Misanthropenwald

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Löbel!

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Meine Fresse, ich wollte dir beim letzten Mal schon androhen, dass ich dir auf den Sack gehe, wenn du mir noch einen Flyer in den Briefkasten setzt – und jetzt sind es gleich zwei! So nicht, Löbel, soooo nicht. Ich wollte ja nicht, aber du drängst mich ja! Chancenloser CDU-Löbel, du!

Könnt‘ ich mich ja drüber aufregen! Schon die graue Textwüste auf der Vorderseite des ganzen Propagandaflugblattes ist ein Traum. Denn es ist „Zeit für neue Ideen!“ und keine andere Farbe schreit Innovation so sehr heraus wie betongrau. „Politik wird mit Herz, Mut und Verstand gemacht“ und an allem mangelt’s dir, vermutlich besonders an letzterem.

Toll auch dein holpriges „Als Landtagsabgeordneter verspreche ich Ihnen voller Tatkraft und Engagement für Sie zu arbeiten“ – Ist dir die Kommasetzung vertraut, mein Freund und Kupferstecher? „…verspreche ich, [in Worten: KOMMA] Ihnen voller usw.“ – manchmal gibt es Lektoren, die solche Flugblätter korrigieren, aber manchmal eben auch nicht.

Ganz links, Löbel lässig und cool auf einem Stuhl. So kennen wir den Mann mit der teuren Uhr. Und weil’s ja grad aktuell ist, noch schnell ein populistisches „Atomkraft – Nein Nein“ hineingeblökt; es würde mich nicht wundern, wenn er vor drei Wochen noch vollster Atombefürworter gewesen wär‘. Wenn ich Atomkraftgegener wählen will, die auch das übliche Geseiere verbreiten, dann wähle ich doch die Grünen (was ich mangels Hirnschaden aber nie machen würde) und nicht den Löbel, der sich schön mit Mappus ablichten lässt, der bis vor kurzem noch größter Atommann Deutschlands war.

Dann oben links: Löbel in seriöser Pose, denn Löbel hat sich für mich und meinen Stadtteil eingesetzt, der offensichtlich nicht sein eigener ist, sonst täte er das mitreißende „uns“ benützen. Denn Löbel wohnt offensichtlich in F4, das ist das Quadrat in der Innenstadt. „Einsetzen“ tut er sich für Neckarstadt, das ist ein bisschen so, als würde der Berlinabgeordnete von Kreuzberg unter den Linden wohnen.  Aber was soll’s, so ein Löbel hat halt alle Hände voll zu tun, wenn der Wahlkampf „nicht erst vier Wochen vor der Wahl“ beginnt, sondern eine. Beziehungsweise sechs, wenn wir so großzügig sind und ab dem ersten Flyer zählen. In dieser Zeit hat er aber auch wahnsinnig viel bewegt, zum Beispiel hat er das Kinderhaus gerettet. Als Landtagsabgeordneter will sowas weiter machen – ob er weiß, dass der Landtag kein Repräsentantenhaus ist? Nicht nur Kindergärten rettet der Selbstdarsteller und Eitelkopf Löbel, sondern er kämpft auch gegen Schlaglöcher, dieser mutige Mann. In dem er Blumen in die Löcher pflanzt. Aber vorher sich beschweren, dass Schlaglöcher den Verkehr behindern, was Vegetation im Loch natürlich nicht tut. Hohe Symbolkraft und ein schönes Grinsefoto für den Flyer, das reicht. Denn nur eine starke CDU setzt die richtigen Prioritäten, wie Natur auf unseren Straßen.

Apropos Foto: Löbel in seriös, Löbel als Gärtner, Löbel als hemdsärmliger Landratsabgeordneter in Kindergärten, Löbel mit Mappus. Löbel mit Guttenberg ist, hihi, inzwischen verschwunden. Das ist das Licht von eitel Sonnenschein, was da auf den Löbelschen Schädel knallert. Freuen wir uns, dass wir so einen engagierten, jungen Mann wählen dürfen, der „mit beiden Beinen fest auf dem Boden!“ steht. Jemand, der sich auch für die Gesellschaft einbringt und ein Praktikum bei der Müllabfuhr gemacht hat, wovon es natürlich ein geiles Werbebild gibt. Eigentlich möchte ich, dass Löbel weiter etwas für die Bürger tut und gute Arbeit verrichtet und unsere Tonnen leert. Wer soll das machen, wenn er im Stuttgarter Landtag herumlungert?

Neben seinem Praktikum (ob ihm das wohl an der Uni als Pflichtpraktikum angerechnet werden konnte? So als studierender Jurist?) kennt er sich auch mit den sozialen Problemen der Stadt aus, weil er hat schon „zahlreiche Besuche“ in karitativen Einrichtungen gemacht. Jetzt weiß er, wie schlimm es in Mannheim zugeht und will möglichst schnell nach Stuttgart gewählt werden, um das Elend nicht länger ertragen zu müssen.

Uff.

Nächster Flyer.

Vorne drauf der Geisler und der Löbel und der Austausch der Generationen, wie bei Star Trek, als Käpt’n Kirk und Käpt’n Picard aufeinandergetroffen sind. Nur, dass diesmal beide nicht so cool sind. Eigentlich überhaupt nicht. Bezeichnend, dass auch nur diese beiden sprechen, ein Gespräch mit den Bürgerinnen und Bürgern aber gar nicht vorgesehen ist – wäre wohl auch albern, schließlich will Löbel nur von denen nach Stuttgart gehievt werden und keinen Debattierclub eröffnen.

Hinten drauf wird’s aber allerhöchste Zeit, „dass die Neckarstadt einen jungen engagierten CDU-Abgeordneten bekommt!“, was schon zweimal falsch ist. Einmal wieder das liebe Komma zwischen „jung“ und „engagiert“ – in der Aufzählung fehlt noch „bemüht“ und „selbstverliebt“ – „Neckarstadt“ ist der Name des Stadtteils. Ich vermute mal heftig, dass das wie ein Eigenname behandelt wird, dementsprechend ohne Artikel. Wie bei Städten. Es sagt ja auch keiner, dass „die Hamburg“ einen schönen Hafen hat oder dass „der Mönchengladbach“ hoffnungslos verloren ist.

Wie dem auch sei, es folgt das übliche Geschwafel dessen, wofür er sich alles einsetzen will, was – bis auf den Teil mit der Videoüberwachung – exakt so auch in allen anderen Programmen stehen könnte und vermutlich auch tut. Bisher war nur Löbel so dreist, Werbung in meinem Briefkästle zu hinterlassen. Zum Schluss gibt’s noch die hektisch angepappte Antiatomerklärung, man will ja möglichst viele Panikstimmen abfischen. Was völlig fehlt, ist der Hinweis, dass man auf dem Wahlzettel Koch-Löbel wählen muss und dass die CDU den Wahlkreis Mannheim-Nord schon selber abgeschrieben hat.

Es ist nämlich so, in Baden-Württemberg hat der Wähler nur eine Stimme, mit der er den Direktkandidaten samt Partei wählt. Wenn ich das richtig sehe, darf sich jede Partei ein paar der 70 Wahlkreise aussuchen, in denen die Anzahl der abgegebenen Stimmen auch für die Landesliste zählt und je mehr Prozent mann in diesen Wahlkreisen hat, desto mehr Abgeordnete gibt’s zusätzlich im Landtag. So in etwa. Wenn eine Partei ihr Zweitmandat auf einen Wahlkreis gar nicht erst legt, kann man davon ausgehen, dass das eh ein Kampf gegen Windmühlen ist.

Und ihr Don Quichotte heißt Löbel.

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Written by Quax

22. März 2011 at 00:16

Veröffentlicht in Polemik, Politik

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Ein Mann für alles

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Hurra, am 27.3. ist endlich wieder Landtagswahl, diesmal in Baden-Württemberg! Wahlwerbung überall, Plakate auf den Straßen, Pappaufsteller an Laternen und Flugblätter in Briefkästen. Flugblätter, wie das des CDU-Spitzenkandidaten Nikolas Löbel für den Mannheimer Norden.

Nein, was habe ich mich gefreut, als ich des Löbels Flugblatt im Briefkästle fand! Ein Traum von einem Menschen ist er, der Nikolas. Und sein Flugblatt ist auch ein Traum von einem Menschen. Der Traum, einmal im Landtag zu sitzen…

Wird auch Zeit!

Die roten Bäckchen, das Hemd, der Anzug. Der graue Hintergrund versprüht ungeahnte Seriösität und die Schrägheit seines Kopfes unendliche Jugendlichkeit. Aber Äußerlichkeiten sind nichts, was die Menschen an die Urne lockt. Denn das Innere zählt, beim Kandidaten wie beim Flyer.

Der Mensch Löbel ist „leidenschaftlicher Fasnachter“, was man an seiner umwerfenden Kostümierung auf dem Bild erkennt. Stolz steht er neben dem Prinzen, Löbel sucht die Nähe des Adels.

Der Mensch ist auch „ein typisches Kind“ seiner Generation – Generation ’86, die Generation der Scheidungskinder und selbstständigen Stiefväter. Ein Jurist der Universität Mannheim, was irreführend ist. Denn der Campus Mannheim, bildet gar keine Juristen aus, sondern Unternehmensjuristen. Paragraphenreiter, die niemals Richter werden können, höchstens Steuerschlupflöcher für Bauunternehmen suchen.

Nichtsdestotrotz ist der schmucke Anzugträger jemand, der „die alltäglichen Sorgen und Nöte“ kennt. Seit er ein junger Abiturient war, folgt er seinem völlig originellen Motto „Träume nicht dein Leben, lebe deinen Traum“, was wohl fast jedes zwölfjährige Mädchen als Motto bei SchülerVZ angibt – aber dies zeigt ja nur noch mal die Volksnähe und Jugendlichkeit des verklemmten Gesetzesschmöckerers, der sich „mit Herz, Mut und Verstand“ engagiert. Herz und Mut sind ihm durchaus zuzutrauen.

Für den Arbeiter Löbel bedeutet Selbstständigkeit „vor allem finanzielle Unabhängigkeit“. Zyniker würden dem Freizeitbauarbeiter nun vorwerfen, dass er diese Unabhängigkeit durch das Frisieren von Finanzberichten und Steuerbescheiden erreichte. Die Wahrheit sieht anders aus. Früh ist der Mensch Löbel aus dem elterlichen Nest voller alltäglicher Sorgen gezogen und erarbeitete jeden einzelnen Euro durch „körperlich harte Arbeit unter schwersten Bedingungen“. Der Proletarier Löbel kämpft für eine Jugend, die „unabhängig vom Geldbeutel ihrer Eltern“ ist. Wie er das tun will, das verschweigt der kluge Taktiker Löbel.

Die Jugend ist für den geistigen Altsenior Löbel eine schlimme Krankheit, die sich nur langsam bessert. Neben „Träume nicht dein Leben usw.“ vertritt Traumtänzer Löbel nämlich noch ein weiteres Motto;  Jugendlichkeit ist die Volksgeißel, der Löbel durch Arbeit für die CDU entfliehen will.

Den Verführungen des Adels erliegt jeder, auch ein Nikolas Löbel. Ob Karnevalsprinz Oliver oder Freiherr Guttenberg, der Löbel hatte sie alle. Gebannt hängt er an den Lippen des Armeeministers und folgt auch dessen Motto: „Immer dankbar sein, immer Träume haben und niemals aufgeben“, vorwärts immer, rückwärts nimmer. Und doch begeht dem Adelskenner Löbel ein Fauxpas, als er den überführten Trickbetrüger und Schwindler Guttenberg mit „Dr. [sic!] Karl-Theodor zu Guttenberg“ vorstellt. Doch als Jurist weiß Löbel natürlich um die Bedeutung akademischer Titel, steht er doch selbst kurz vor dem Examen.

Eine Liste der Dinge, für die der Politprofi Löbel steht, darf nicht fehlen. Und das ist wörtlich zu nehmen, denn der Werbefachmann Löbel setzt selbst beim Plakatieren auf neue Ideen. Überall in Mannheim stehen lebensgroße Pappaufsteller des volknahen Löbels herum, wie auf dem Bild des Flyers zu sehen. In der Hand das seriösgraue Schild und sein viertes Motto, ein zeitlos schönes: „Zeit für neue Ideen!“ 

Der trendige Löbel geht ungeahnte Wege, denn nichts repräsentiert einen CDU-Landtagsabgeordneten in spé besser, als ein zweidimensionaler Aufsteller aus Pappe. Böswillige Zeitgenossen enthaupteten bereits einige dekorative Papplöbels.

Zu guter Letzt bettelt der Löbel förmlich um Stimmen, denn „der Mannheimer Norden hatte noch nie einen CDU-Abgeordneten“, was man dem Mannheimer Norden gar nicht ansieht, denn er sieht ebenso degeneriert aus wie seine Bewohner. Doch das Fehlen eines CDU-Mannheimnord-Abgeordneten sorgte dafür, so der messerscharfe Kombinateur Löbel, dass der Mannheimer Norden „faktisch keinen Einfluss auf die Landespolitik“ hat und hatte. Löbel muss also folgerichtig „das Direktmandat gewinnen“, weil. Weil… weil. Die Begründung ist egal, denn „auch der SPD-Bewerber“ wird, wie „alle anderen Kandidaten“ auch über das Zweitmandat in den Landtag rutschen. Offenbar kann im Norden der Stadt an Rhein und Neckar niemand das Direktmandat gewinnen, es blieb immer vakant im Landtag. Damit sich das ändert, muss Löbel nach Stuttgart.

Nun ist die Verwirrung groß, wen soll man wählen? Der Flyer suggeriert „Löbel“, doch das ist nicht so einfach. Denn auf dem Wahlzettel heißt der Namenstrickser Löbel nicht Löbel, sondern Koch-Löbel. Diesen Makel möchte er loswerden, damit er demnächsten auch unter dem Namen firmieren kann, mit dem er „groß und bekannt geworden ist“.

Drum Löbel (bzw. Koch-Löbel) wählen, Insassen des Mannheimer Nordens! Damit Nikolas Löbel noch größer und noch bekannter wird und sich für unsere Stadt und unser Land einsetzt. Und irgendeiner muss es ja machen.

Written by Quax

26. Februar 2011 at 15:46

Veröffentlicht in Politik

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Alles wird Westerwelle. RCDS.

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Geografische Distanz ist ein Hund. Vom Wahlkampf mit Rüttgers habe ich im sonnigen Süden soweit nichts mitbekommen und ich dachte ja fälschlicherweise, dass die NRW-Wahl das einzige Großereignis hinsichtlich irgendwelcher Wahlen ist, doch weit gefehlt! An der Uni Mannheim herrscht seit gestern Wahlkampf, denn nächste Woche wird gewählt.

Und das bedeutet, dass die Hörsäle wieder voller Flyer liegen und mit Plakaten bis zur Unkenntlichkeit zugepappt werden. Daran ändert auch nichts, dass die Grüne Hochschulgruppe auf Flyer verzichtet und auf diesen Umstand stolz auf Plakaten hinweist – in ebenso großer Stückzahl wie die herumflatternden Flyer. Ironisch wär’s nu erst gewesen, wenn sie ihre Flyerlosigkeit durch Flyer bekannt gemacht hätten, aber gut.

Uniwahlkampf ist etwas, da haben alle Parteien mal richtig Zeit, sich wichtig zu fühlen. So wie richtige Politiker. Mit Wahlkampf und so. Plakate aufhängen, sich mit dem gemeinen Wahlvolk unterhalten. Ich behaupte einfach mal, dass die Jusos und die Grünen diejenigen sind, die sich dabei nicht allzu ernst nehmen. Völlig humorresistent sind dagegen – wie sollte es anders sein – die konservativen Hochschulgruppen. Derer haben wir zwei. Die Liberalen möchte ich außen vor lassen, denn über die FDP herzuziehen ist inzwischen so etabliert, dass es mir gar keinen Spaß mehr macht, auf die Gelben einzudreschen.

Also die CDU-nahe Hochschulgruppe, der RCDS. Um nochmal auf das Wichtignehmen zurückzukommen: Es ist bei Uniwahlen nun so, dass 1. kaum einer hingeht, die Wahlbeteiligung liegt zwischen 15% und 30% und 2. niemand mit Verstand nach Parteien wählt. Man tut es nicht! Man wählt immer – immer! – Leute, die man kennt oder den gleichen Studiengang besuchen. Meist läuft beides auf’s selbe hinaus.

Nun habe ich mir einen Flyer des RCDS gemopst und werde diesen nun in erbsenzählerischer Art auseinander nehmen, so wie es bei mir Brauch geworden ist.

Auf der Vorderseite grinsen mich neun superseriöse Gestalten an, die alle in den Senat wollen. Überschrift: „RCDS in den Senat“ – woraus ich einfach mal schließe, dass sie bisher nicht im Senat sind. Zurecht, wie ich finde.

Jedenfalls, unter den Namen der lächelnden Neun steht auch jeweils der Studiengang: BWL, Mathe, Econ[omy?], Anglistik, BWL, Jura, VWL, BWL, Jura. Es zeigt sich: Selbst wenn ich wöllte, und ich will ja gar nicht, könnte ich den RCDS gar nicht wählen, das sind ja alles Sklaven der Wirtschaft! Weder unter den Kandidaten für den Asta noch unter denen für den Senat befindet sich auch nur ein Geisteswissenschaftler!

Dieses Leistungleistungleistung-Denken macht sich bemerkbar, auch (oder gerade) in den Forderungen des RCDS.

Ein starker RCDS arbeitet für die EInführung eines evaluationsabhängigen Vergütungsbestandteils für Professoren.

Eine erzdumme Idee, dass beliebte Dozenten mit Geld belohnt werden, ganz gleich, was sie in der Lehre tatsächlich leisten. Wie soll das überhaupt ermittelt werden? Ab 60% positiver Evaluationsergebnisse gibt’s Bonus? Was ist mit Dozenten, in deren Vorlesungen 300 Studenten sitzen und mit Dozenten, die Übungen mit vielleicht neun Leuten halten?

Ein starker RCDS unterstützt die Stipendienprogramme und die Vereinfachung am BAföG.

Nun muss ich zugeben, dass ich mich mit dem BAföG-System nicht auskenne, aber ich glaube nicht, dass da die Studentenvertretung im Senat irgendetwas zu melden hätte. Abenteuerlich ist auch diese vage Ansage, Stipendienprogramme unterstützen zu wollen – inwiefern denn? Sollen Stipendianten mehr Geld bekommen? Soll das Angebot ausgeweitet werden? Sollen nur die besten zehn Prozent Stipendien bekommen? Soll es Angebote für sozial Schwache geben? In solch eine schwammige Forderung ist alles reinzuprojezieren.

Ein starker RCDS setzt in Mannheim die nötigen Veränderungen bei der Bolognareform um.

Nun mag man ob dieser kruden Formulierung nun denken, was einem beliebe, darum soll es mir nicht gehen. Paraphrasieren wir einmal diese Aussage. Es wird nichts weiter gefordert, als die vollkommene Verschulung des Universitätsbetriebes mit starren, undynamischen Lehrplänen und Semesterenden, die im Klausurmarathon enden. Das ist es, was der RCDS hier fordert. Hier unterwirft man sich ganz und gar der Wirtschaft, die wie ein Krebsgeschwür immer mehr Einfluss im akademischen Betrieb zu gewinnen scheint.

Ein starker RCDS kämpft für wirklich mehr Mitbestimmung.

Hier tut der RCDS vor allem eines, nämlich die verfasste Studienordnung zu behindern. Ganz davon abgesehen, dass diese Forderungen ein merkelscher Allgemeinplatz ist – mehr Mitbestimmung fordern kann man immer, damit macht man sich nirgens unbeliebt. Eben so offen bleibt die Aussage, wo soll wessen Mitbestimmung ausgeweitet werden?

Zu guter Letzt noch die Aussage, die von der Weltferne der „Christdemokraten“ zeugt wie keine andere:

Ein starker RCDS […] streitet für volle Transparenz bei der Verwendung Deiner Studienbeiträge.

Njet, mein Sohn. Die Studiengebühren, nennen wir das Kind doch beim Namen!, müssen nicht transparent verwendet werden, die Studiengebühren müssen abgeschafft werden! Denn es ist ein verdammtes Unding, dass ausgerechnet im Land der Dichter und Denker die Studenten für ihre Ausbildung einen Betrag zahlen müssen, der der armen Schicht der klugen Köpfe völlig den Weg in die Universitäten versperrt. Nun mag der Einwand derer kommen, die mit dem goldenen Löffel geboren wurden und vom Elternhaus durch ihr BWL-Studium durchfinanziert werden, dass es ja BAföG und Studienkredite gebe. Denen sei gesagt, dass es Menschen gibt, deren Stolz seine solche Abhängigkeit nicht zulässt und auch solche, denen der Gedanke nicht behagt, mit einem Abschluss in Philosophie oder irgendeinem anderen Fach, dass von der Wirtschaft an Universitäten höchstens stiefmütterlich toleriert wird, in der Arbeitswelt angekommen zu sein – mit Kreditschulden im Nacken. Und wer nun behauptet, dass man dann doch lieber etwas studieren solle „mit dem man auch Geld verdienen kann“, der sei als Ignorant schon gescholten genug und sollte seinen Verstandgebrauch lieber denjenigen überlassen, die die Geisteswissenschaften in diesem Gebrauch unterrichtet haben, während die Ignoranten selbst weiter bei ihren Capital Flow bleiben sollten.

Wie ich bereits erwähnte, ist es unrühmlich, dass im Land von Hegel, Mommsen, Schopenhauer, Kant und all den anderen klugen Menschen, Studiengebühren bezahlt werden müssen. Es ist die gottverdammte Pflicht des Staates, für die Ausbildung seiner Intelektuellen zu sorgen, der einzigen und mächtigsten Ressource, die er selbst generieren kann. Es muss schon eine Prestigefrage für die Nation sein, eine Schwemme an Genies heranzubilden, an hochgebildeten Menschen die vielleicht einmal auf ihrem Fachgebiet zur Weltspitze gehören werden.

Das ist es, wonach gestrebt werden muss. Man kann es natürlich auch anders machen – und RCDS wählen.

Written by Quax

4. Mai 2010 at 20:52

Veröffentlicht in Bildung, Polemik

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