

D-D-D-Doppelmoral!

with one comment

Keine Woche ohne Kirche, ich hab’s ja gesagt. Aber wer glaubt (und mit dem Glauben hat die Kirche ja auch irgendwie zu tun), dass jetzt was über Mixa, den Schläger von Augsburg, kommt, der irrt. Denn während trotz heftigen Entschuldigungssperrfeuer die Mixafront zusammengebrochen ist und im Missbrauchswald noch heftige Gefechte ausgetragen werden, musste im Frontabschnitt Titanic-Cover eine schwere Niederlage eingesteckt werden.

Wie kömmt’s? Die Staatsanwaltschaft hat entschieden, dass es zu keinem Strafverfahren gegen die Titanic wegen ihres Covers (über das wir erregt berichteten) kommen wird. Es liegt nämlich keine Beleidigung eines Bekenntnisses vor und auch keine Volksverhetzung. Wer ist eigentlich auf den Blödsinn gekommen, dass das Volksverhetzung sein könnte?

Wiedemauchsei, die Steinzeitkatholiken schäumen vor Wut. Und wo der Katholische Nachrichtendienst nur resignierend die Meldung runterleiert, beginnt der wirklich große Spaß erst in den Kommentaren unter dem Artikel. Werfen wir mal einen Blick auf die geballte Toleranz der katholischen Fundamentalisten und romhörigen Ultramontanen!

So schreibt familiesonne:

Ach so, also quasi selbst schuld?
Wie darf ich das verstehen?

Da der öffentl. Frieden durch den Missbrauchsskandal gestört ist, liegt hier also keine Störung mehr vor. Die Kirche ist also quasi selbst daran schuld, dass es zu
s o l c h e n (!) Titelbilder kommt.

Also, das ist unverschämt. Wie heisst die Sprecherin? Wie lautet die E-Mail-Adresse des Presserates?

 Beschweren ist immer gut. Vielleicht muss ich dazu ein wenig ausholen (zu einer Erklärung, keine Sorge, ich will niemanden verletzen. Physisch.), denn der Aufruhr um das Cover begann am 1. April und die Titanic hatte sich den Spaß erlaubt, zu verkünden, sie gehörten nun zum Verlag Gruner+Jahr und hatten dementsprechend auch ihr Impressum verändert und deren Telefonnummer und E-Mailadressen angegeben. Nun kamen die Lämmer vom Katholischen Nachrichtendienst und wollten sich ob des Covers beschweren. Und – ihr ahnt es schon – ohne sich zu fragen, warum so ein Nischenmagazin ausgerechnet am 1. April zu einem renommierten Verlag gewechselt sein soll, riefen alle Empörlinge bei den armen Leuten von Gruner+Jahr an. Zugegeben, ick habe sehr jelacht.

Halten wir fest, wild Schaum spuckend Hassmails verschicken bringt nicht so wahnsinnig viel. Aber wir haben ja noch mehr Kommentare für zum angucken, zum Beispiel Cantate – mit einem Klassiker:

Wieder ein Teilchen im Mosaik !
Ein Teilchen fügt sich zum anderen !
Jetzt wissen wir, wie man einen unliebsamen Bischof zum Rücktritt zwingen kann.
Jetzt wissen wir, was die Presse sich alles erlauben darf, da ja die Christen an allem Übel selbst schuld sind !

Wenn ich jetzt sage: So etwas Ähnliches gab es doch schon einmal — so etwa vor 70 Jahren —- dann werde ich zur „persona non grata“ und werde aller meiner Ämter enthoben !

Puh, fast hätte ich die Durststrecke seit dem letzten Nazivergleich nicht überlebt. Das ist übrigens der vierte Kommentar und schon greift Godwin’s Law. Wir halten mal fest, dass Angst und Paranoia die Runde machen und alle darauf aus sind, die Kirche zu zerstören. Indem eine Satirezeitschrift mit lächerlicher Auflage ein provokantes Cover bringt.

Guiseppe beklagt dagegen die Parteilichkeit der Staatsanwaltschaft:

Dass die Staatsanwaltschaft sich dann noch erdreistet, pauschalisierend und parteiisch vom „Versagen der Kirche“ zu reden, entlarvt geradezu eindrucksvoll ihre Befangenheit.

Das ist auch eine schöne Logik, wenn einem eine Entscheidung nicht passt, ist der Schiedsrichter (oder in diesem Falle Schiedsstaatsanwalt) parteiisch. Gar nicht davon zu reden, dass die Kirche ja gar nicht versagt haben kann bezüglich der Missbrauchsfälle, die wurden schließlich jahrzehntelang hervorragend vertuscht!

Etwas später folgt schon Godwin II, dank loyalbushie:

„Im Westen nichts Neues“
Warum muss ich bloß an Aufführungsverbote des Films „Im Westen nichts Neues“ denken, die damit begründet wurden, dass der allgegenwärtige Terror der Nazis gegen Kinos, die ihn im Programm hatten, ein solches Vorgehen aus Gründen der Sicherheit erfordere?

Ich betreibe selbst eine teilweise wirklich bissige Satireseite, aber selbst da gibt es gewisse Grenzen, die nicht überschritten werden.

Zwei Dinge sollten hier festgehalten werden, erstens: Würde der Vergleich mit dem Aufführungsverbot nicht erst dann hinhauen, wenn das Cover verboten wär? Sollte man mal drüber nachdenken.

Zweitens: Hier erkennt man ein sehr schönes Argumentationsmuster, nämlich die Taktik des „Ich-Hab-Ja-Viel-Humor-Aber“-Argumentierens. Durch den gönnerhaften Verweis, dass man ja selber durchaus Humor habe und gerne auch über schwarzen Humor lachen könne (wobei die meisten, die sich darauf berufen vermutlich keine Ahnung haben, ab wann man von schwarzem Humor sprechen kann), wird die eigene Toleranz gezeigt und der empörliche Gegenstand dahingehend abgewertet, dass er selbst die eigene, äußerst weit gedehnte Humortoleranzgrenze sprenge und somit völlig überzogen und unerträglich sei. Leute, die von sich behaupten, sie hätten viel Humor, haben im Regelfall überhaupt keinen.

Eine weitere Art des Argumentierens ist das „Was-Wäre-Wenn-Sie-Es-Bei-Anderen-Gemacht-Hätten“, die ich zuerst am Beispiel des Kommentars von Spectator zeigen möchte:

Nein, nein …
… eine „Institution“, ach so, was ist denn da bitte eine „Institution“, wenn gegen Priester gehetzt wird? Wenn man gegen Juden hetzen würde, indem man sie als Angestellte der Weltbank oder einer vergleichbaren Organisation zeigt, dann darf man ja hetzen, denn dann geht es ja gegen die „Institution“ … So etwas Lächerliches.

Was wir hier haben, ist zum einen plumper Antisemitismus unter dem (arg zerlöcherten) Deckmäntelchen der feinsinnigen Provokation: Der Jud‘ als Geldwechsler.

Zum anderen sehen wir hier, dass das Cover offenbar nicht verstanden wurde und der Begriff „Institution“ offensichtlich in seiner Definition die Grenzen des Intellekts simpler Gemüter übersteigt.

Aber ich möchte ja das „Bei-Anderen-Trauen-Die-Sich-Das-Nicht“-Argument zeigen, so schreibt Christoph Sanders:

Nun,
dann kann ja ein Satiremagazin auch einen Soldaten der IDF [Israelische Streitkräfte, Anm. Quax] darstellen, der mit der einen Hand einem Palästinenserkind die Leber herausreisst und mit der anderen Hand weissen Phosphor auf die Mutter wirft. Und im Hintergrund klingeln die Schekel.
Satire lebt von Übertreibung und Verzerrung.
Oder geht DAS etwa nicht?

 Man stelle sich einmal vor, das Cover der Titanic neben dem beschriebenen Bild des mordenden Juden (schon wieder die Juden!)  – Feinsinn gegen Martialismus. Satire lebt eben nicht nur von der Übertreibung, sondern auch von der Interpretationsmöglichkeit; nicht umsonst gab sich Titanic-Chefredakteur Leo Fischer gespielt betroffen, als er von der Aufregung erfuhr. Für ihn sei auf dem Bild ein Gläubiger, der sich andächtig dem Kreuze nähert. Mit einer solchen (wenn auch unfassbar beknackten) Aussage kann man Kritiker auf Distanz halten. Stellen wir uns jetzt den leberfressenden, phosphorwerfenden Soldaten Israels vor – wie ist hier die Beleidigung versteckt (und ja, das Cover ist beleidigend – schließlich ist es ein Satiremagazin, verdammt!), na? Überhaupt nicht. Das wäre im Grunde nichts weiter, als plumpe, Platte Kritik, insbesondere noch in einem Themenfeld, das mit der ganzen Causa nicht das geringste zu tun hat.

Also wird einfach eine andere, naheliegende Religionsgruppe zum hinkenden Vergleich herangezogen; dazu sehen wir uns den Kommentar von sonni an:

Aber es tröstet einen, wenn man weiß, daß solche dummen Aussagen auch auf Feigheit beruhen. Man sollte eine Titanic mit Mohammed vorne drauf rausbringen: einen Bombengürtel um den Bauch und jede Hand voll mit von Blut triefenden Menschen. Was die Staatsanwaltschaft dann wohl den muslimischen Mitbürgern sagt?

Und wieder, plump und ungelenk, sowie zu offensichtlich und platt ist die Idee. Viel interessanter ist wohl die Frage, was die böse Staatsanwaltschaft denn dann wohl machen würde? Vermutlich das, was sie bei den Mohammedkarikaturen seinerzeit gemacht haben. Wir erinnern uns, 2005 brachte eine dänische Zeitung zwölf Mohammedkarikaturen raus, die heftige Proteste nach sich zogen, auch in Deutschland, wo einige der Karikaturen nachgedruckt wurden. Damals stießen bei vielen diese Proteste auf Unverständnis, damals sagten viele, dass das Pressefreiheit und Meinungsäußerung sei und eine Gesellschaft dies aushalten müsse. Allzu gerne berief man sich auch auf Tucholsky; Satire dürfe nunmal alles. Fünf lange Jahre musste ich warten, bis endlich der gleiche Fall bei den Wogenglättern eintrat!

Diejenigen, die sich damals auf die Freiheiten beriefen, sind heute die, die das Cover unerträglich finden. So sieht sie aus, die Heuchelei und Doppelmoral der Bornierten und Ewiggestrigen, das gilt nicht nur für Katholiken. Passiert einer Gruppe so etwas, soll sich diese Gruppe nicht so anstellen, passiert etwas ähnliches der eigenen Gruppe, dann ist die Empörung groß und das Geschrei noch größer. Das Messen mit zweierlei Maß, diese Janusköpfigkeit sind Gründe, warum Satire notwendig ist: Um den Angegriffenen genau diese ihre Heuchelei zu zeigen. Dass sie sich tatsächlich einsichtig zeigen und sich ändern, das wird Wunschdenken bleiben. Aber vielleicht wird man ab und zu innehalten und nachdenken, ob die eigene Reaktion angebracht ist oder ob man sich widersprüchlich gibt. Und selbst die Chancen, einen solchen Lernerfolg zu erzielen sind angesichts der Betonköpfe illusorisch und utopisch.

Zum Abschluss, damit dieser Eintrag nicht so depressiv endet, möchte ich meinen Lieblingskommentar auseinander nehmen, Absatz für Absatz. Los geht’s, Bananus:

SKANDAL !!!
Jetzt stimmt es also doch, wir verkommen immer mehr zum totalitär-atheistischen Staat !

Ja, wie schade, dass wir nicht mehr im Mittelalter leben, als die Kirche noch Territorialherrscher war und der Staat sich aus Kirchendingen raushielt. Außer von solchen Kleinigkeiten, wie der Einsetzung der Bischöfe durch den Kaiser des Heiligen Römischen Reiches oder dass der Kirchenstaat von französischen Truppen beschützt wurde.

Man stelle sich vor, man hätte eine ähnlich Karikatur mit den Mohamedanern gemacht, diverse Anschläge hätte es dann gegeben !!!

Siehe oben. Wir erinnern uns ja noch alle an die Anschläge in Europa, die direkte Antworten auf die Karikaturen waren.

Meiner Meinung nach wurde sehr wohl der öffentlich Friede gestört, da sich das Schundblatt direkt gegen die Kirche Christi als Institution richtet.

Aber, aber! Wir haben doch gelernt, dass man sich gar nicht gegen die Institution gewandt hat!

Unverschämt, wie schnell die Staatsanwaltschaft nicht mehr objektiv ist, damit wird ja auch gegen die Verfassung verstossen finde ich.

Oja, denn objektiv ist nur, wenn ich Recht bekomme. Wenn der andere Recht bekommt, verstößt man gegen die Verfassung, in der in Artikel zwei steht: Ich habe Recht.

Ich persönlich empfinde das Titelbild als Gotteslästerung und Blasphemie, welche als Todsünde schwerer wiegt als angeblich Prügel.

Cover > Prügel. Wieder was gelernt, lieber wild um sich schlagen als malen. In der Bibel steht ja schließlich auch was davon, dass man die andere Backe hinhalten soll un‘ so.

Wer ein Gottloser Sünder ist, kann das natürlich nicht nachvollziehen. Ich werde schleunigst für diese Menschen beten, mehr kann ich als guter Christenmensch nunmal auch nicht unternehmen.

…und ich bin sehr froh, dass Gebete das einzige sind, was er unternehmen kann. Wenigstens schreibt er keine blödsinnigen Mails an Staatsanwaltschaften, den Presserat oder Gruner+Jahr.

Und zu guter Letzt scherzt er noch ein bisschen rum:

DANKE an Kath.net weiterhin für die obektive Berichterstattung, ich finde es gut dasss man wenigstens hier noch richtig informiert wird.

Das möchte ich unkommentiert so stehen lassen. Man liebt halt das, was einem gefällt. Ach, jetzt habe ich’s ja doch kommentiert! Ich Doppelmoralist, ich!

Written by Quax

24. April 2010 at 12:03

Veröffentlicht in Mischwald

Tagged with , , , ,

Keine Woche ohne Kirche

with one comment

Nachdem man in bischöflichen Kreisen endlich erkannt zu haben scheint, dass Nazivergleiche nich‘ so der Hit sind, sucht man neue Wege, möglichst viel relativierenden Unsinn auf möglichst engem Raum unterzubringen. Und diesen in den Äther zu schießen, darin sind die Brüder im heiligen Geiste inzwischen ganz, ganz groß.

Heute darf Kardinal Tarcisio Bertone sein Glück im Minenfeld der Fettnäpfchen versuchen und sucht den Grund für den Missbrauch – und findet auch einen: es ist nicht das Zölibat! Gut, das ist jetzt bekannt, die Ehelosigkeit von Priestern hemmt den Missbrauch enorm, aber was ist dann das Problem? Es sind, so zitiert ihn Österreichs BILD-Pendant „Krone„, die Schwulen:

„Viele Psychologen und Psychiater haben bewiesen, dass es keine Beziehung zwischen Zölibat und Pädophilie gibt“, so Bertone[…]. Andere hätten wiederum gezeigt, dass es „eine Beziehung zwischen Homosexualität und Pädophilie gibt“, sagte er.

Klar sind’s die Schwulis schuld, in dem Verein dürfen ja Frauen gar nicht mitmachen. Aber Herr Kardinal hat sich noch nicht stumpfsinnig genug gegeben und heizt weiter nach, mit einem großen Haufen, gut brennbaren Quatsch:

„Die Kirche verheimlicht ihre Sünden nicht“, meinte der Kardinal.

Haha! Watt habe ick jelacht! Entweder waren das also keine Verheimlichungen bisher – oder Missbrauch ist für Bertone keine Sünde, aber weiter geht’s:

Pädophilie sei „eine Herausforderung für die Staaten, aber auch für alle Menschen“.

Aber nicht für die Kirche, bei der es weder Sünden gibt, weil unfehlbar, noch Vertuschungen. Warum sollte man auch etwas vertuschen, was es nicht gibt, richtig, Herr Kardinal?

Keine Institution habe dabei so viel wie die Kirche unternommen, um die Wahrheit ans Licht zu bringen, meinte der Kardinal. „Der Papst handelt, die Staaten nicht. Welcher Staat hat sich ernsthaft mit dem Problem des Kindesmissbrauchs auseinandergesetzt, einem extrem wichtigen sozialen Phänomen?“, fragte Bertone.

Stimmt, bisher haben sich nur ein paar Priester mit dem Missbrauch auseinandergesetzt. Nur so nebenbei, was hat der merkelgleiche Papst eigentlich bisher so unternommen? Außer nichts?

War das denn schon alles, Bertone? Mitnichten. Mit-nich-ten!:

Auch das viel kritisierte Argument, Pädophilie sei in anderen Gruppen viel verbreiteter als in der Kirche, brachte Bertone […] hervor.

Oh, cool. Na wenn’s alle machen, dann ist’s also nicht so schlimm, wenn die Priester fröhlich mitmissbrauchen, ja? Außerdem erhebt wohl kaum eine „andere Gruppe“ (welche das auch immer seien) den Anspruch, eine ähnlich hohe moralische Autorität zu sein. Denn wenn der Weg ins Himmelreich nur über die harte Fleischgeißel in meinem Rektum führt, dann bleibe ich lieber gottloser Heide.

Kardinal Bertone liegt also ganz schön weit vorne im Rennen um die dümmste Aussage. Aber wie der Erzbischof unter den Atheistenblogs „Feuerbringer“ (der mich auch auf den Krone-Artikel aufmerksam werden ließ), zu berichten weiß, ist dem Kardinal jemand dicht auf dem Fersen. Nämlich Bischof Babini. Aber nur angeblich, denn die Bischofskonferenz hat, wie ich ja einleitend schrieb, offensichtlich ein bisschen dazugelernt und sich schon distanziert; die Worte seien nie gefallen.

Worum es geht? Ich mache es ziemlich spannend hier. Wer ist denn sonst schuld, wenn alles den Bach runter geht und man einen Sündenbock für alles braucht? Wer steckt hinter der ganzen Kirchenkritik? Es sind die Juden:

Eine Website zitierte Giacomo Babini, den in den Ruhestand versetzten Bischof von Grosetto, mit den Worten, ein “zionistischer Angriff” sei hinter der Kritik, angesichts wie “stark und raffiniert” die Kritik sei.

Schwache und plumpe Kritik kommt nämlich von den Protestanten und die Moslems sprengen sich ja eh ständig in die Luft. Da bleiben nur die guten, alten Brunnenvergifter und Hostienschänder. Wir sehen, es lebt sich gut mit Verbitterung, Paranoia und einem gar simplen Weltbild.

Angeblich sprach er zu der katholischen Website Pontifex, als Babini, 81, mit den Worten zitiert wurde: “Sie wollen die Kirche nicht, sie sind ihre natürlichen Feinde. Tief in ihnen drin, historisch gesprochen, sind die Juden Gottesmörder.”

Yyyyyyeeeeeaaaaaahhhh! Die Juden sind Gottesmöder, sie haben unseren Heiland ans Kreuz gebracht! Der auch Jude war. Das wär doch mal eine interessante theologische Frage: Ist Jesus als Jude auch ein Gottesmörder? Hat er quasi Selbstmord begangen?

Tief in ihnen drin, historisch gesprochen, sind die Juden vielleicht Gottesmörder, Bischof Babini, alter Historiker, aber tief in dir, ganz gegenwärtig gesprochen, bist du, Babini, ’n Idiot. Danke für die Aufmerksamkeit.

Written by Quax

13. April 2010 at 22:20

Veröffentlicht in Mischwald, Polemik

Tagged with , ,