Misanthropenwald

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Schlacht um Bellevue

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Reißerischer Titel, was? Das ist aber auch ein Hauen und Stechen, was uns da bevorsteht, wenn die Bundesversammlung am dreißigsten Juni unseren neuen BuPrä kürt. Christian Wulff von der CDU gegen Joachim Gauck von der Antistasi. Erst sah es so aus, als würde es am dreißigsten sechsten zu einer reinen Akklamationsveranstaltung für Wulff kommen – falsch gesehen!

Denn die SPD hat zum ersten mal in ihrer Geschichte seit langer Zeit etwas ziemlich cleveres getan. Sie hat Joachim Gauck, den ehemaligen Leiter der Behörde zum Sortieren zerschnibbelter Stasiunterlagen, zum Kandidaten erkoren. Zusammen mit den Grünen, aber die lassen wir mal unter den Tisch fallen (was bei den Grünen generell eine gute Idee ist, har har har).

Mit Gauck haben CDU und FDP ein Problem – weil sie ihn mögen. O welch Paradoxon! Doch erinnern wir uns zurück ins Jahr Zwotausendschießmichtot, als die Unionsparteien den – völlig zurecht! – unbekannten Horst Köhler vom Sparkassen- zum Bundespräsidenten machten. Seine Herausforderin war Gesine Schwan und gegen die konnte die Union (zu der ich die FDP hier mal zuzähle) gut agitieren: keine Erfahrung, nicht geeignet, eine Frau. Fünf Jahre später setzte die SPD wieder Gesine Schwan gegen den Köhlerhorst, mit dem gleichen Ergebnis. Die Union konnte gegen Schwan die ollen Argumente (Erfahrung, Eignung, kein Mann) wieder auspacken und alles ward gut.

Jetzt allerdings, gnihihi, hat die SPD ja Joachim Gauck ins Spiel gebracht. Ein Parteiloser, ein Pfarrer. Einer, der von Bundesmerkel Hosenanzug noch mit überschlagend schönen Attributen versehen worden ist, als er Geburtstag hatte. Einer, der innerhalb der CDU und auch von der FDP geschätzt wird. Eine dufte Type also. Einer, gegen den der hauseigene CDU-Kandidat Christian Wulff wie ein bestickter Putzlappen aus dem letzten Wahlkampf aussieht.

Da hat man sich mit Wulff aber auch ein dickes, niedersächsisches Ei gegen die eigene Schläfe gedonnert. Er ist zwar die bessere Wahl als von der Leyen (wargh!), Schäuble (WARGH!) oder Koch (WARGH!), aber das ist so, als müsste man sich zwischen Rüttgers und Kraft als Ministerpräsidenten entscheiden (ne, NRW?). Vielleicht sähe Wulff richtig souverän und präsidentenlike aus, wenn die SPD wieder irgendeine Gurke aufgestellt hätt‘, aber gegen den parteilosen, allseits geliebten, jesusgleichen Erlöserpräsidenten Gauck, da sieht Wulff nunmal so aus, wie das, was er nunmal ist und verkörpern soll: Ein Parteisoldat im höchsten Amt, eine merkelsche Hindenburg mit ähnlich viel heißer Luft innendrin.

Westerwelle hat bei der Vorstellung des nächsten Bundespräsidenten Kandidaten Wulff gesagt, dass man Wulff jemanden gefunden habe, der wisse, welche „geistige Achse unsere Republik“ brauche und diese Achse heißt wohl Angela-Guido-Horst, womit die Sache mit der Überparteilichkeit wohl auch gegessen wäre, gerade im Vergleich zum allseits geschätzten Gauck, der durch Parteilosigkeit glänzt.

Dass diese geistige Achse aus Luft so porös ist wie morsches Holz oder Dirk Niebels Verstand, zeigt sich daran, wie wenig stramm die eigenen Parteiuntertanen auf Linie bleiben. Denn eigentlich sah es so aus, als würde Wulff mit einer satten Mehrheit von einundzwanzig Stimmen gewinnen, aber nun denken einige FDP-Landesverbände laut nach – naja, „denken“, wie auch immer. Jedenfalls, sie sympathisieren offen mit Gauck, ebenso wie einige CDUler. König Mappus von Württemberg, mein hochverehrter Landesherr, hat offen bekundet, dass er Gauck sehr schätzt und pöbelte ein bisschen herum; er ist halt noch neu im Ministerpräsidentenamt des beinahe schönsten Bundeslandes und muss seinen Stil noch finden, doch Tillich von Sachsen ist schon länger am Ruder in Dresden und auch er findet Gauck gut. Trotzdem wollen beide für Wulff stimmen.

Mit dem ungewöhnlichen Verstandesgebrauch der FDP ist der Erdrutschsieg des Christian Wulff gar nicht mehr so sicher und wenn die Abweichler jetzt noch Eier in der Hose haben, haben wie eventuell bald einen richtigen Präsidenten und nicht so einen nach Bellevue in den Vorruhestand abgeschobenen Merkelkonkurrenten. Doch die Unionspartei’n wollen schon Vorkehrungen treffen und aus der Bürgerschaft keine Prominenten in den Reichstag schicken, sondern nur gestandene Abgeordnete. Also Leute, die auch schön nach Linie abstimmen.

Man darf also gespannt sein, wer das Rennen letztendlich machen wird. Gut oder Böse. Schwarz oder Weiß. Gott oder Teufel. Jung oder Alt. Asterix oder Obelix. Stasijäger oder IM Niedersachsen Ministerpräsident.

Und weil’s zum Thema passt:

  

Written by Quax

7. Juni 2010 at 18:25

Veröffentlicht in Polemik, Politik

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„Der Kaiser hat abgedankt!“

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„Er und seine Freunde sind verschwunden! Es lebe das Neue! Es lebe die deutsche Republ-“ Quatsch, Phillipp Scheidemann hier zu zitieren ist natürlich grober Unfug, denn Horst Kaiser Köhler ist ja gar kein Köhler (Himmelherrgott!) Kaiser, sondern nur Bundespräsident (im folgenden BuPrä abgekürzt), bzw. war. Da die Bundesleberwurst (beleidigt) nun fort ist, brauchen wir einen neuen BuPrä und es geistern jede Menge Schauermärchen durchs Land, wer denn das nun werden soll.

Da habe ich inzwischen Namen gelesen, die gibt’s gar nicht, beziehungsweise schon, leider. Da wurde schon Norbert Lammert in den Raum geworfen, aber er hat sich nicht ernsthaft verletzt und Joschka Fischer wurde hinterher ge- äh.. -rollt. Da hätt‘ man ja ziemlich Prima die Wahl zwischen zwei edlen unkaputtbaren Todesbazillen (i.e. Pest, Cholera, Grüne) und andere Namen werden auch schon an den Briefkasten von Bellevue genäht.

Gesine Schwan soll für die SPD ins Rennen gehen, weil es mit der ja die letzten beiden Wahlen schon so gut geklappt hat. Wenn die SPD einen Fehler gefunden hat, dann wiederholt die den aber auch immer und immer und immer wieder. Weil sie endlich gefunden hat, was sie so gut kann. Verlieren.

Irgendwo, wahrscheinlich im Forum von SPON, habe ich den Namen Helmut Schmidt gelesen und mal ehrlich, man kann von Helmut Schmidt (passenden Raucherwitz hier einfügen) ja halten was man will, der Mann schrammt vom Alter her an den 100 und ist außerdem längst nicht mehr der, der er einmal war, sondern nur noch die Asche seiner selbst.

Jetzt ganz ernsthaft ins Gespräch gebracht wurde  – und das auch noch von jemandem, dem man Macht über irgendwas gegeben hat! – Margot Käßmann. Das wär aber auch eine klasse Combi, ein Hosenanzug namens Osten als Kanzlerin und eine alkoholische Pfaffin, da frage ich mich doch, wann Mixa, dieser boxende Bischof, kommt (Wortspiel nicht beabsichtigt). 

Wer ja jetzt auch wieder Zeit hätte, wäre Roland Koch, über so einen BuPrä freut sich das linksliberale Bürgertum wie ein Schnitzel, wenn’s blitzt und dann wäre auch der Nimbus dahin: der vom Volke ewig geliebte BuPrä. Aber es ist auch denkbar, dass Mu-Mu-Mu-Muttimerkel ihren alten Freund Koch ins Kabinett holt und ans Finanzministerium fesselt und den Schäuble da hin räumt wo er hingehört. Nein, nicht in den Knast, sondern nach Bellevue, aber ich weiß nicht, wie es im BuPrä-Hauptquartier aussieht, bezüglich der Verwendbarkeit durch beinmäßig Herausgeforderte und einen Umbau können wir uns im Moment nicht leisten, ham‘ ja Kriiiiiiiiise. 

Aber vielleicht ist das Schloss ja kindergerecht, dann kann die Mutter der Nation (kann man ruhig wörtlich nehmen) nach Bellvü ziehen, nämlich Ursula von der Leyen. Aber das darf nicht passieren, weil sonst die Piratenpartei kommt und sämtliche Foren und Blogs mit ihrem oberkrassen Wortspiel „Zensursula“ vollkleistert, was einem schon auf die Testikel ging, als der Höhepunkt der Internetzensurdebatte noch nicht mal ansatzweise zu erspähen war.

Prima wäre auch Lena, die hat im Alleingang ganz Europa besiegt (was dem Führer ja versagt blieb) und ist nun „Prinzessin Deutschland“ (Titel auf irgendeinem unbedeutenden Käseblatt), woraus ich schließe, dass die Überschrift (Kaiser und so) eventuell doch nicht so falsch ist – vielleicht sind wir ja wieder eine absolut konstitutionelle Wahlerbmonarchie. Un problème, mon ami: Lena ist gerade einmal 19, also einundzwanzig Jahre zu jung, um für das Amt des BuPrä weggeschmissen zu werden.

Aaaaaaber: Stefan Raab könnte doch! Nicht unbedingt BuPrä werden, sondern eine nationale Aufgabe sehen und den neuen BuPrä casten. Unser Star für Bellevue! Na, wär das was? Natürlich nicht, was sollen wir mit einem singenden Bundespräsidenten?

Aber ich will ja nicht nur destruktiv sein, sondern auch einen konstruktiven Vorschlag machen. Andererseits: Die CSU hält sich auch nicht dran und hat Stoiber vorgeschlagen. wirklich wahr. Am Ende kommt der wieder und wir müssen sowohl ihn als auch seine ganzen miserablen Parodien anhören und sehen! Na, hoffentlich bleibt uns das erspart und es kann nur einen Mann geben, der das Format hat, das Amt auszufüllen:

Helmut Kohl.

Written by Quax

1. Juni 2010 at 19:56

Kalif anstelle des Kalifen

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Was haben die beiden (faulen) Autoren dieses Blogs und Bundeskasperin Merkel gemeinsam? Richtig, von beiden hat man seit Wochen nichts gehört!

Denn während sich in der BVB-Koalition FDP, CSU, Seehofer und Westerwelle kloppen wie die Kesselflicker macht Mutti zur Sicherheit mal gar nichts. Man könnte ja was falsch machen. Abwarten und Nichtstun haben noch niemanden aus dem Amt befördert. Gut, Erich Honecker vielleicht. Wenn man Gorbatschow glaubt, der gesagt haben soll: „Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben“. Eigentlich gesagt hatte er – und die Übersetzung sprach sein Übersetzer in feinstem Ostdialekt, sodass man es lautmalerisch wiedergeben muss – vor Journalisten: „Isch glaube, Gefohrn wardden nur off jänä, die nischt off das Lähm reogirn“ (Ich glaube, Gefahren warten nur auf jene, die nicht auf das Leben reagieren).

Aber man will ja nicht Honecker mit Merkel vergleichen. Honecker war zum Beispiel nie stellvertretender FDJ-Sekretär. Um die Stellvertretung der Kanzlerin wird (oder besser: wurde) derweil heftig gestritten. Denn der einzige Vizekanzler der Welt ist Westerwelle, der steif durch die Weltgeschichte stakst und Applaus für seinen Besuch in Saudi-Arabien bekommt. Dafür, dass er dort war, ohne gehängt zu werden? Man ist sich nicht sicher.

Anyway, wie wir trendigen jungen Leute zu sagen pflegen, zurück zu Kanzlerins Stellvertretung: Auch die CSU will will will will einen Vizekanzler stellen. Argument: Es gibt drei Parteien in der Koalition, also muss es drei Leute geben, von jeder Partei einer, der irgendwas mit „-kanzler“ im Titel trägt. Drei Kanzler also, den zweiten Vize und damit dritten Kanzler soll Guttenberg spielen.

Die Hackordnung in unserem ziemlich netten Staate sähe dann folgendermaßen aus:

  1. Bundespräsident Horst Köhler (Das ist der Mann, der an Silvester mit weit aufgerissenen Augen eine aufrüttelnde, bewegende Rede an seine „Mitbürgerinnen und Mitbürger“ (O-Ton) gehalten hat)
  2. Bundesratspräsident Jens Böhrnsen (Nie gehört? Kein Wunder, dieser Mann ist zur Zeit nur Chef in Bremen und zufälligerweise Präsident des Bundesrates, der offiziell der Stellvertreter des BuPrä ist. Zumindest solange, bis Guttenberg den Posten auch übernehmen soll)
  3. Bundestagspräsident Norbert Lammert (Ein freundlicher CDU-Mann mit allerlei Flausen im Kopf. Er liest gerne mal im Bundestag das Fernsehprogramm vor)
  4. Bundeskanzlerin Angela Merkel (Darüber ist bereits alles gesagt)
  5. Vizebundeskanzlerin Guido Westerwelle (FDP, Außenminister. Worte reichen nicht aus, um ihn zu beschreiben)
  6. Vizevizebundeskanzlerin Karl-Theodor von & zu Guttenberg (CSU, Verteidigungsminister. Erarbeitet im Moment eine kluge Abzugsstrategie für die Wehrmacht aus Afghanistan)

Wenn also Horst Köhler vor die Hunde ginge und Jens Böhrsen völlig zurecht unbeachtet werden würde, wenn Lammert beim Seifenoperngucken einschliefe (für immer) und Merkel vor lauter nichtstun tot umkippen würde, wenn dann auch noch Westerwelle in China wegen FDP-Mitgliedschaft zu zwanzig Jahren Steineklopfen verurteilt werden würde, dann – und zwar nur dann! – hätte die CSU was zu sagen, so ganz oben an der Spitze.

Doch das wird Mutti nicht zulassen und zu verhindern wissen. Indem sie etwas tut. Zum Beispiel nichts.

Written by Quax

12. Januar 2010 at 22:59