Misanthropenwald

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Dummbo spricht!

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Manch einer wird den Eindruck bekommen haben, der Misanthropenwals sei politisch links. Das stimmt gar nicht. Eigentlich bin ich ein erzkonservativer Monarchist mit Hang zum liberalen Reaktionismus. Die CDU müsste also mein bester Freund sein. Und ich versuche auch, die CDU zu mögen, wirklich! Aber sie macht es mir nicht leicht. Und dann gibt JU-Oberpfeife Philipp Mißfelder noch der Süddeutschen ein Interview…

Philipp Mißfelder und seine Ohren – staatsmännische Mimik des Bundeskanzlers 2020! Ich plädiere für eine präventive Auflösung der Bundesrepublik.

Das Interview beginnt gleich mit einem guten Witz der SZ:

sueddeutsche.de: Herr Mißfelder, nach dem angekündigten Rückzug von Roland Koch aus der Politik debattiert die CDU, wer ihm als konservatives Gesicht nachfolgen könnte. Die Bild-Zeitung sieht Sie schon als neue konservative Hoffnung der CDU.

Bruahaha, SZ! Dass der segelohrige Mißfelder das Ersatzgesicht für diese Laune der Natur sein soll, super! Mit einer Beleidigung beginnt man große Interviews, sehr schön. Hätte ich nicht besser machen können.

Außerdem, was sagt das über den Zustand der CDU aus, wenn ausgerechnet Berufspappnas‘ Mißfelder die große konservative Hoffnung ist – und überhaupt, ist das nicht der Mann, der vor ein paar Jahren gefordert hat, Rentnern und Hartz-IV-Empfängern nur ein eingeschränktes Wahlrecht zu geben? Diese Idee unserer neuen „konservativen Hoffnung“ war toll, ob wir in diesem Interview ähnliche Geistesblitze bestaunen dürfen?

Aber hallo! Mißfelder zeigt uns, was wir an Koch gehabt haben (außer einem Bildungs- und Polizeikaputtsparer und Hetzredner): „Mit ihm bricht ein politischer Eckpfeiler der Union weg […]“, wie tragisch! Fehlt der ganze rechte Eckpfeiler. Vielleicht ist das mit dem allgegenwärtigen Linksrutsch gemeint. Doch ohne rechten Eckpfeiler rutsch alles, was der Pfeiler trug, nach – naja – rechts halt. Metaphorisch gesprochen, denn Koch hat ja nie irgendwas getragen, am wenigsten Verantwortung.

Schelmisch fragt die SZ, wie der Eckpfeiler es hinbekommen hat, zehn Prozent bei der letzten Wahl nachzugeben. Philipp weiß es:

Mißfelder: Wir haben bei der Bundestagwahl eines der schlechtesten Ergebnisse unserer Parteigeschichte erzielt. In Nordrhein-Westfalen haben wir vor allem in unseren Hochburgen massiv verloren. Ich kann nicht erkennen, dass das passiert wäre, weil wir uns so außerordentlich um unsere Stammwähler bemüht hätten. Wir haben uns im Gegenteil insbesondere um die Mitte beworben.

Verluste, weil ihr Dötsche in der Mitte geworben habt, soso. Nur so, als klitzekleiner Hinweis: Vielleicht hättet ihr Wahlstrategen statt auf dümmliche Wahlkampfsongs zu setzen mal lieber eure Stammwählerschaft mobilisieren sollen! Dann hättet ihr bei der Bundestagswahl nicht so mies abgeschnitten und würdet jetzt die Regierung stellen… Moment… Und weil diese Regierung (von welcher Partei ist nochmal diese Frau Dr. Merkel?) so großartige Arbeit geleistet hat, habt ihr in NRW – zurecht – die Quittung bekommen. Minderheitsregierung unter Hannelore Kraft, einer Frau. Heißt es eigentlich deswegen Minderheitsregierung…?

Wurscht, jedenfalls lag es nicht daran, dass ihr um die Mitte geworben habt, jene Mitte, die gerade zwischen Mövenpick-Großkapital und Hartz-IV-Plebejern aufgerieben wird. Dank euch übrigens. Gut gemacht. Und Mißfelder heißt die Zukunft. Wieso nur, wieso.

Weiter:

sueddeutsche.de: Ist die Frage, ob und wie konservativ sich die Partei nach außen darstellt, eine Frage des politischen Überlebens?

Mißfelder: Nein. Es müssen sich alle drei Wurzeln in der Union, die konservative, die liberale und die soziale widerfinden.

Krrks, krrks, krrks. Wie passt das denn zusammen, konservativ und liberal und sozial? Da fällt mir ja nicht mal ein passender DDR-Vergleich zu ein. Wenn ich konservativ und liberal bin, bin ich die FDP. Wenn ich konservativ und sozial bin, bin ich die CSU. Wenn ich sozial und liberal bin, bin ich die Regierung von Willy Brandt. Und wenn ich alles drei bin, bin ich wie Mißfelders Hirn, nämlich unauffindbar.

Aber es geht ja noch weiter, Mißfelder, übernehmen Sie:

Wir brauchen aber auch in der Wirtschaftspolitik ein Gesicht. Nach dem Wechsel von Karl-Theodor zu Guttenberg vom Wirtschafts- ins Verteidigungsministerium müssen wir auch in der Regierung deutlich mehr Profil zeigen.

Wieso, Saufnase Brüderle macht den Job doch ganz ordentlich? Und Gutti will bei der Armee sparen und das Heer auf die Größe des Versailler Vertrags stutzen, nämlich auf so 100.000 Mann (und Frau).

Jetzt geht’s ja aber auch darum, wie man die Stammwählerschaft aus ihrem Wachkoma holt. Zum Beispiel durch klare Aussagen in der Integrationspolitik:

Mißfelder: Etwa mit klaren Aussagen in der Integrationspolitik. Wir haben ja geradezu einen Wettbewerb darum, wer die meisten runden Tische organisiert. Stattdessen brauchen wir mehr Ecken und Kanten.

Oh, Philipp! Statt runder Tische eckige.

Unsere Stammwähler aber, vor allem diejenigen, die in den großen Städten tagtäglich mit den Integrationsproblemen konfrontiert werden, suchen hier mehr Halt. Sie verlangen von uns ganz klar, dass wir uns mehr dem Aspekt des Forderns und nicht nur dem des Förderns widmen. Dafür steht auch Roland Koch.

Jahaha, Koch stand total auf’s Fordern und Fördern. Erst forderte er, kriminelle Ausländer hinzurichten auszuweisen. Die Abschiebung der Kriminellen wurde dann effektiv gefördert. Das ist Fördern und Fordern nach hessischer CDU-Lesart, für die Koch steht, bzw. stand und jetzt geht. Und Mißfelder schwingt sich auf, zum Neokoch. Denn so funktioniert gute Integration…:

sueddeutsche.de: Was wäre denn eine konservative Forderung, die diesen Ansprüchen genügt?

Mißfelder: Ich finde, und das haben wir in Nordrhein-Westfalen teilweise auch etabliert, es soll kein Kind mehr eingeschult werden, wenn es nicht Deutsch sprechen kann.

…natürlich überhaupt nicht. Ein nicht deutschelndes Balg kommt also nicht in die Schule, sondern bleibt doof. Gut, bei unserem Bildungssystem ist es wurscht, ob die Kinderlein die Schulbank drücken oder nicht. Aber mal ernsthaft, das ausländisch sprechende Kind darf nicht in die Schule und – lernt kein Deutsch. Wozu auch, es ist ja den ganzen Tag in seinem ausländischen Umfeld, wo es ausländisch sprechen kann. Außerdem hat es keinen Schulabschluss (nicht mal von der Grundschule! Sowas gibt’s sonst nur bei Abgeordneten der Grünen!) und wird dem Staat auf der Tasche liegen, mit Hartz-IV. Aber hey, so wird es ja automatisch kriminell und kann auf Kochsche Art gefördert werden. Wie prima, dass in der heilen CDU Welt aus kaputten CDU-Köpfen solche tollen Ideen kommen.

Damit Stammwähler reanimiert werden, schlägt Mißfelder das zweite Paradoxon des Interviews vor:

Wir müssen sozial ausgewogen und ordnungspolitisch vernünftig sein. Wir müssen weltoffen sein und zugleich ein klares Bekenntnis zur deutschen Leitkultur ablegen.

Krrks, krrks, krrks. Da knackt das Gehirn. Ich kann mich doch nicht weltoffen, kosmopolitisch geben und gleichzeitig auf den Provinzialismuszug der Leitkultur aufspringen, der genüsslich mit Volldampf voraus die ankriechenden Schafkulturen von den Gleisen fegt. Mißfelder, alter Kulturologe, ich glaube, da hat jemand das mit der Leitkultur mißfeldstanden (Aaargh, Wortspiel. Dreizehn Mark ins Wortspielschwein!), denn ist Leitkultur nicht automatisch diejenige Kultur, die am öftesten vorhanden ist und am meistesten praktiziert wird? Was gleicht sich wohl wem an, die türkische Minderheitskultur an die deutsche Herrenleitkultur oder umgekehrt. Na? Oder liegt diese bekloppte Forderung einfach daran, dass der Deutsche sich gern führen lässt?

Aber weiter:

sueddeutsche.de: Glauben Sie noch an Wahlergebnisse für die Union jenseits von 40 Prozent?

Mißfelder: Ja, aber das hängt vor allem davon ab, ob wir unsere Stammwähler und die Wechselwähler mobilisieren können. […] Wenn wir es dann zugleich schaffen, die Anhänger des politischen Gegners zu demobilisieren, sind wir ein Stück weiter.

Wenn ihr also alles genau andersrum macht als beim letzten mal, dann kann die CDU auch wieder stalinistische Wahlergebnisse einfahren. Und immer feste druff auf die anderen! Das ist neben Leitkultur das nächste, was man in der CDU sehr gern mag, andere Parteien ärgern. Und sei es die FDP in der eigenen Koalition. Aber da frage ich mich doch: wer ist denn der politische Gegner? Sind das nicht im Moment alle? Von FDP bis Linkspartei? Will man also die demobilisieren, eventuell sogar auf die eigene Seite ziehen? Will Mißfelder wirklich von den Stimmen zum Kanzler gekürt werden, die sonst die menschenfressenden Kommunisten bekommen hätten? Mißfelder – ein Halbsozialist? Linksrutsch, anyone?

Aber bis dahin ist es ja noch ein langer Weg, dessen Ziel Mißfelder hoffentlich nie erreicht. Zum Schluss also noch ein paar Worte zum Ist-Zustand der Partei:

Mißfelder: Angela Merkel ist die unumstrittene Nummer eins der Union. Die Partei ist auf sie zugeschnitten, wir unterstützen sie in ihrem Weg.

Ja, zugeschnitten auf die unumstrittene Nummer eins war die CDU schon anno damals auf den ewigen Helmut Kohl. Und was kam nach Kohl? SCHRÖDER!

Kann Mißfelder das wollen? Dass wir nach Merkel das gleiche durchmachen müssen wie nach Kohl? Und würde Mißfelder dann die neue Merkel werden? Ja? Wäre möglich?

Hasst Mißfelder Deutschland wirklich so sehr? 

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Written by Quax

29. Juni 2010 at 01:27

Veröffentlicht in Polemik, Politik

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„Der Kaiser hat abgedankt!“

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„Er und seine Freunde sind verschwunden! Es lebe das Neue! Es lebe die deutsche Republ-“ Quatsch, Phillipp Scheidemann hier zu zitieren ist natürlich grober Unfug, denn Horst Kaiser Köhler ist ja gar kein Köhler (Himmelherrgott!) Kaiser, sondern nur Bundespräsident (im folgenden BuPrä abgekürzt), bzw. war. Da die Bundesleberwurst (beleidigt) nun fort ist, brauchen wir einen neuen BuPrä und es geistern jede Menge Schauermärchen durchs Land, wer denn das nun werden soll.

Da habe ich inzwischen Namen gelesen, die gibt’s gar nicht, beziehungsweise schon, leider. Da wurde schon Norbert Lammert in den Raum geworfen, aber er hat sich nicht ernsthaft verletzt und Joschka Fischer wurde hinterher ge- äh.. -rollt. Da hätt‘ man ja ziemlich Prima die Wahl zwischen zwei edlen unkaputtbaren Todesbazillen (i.e. Pest, Cholera, Grüne) und andere Namen werden auch schon an den Briefkasten von Bellevue genäht.

Gesine Schwan soll für die SPD ins Rennen gehen, weil es mit der ja die letzten beiden Wahlen schon so gut geklappt hat. Wenn die SPD einen Fehler gefunden hat, dann wiederholt die den aber auch immer und immer und immer wieder. Weil sie endlich gefunden hat, was sie so gut kann. Verlieren.

Irgendwo, wahrscheinlich im Forum von SPON, habe ich den Namen Helmut Schmidt gelesen und mal ehrlich, man kann von Helmut Schmidt (passenden Raucherwitz hier einfügen) ja halten was man will, der Mann schrammt vom Alter her an den 100 und ist außerdem längst nicht mehr der, der er einmal war, sondern nur noch die Asche seiner selbst.

Jetzt ganz ernsthaft ins Gespräch gebracht wurde  – und das auch noch von jemandem, dem man Macht über irgendwas gegeben hat! – Margot Käßmann. Das wär aber auch eine klasse Combi, ein Hosenanzug namens Osten als Kanzlerin und eine alkoholische Pfaffin, da frage ich mich doch, wann Mixa, dieser boxende Bischof, kommt (Wortspiel nicht beabsichtigt). 

Wer ja jetzt auch wieder Zeit hätte, wäre Roland Koch, über so einen BuPrä freut sich das linksliberale Bürgertum wie ein Schnitzel, wenn’s blitzt und dann wäre auch der Nimbus dahin: der vom Volke ewig geliebte BuPrä. Aber es ist auch denkbar, dass Mu-Mu-Mu-Muttimerkel ihren alten Freund Koch ins Kabinett holt und ans Finanzministerium fesselt und den Schäuble da hin räumt wo er hingehört. Nein, nicht in den Knast, sondern nach Bellevue, aber ich weiß nicht, wie es im BuPrä-Hauptquartier aussieht, bezüglich der Verwendbarkeit durch beinmäßig Herausgeforderte und einen Umbau können wir uns im Moment nicht leisten, ham‘ ja Kriiiiiiiiise. 

Aber vielleicht ist das Schloss ja kindergerecht, dann kann die Mutter der Nation (kann man ruhig wörtlich nehmen) nach Bellvü ziehen, nämlich Ursula von der Leyen. Aber das darf nicht passieren, weil sonst die Piratenpartei kommt und sämtliche Foren und Blogs mit ihrem oberkrassen Wortspiel „Zensursula“ vollkleistert, was einem schon auf die Testikel ging, als der Höhepunkt der Internetzensurdebatte noch nicht mal ansatzweise zu erspähen war.

Prima wäre auch Lena, die hat im Alleingang ganz Europa besiegt (was dem Führer ja versagt blieb) und ist nun „Prinzessin Deutschland“ (Titel auf irgendeinem unbedeutenden Käseblatt), woraus ich schließe, dass die Überschrift (Kaiser und so) eventuell doch nicht so falsch ist – vielleicht sind wir ja wieder eine absolut konstitutionelle Wahlerbmonarchie. Un problème, mon ami: Lena ist gerade einmal 19, also einundzwanzig Jahre zu jung, um für das Amt des BuPrä weggeschmissen zu werden.

Aaaaaaber: Stefan Raab könnte doch! Nicht unbedingt BuPrä werden, sondern eine nationale Aufgabe sehen und den neuen BuPrä casten. Unser Star für Bellevue! Na, wär das was? Natürlich nicht, was sollen wir mit einem singenden Bundespräsidenten?

Aber ich will ja nicht nur destruktiv sein, sondern auch einen konstruktiven Vorschlag machen. Andererseits: Die CSU hält sich auch nicht dran und hat Stoiber vorgeschlagen. wirklich wahr. Am Ende kommt der wieder und wir müssen sowohl ihn als auch seine ganzen miserablen Parodien anhören und sehen! Na, hoffentlich bleibt uns das erspart und es kann nur einen Mann geben, der das Format hat, das Amt auszufüllen:

Helmut Kohl.

Written by Quax

1. Juni 2010 at 19:56

Krisen, überall!

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Was ist nur los mit der Welt, im Moment? Viel Dreck und Schutt, wohin man auch schaut! Anfangen tut alles im hohen Norden, denn er würgt wieder. Öl schwimmt im Meer. Und am Ende bezahlen wir wieder mit der D-Mark.

Aber mal langsam und von vorn: Wer ist er? Na, er! Er, der da würgt. Er, der Vulkan auf Island. Er, dessen Name nicht genannt werden darf – und vor allem kann (weil unaussprechlich). Vor kurzem spuckte er wieder kleine Aschewölkchen gen Himmel. Und alle Flieger gehen hooooooooch!, Spaß. Natürlich blieben sie am Boden. Und die Asche fliegt flockig weiter auf die Festung den Kontinent Europa.

Doch nicht nur diese Art von Asche nimmt Kurs Richtung Südost, sondern auch umgangssprachliche Asche. Moos! Kohle! Schotter! Moneten! Ihr habt richtig geraten, es geht um das liebe Geld. Ich weiß doch, wie klug unsere Leser sind. Geld, jedenfalls, zieht es nach Griechenland, denn dort haben sie keins mehr. Und woher nehmen, wenn nicht stehlen oder drucken? Die Griechen kriegen ihr Geld vom deutschen Steuerzahler, denn der hat’s ja.

Doch bald wird es kaum noch Steuerzahler geben. Nein, nicht weil wir alle arbeitslos werden, sondern weil die Geburtenrate so niedrig ist. Quasi gar nicht mehr vorhanden, quasi. Der deutsche Steuerzahler stirbt also aus. Das liegt daran, dass Akademiker keine Kinder kriegen. Nicht, weil sie physisch dazu nicht in der Lage wären, sondern weil sie nicht ficken. Denn wenn uns die Demographie was lehrt, dann doch wohl, dass sich nur dumme Menschen vermehren.

Und an dieser Stelle kommt Hessens MiniPrä Roland Koch ins Spiel. Er möchte die Schnackselei ankurbeln, indem er dumme Menschen produziert. Und das tut er, indem er die Bildungsausgaben kürzt. Denn Bildung braucht keiner, am wenigsten die Hessen. Damit erhöht der kluge Hessenchef Koch nicht nur den Anteil Vermehrungswilliger an der Gesamtbevölkerung, nein, er züchtet auch gleichzeitig neue CDU-Stammwähler heran.

Und während in Hessen die Schwarze Pest wütet, schwimmt ebenjene im Golf von Mexiko fröhlich hin und her. Öl ist das Hydroäquivalent zu Asche in der Luft, nur halt im Wasser. Alle reden von Unfall und Unglück, aber das stimmt nicht, ist ja nicht die SPD. Nein, der Ölkonzern BP hat eine neue Transportmöglichkeit entdeckt: Strömung, die pipelinelose Pipeline! Das da vorher niemand drauf gekommen ist! Bei den meisten Menschen kam diese Form des Öltransports jedoch weniger gut an, sodass sich BP genötigt sah, sein Öl wieder einzufangen. Mit einer Glocke. Das konnte nur schiefgehen. Hätt‘ BP doch mal Schiller gelesen, der in seinem weltberühmten Gedicht dichtete: Loch in Erde, Messing rin‘ / Glocke fertig, Bimbimbim! – und jetzt soll man mal versuchen, auf dem Meeresgrund flüssiges Messing irgendwo hinzugießen, das konnte ja nicht klappen! Da haut’s einem die ganze Soße doch um die Ohren, da so tief unten!

Und so ganz so tief so können die Griechen ja gar nicht sinken, auch wenn sie grad kein Geld haben. Denn sie kriegen ja Schulgeld vom Koch. Und wenn sie genug Geld haben, dann geht das nächste Land pleite, z.B. Portugal. Aber vielleicht mag der Deutsche dann nicht mehr helfen. Vielleicht hat er alle Euros an den Griechen gegeben und braucht neues Geld. Er könnte darauf hoffen, dass das Öl an die Nordseeküste schwimmt, sodass man es für teuer Geld verkaufen kann oder er erfindet schnell Automotoren, die auf Aschewolkenbasis laufen! Und wenn das nicht funktioniert? Dann führt er bestimmt die jute alte D-Mark wieder ein. Dann kann man die Deutschen beim Wechselkurs auch schön lang über den Tisch ziehen, denn um es zu merken, dafür werden sie ja eh zu blöd sein.

Blöd, aber viele. 

Written by Quax

17. Mai 2010 at 21:25

Fastenzeit

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Die Fastenzeit kommt jedes Jahr, wie Weihnachten oder der Tag der Arbeit. Und alle fasten mit, während auf diesem Blog Einträge gefastet werden. Was nicht schwer ist. Eigentlich soll man ja nur auf das verzichten, was einem schwerfällt. Sonst ist der ganze Sinn des Fastens ad absurdum geführt. Aber weil Nicht-schreiben nichts ist, was schwerfällt, werden in diesem Eintrag einfach kluge lateinische Sprüche gefastet (q.e.d.). Was fastet man denn so in unserem schönen Land, das vor dreißig Jahren noch von einer Mauer unterbrochen war?

Roland Koch, Ministerpräsident von Großhessen, verzichtet seit Jahren erfolgreich auf den Gebrauch von Hirn. Das zeigte sich vor allem vor einiger Zeit, als er die faulen Hartz-IV-Schmarotzer entdeckte – als billige Arbeitssklaven. Für Arbeiten wie Straßekehren, Müllaufsammeln, Autobahnbau.

Und weil die Hartz-IV-Parasiten seit Anbeginn des Universums Arbeit fasten, meldet sich (endlich!) Guido Westerwelle zu Wort und echauffiert sich in feinster Führerkampfgruppen-Gedenkrhetorik über das „asoziale Pack“ (G. Westerwelle, zugeschrieben), das den Leistungsträgern auf derjenigen Tasche liegt, in der die Spendenquittungen von der FDP liegen. Wer spendet, verzichtet. Und wer richtig viel verzichtet, den beschenkt die liebe FDP mit lustigen Steuerentlastungen. Und weil der ordinäre Hartz-IV-Spacko nüschts hat, was er spenden könnte, tja!, da gibt’s auch kein Steuergeschenk. Aber Hasstiraden vom Außenminister, das ist ja auch was.

Wegen der vielen Aufregung, die Westerwelle verursacht, verzichtet Mutti Merkel auf große Projekte. Oder irgendwelche Projekte überhaupt. Beziehungsweise, mal überhaupt irgendwas zu tun. Ist diese Frau eigentlich noch im Amt? Hoffentlich hat sie sich nicht überarbeitet! Wie auch immer, eine Pause hat sie sich verdient. Resepktiv, wir haben uns diese Pause verdient.

Verdient hat (und für diese großmeisterliche Überleitung ist uns der Grimmepreis sicher) auch das Finanzministerium wegen der vielen Selbstanzeigen. Viele Selbstanzeigen, fragt sich nun der ein oder andere? Ja, viele Selbstanzeigen. Denn Schäuble, unser Finanzminister, der beweist, dass nicht nur der Rubel rollt (Pulitzerpreis für dieses Wortspiel), droht unserem nachbarlichen Bergvolk, der Schweiz, mit dem Kauf einer Steuer-CD. Auf dieser CD befinden sich die Daten jener, die in letzter Zeit Steuern gefastet haben. Unsere Freunde aus der Schwyz finden das weniger lustiger, wenn nicht sogar überhaupt nicht, und drohen damit, die schweizer Kontodaten von deutschen Amtsträgern zu veröffentlichen. Die FDP ist tief getroffen von diesem Angriff auf ihre Mitglieder und empört über die „Hartz-IV-Empfänger Europas“ (G. Westerwelle, fälschlicherweise in den Mund gelegt).

Während die Schweizer Banken also über den Tag der offenen Tür nachdenken, übernimmt das japanische Unternehmen Toyota die christlich-abendländische Tradition des Fastens und verzichtet beim Autobau abwechselnd auf Gaspedal und Bremse.

Nicht zu bremsen (Nobelpreis!) ist auch die Diskussion um das minderjährige, weil siebzehn Lenzen junge, Literaturnewcomerwunder Helene Hegemann, die riesenhafte Stücke aus ihrem Roman (Irgendwas mit ‚Roadkill‘) von anderen gemopst haben soll. Und das in einem Ausmaß, in dem sonst nur die Einträge auf diesem Blog zusammengeklaut worden sind das unvorstellbar ist. Wir verurteilen das!

Wir verurteilen das in dem gleichen Maße, mit dem Bischof Mixa (Mixa. mit „M“. Nicht mit „W“.) die 68er für die Missbrauchswelle in seiner Heiligen Mutter Kirche verantwortlich macht. Stimmt genau! Das Zölibat, zum Bespiel, hat nichts damit zu tun! Wir sagen Ja zum Nein zur Aufhebung des Zölibats! Vielleicht leben diese Sexpriester wenigstens ab jetzt vierzig Tage lang enthaltsam und fasten Unzucht wie der Teufel das Weihwasser.

Vierzig Tage fasten also. Eine lange Zeit, verglichen mit z.B. einer Woche. Man darf gespannt sein, wer die vierzig Tage durchhält oder sich gar selbst übertrifft.

Written by Quax

19. Februar 2010 at 16:33