Misanthropenwald

Posts Tagged ‘Merkel

Schlacht am Guttenberg

leave a comment »

Karl-Theodor zu Guttenberg ist zurückgetreten. Das wurde auch langsam Zeit. Sagt jedenfalls der eine Teil der Deutschen. Der andere bedauert den Schritt und sähe den Verteidigungsminister weiterhin gerne im Amt. Aber wer steht auf der einen Seite und wer auf der anderen? Und warum? Auf der Suche nach der Frontlinie.

Die Medien
…stehen auf der Seite der Guttenberg-Gegner: Nachdem die Süddeutsche Zeitung aufgedeckt hatte, dass der Minister a.D. bei seiner Dissertation abgeschrieben hat, war die Stoßrichtung: Das ist ein großer Skandal, er muss sich entschuldigen und bald hieß es, er solle seinen Posten räumen. Als zu Guttenberg dann rumkrebste, von „abstrusen“ Vorwürfen sprach, obwohl täglich neue Stellen in seiner Doktorarbeit gefunden wurden, die nicht von ihm waren, und schließlich doch „Blödsinn“ einräumte, forderten quasi alle Medien seinen Rücktritt.

Einzige Ausnahme: Die Bild-Zeitung. Sie hielt zu Guttenberg die Stange, hatte ihn schließlich zuvor schon für „gutt“ befunden und blieb dabei und ihm treu. So auch die Bildleser, wenn man denn der Umfrage des Blatts glauben kann, in der ihm 87 Prozent ihre Unterstützung zusicherten. Bei allen anderen größeren Zeitungen sah das anders aus und bereits bei bild.de waren es plötzlich 55 Prozent – die seinen Rücktritt forderten.

Die Wissenschaft
…steht mittlerweile wohl auf der Seite der Gegner. Jedenfalls spätestens, seitdem sich diverse Professoren und schließlich auch zu Guttenbergs Doktorvater (Prof. Dr. Dr. h.c. mult. – geil!) Peter Häberle gegen die Arbeitsweise des Ex-Ministers ausgesprochen haben. Für zu Guttenberg persönlich (es folgt eine wilde Vermutung) könnten auch die wäschekorbweise zu Angela Merkel angeschleppten Unterschriftenlisten mit den Signaturen enttäuschter junger Doktoranten ausschlaggebend gewesen sein, seinen Helm zu nehmen (Verteidigungsministerwitz).

Die, wo sich sonst eigentlich nicht für Politik interessieren
…sind klar für zu Guttenberg und betrauern seinen Rücktritt. In einem Facebook-Status steht u.a., dass seine Fehler mehr Nähe zu den Bürgern erzeugten, und dass sie ihn sympathischer machten. Die Argumentation pro zu Guttenberg läuft meist über Softskills: Bürgernah, gutaussehend, anpackendes Auftreten, Redetalent. Stimmen gegen zu Guttenberg werden mit „grünes Gelaber“, lustigen Sozibeschimpfungen und Missgunst gekontert. „Armes Deutschland“, das „nicht zu schätzen weiß, wenn mal einer kompetent ist, sondern denjenigen einfach verheizt.“

Die Soldaten:
…stehen weitgehend zu ihrem Minister. Er gilt als Macher, der die längst überfällige Bundeswehrreform angepackt hat. Ihm wird angerechnet, dass er zu seinen Soldaten steht und sich in Afghanistan sehen lässt. Ein ehemaliger Professor der Bundeswehruni München ließ ihn zwar gestern fallen, ist aber auch kein Militär.

Die „Intellektüllen“(Vgl. Pispers u.a.)
…sind neben den Medien die Speerspitze der Anti-zu-Guttenberg-Bewegung. Sie fürchten um seine Glaubwürdigkeit bzw. viel mehr, was noch alles erfunden und abgeschrieben ist, was so aus dem Hause zu Guttenberg kommt. Außerdem heißt es, mit Betrug dürfe man einfach nicht durchkommen. Sonst hätten sie ja damals auch abschreiben können, in ihrer Dissertation/Magisterarbeit/Abiklausur/Führerscheinprüfung. Und das haben sie ja nicht, wg. Moral u.ä.

Die Politiker
Stehen, zwiegespalten wie sie sind, auf beiden Seiten. Sie verurteilen zu Guttenbergs Verhalten sicherlich (sind ja intellektuelle Elite und meist auch promoviert) und finden sein Krisenmanagement (hoffentlich) lausig. Anderseits sehen sie kommen, dass auch ihre Dissertationen und Veröffentlichungen (neudeutsch: Papers, obwohl man sie nicht rauchen soll) bald mal unter die Lupe genommen werden. Und das kann keiner wollen.

Die, denen alles egal ist
…scheint es in diesem Fall nicht zu geben. Ich wünsche mir mal einen entsprechenden Facebook-Status. „Guttenberg ist und bleibt mir egal. Ob er betrogen hat, oder nicht, interessiert mich nicht. Dass er nun geht, habe ich mit einem Achselzucken wahrgenommen.“

Margot Käßmann
…hat sich zwar noch nicht geäußert, war aber die Letzte, die unkonventionell war, schnell empor kam und wegen eines Skandals zurücktrat. Direkt am Folgetag und mit Entschuldigung. Hat nun gelernt, dass sie wahrscheinlich mit ein bisschen mehr Ausdauer und Leugnen heute noch im Amt sein könnte.

Advertisements

Written by Achja

1. März 2011 at 20:58

Türchen Nummer Vierundzwanzig

with one comment

Weihnachten, da wird gesungen, gesoffen, gehurt und gelacht. Wir haben uns aber nur unterhalten und zwar über das vergangene Jahr. Zu euer aller Freude lief dabei – wie zufällig – ein Mikrofon. Also seid beschenkt mit dem letzten Podcast des Jahres! Und haltet durch! Der Beitrag wird besser, je länger er läuft!

Öffnen wir mit einem EIGENWERBUNG Türchen Nummer Vierundzwanzig.

Guttenberg haben wir absichtlich rausgelassen. Wir sind ihm immer noch böse, dass wir nicht nach Afghanistan eingeladen wurden.

Wir sind wieder wer

leave a comment »

Jahrzehntelang war Deutschland ein Drittweltstaat, das Schlusslicht Europas. Dieses drollige Kriegsverliererland, in zwei Hälften zerlegt, war die Sonderbewirtschaftungszone der EU. Unwichtig und in der Bedeutungslosigkeit versunken. Doch wie hat sich das nun geändert!

Die Krise ist überwunden, wir haben ein Wirtschaftswachstum wie zu Kaisers Zeiten und horten ordentlich Asche wie Heu. Der Staatsschatz ist so sehr angewachsen, dass Arbeitslose und Rentner alle zwei Euro mehr bekommen – ja selbst andere EU-Staaten werden inzwischen gekauft!

Die Schweine kommen langsam angekrochen, also die PIGS. Das steht für:

  • P ortugal
  • I rland
  • G riechenland
  • S panien

Ja? Englisch für Schwein. Pigs. Hätte man das deutsche Wort genommen, müsste das etwa so aussehen:

  • S chweden
  • C hile
  • H onduras
  • W ietnam
  • E ritrea
  • I srael
  • N amibia
  • E stland

Aber wir sind ja wieder international unterwegs, deshalb PIGS. Die Anfangsbuchstaben ergeben das englische Wort für Schwein. Schweine sind Allesfresser, das bedeutet, dass sie alles fressen wollen. Am liebsten Geld. Und wir haben Geld! Nachdem wir letztens schon Griechenland den Arsch gerettet haben, ist nun Irland dran. Die BILD schlagzeilte damals über die Pleite-Griechen und gab den Griechen ihre Drachmen zurück. Dann kam Merkel und kaufte den ganzen Sauhaufen an der Ägäis und sanierte deren Haushalt. Nach deutschen Vorbild; die Renter bekamen weniger Rente und die Beamten weniger  Beamte. Taktisch geschickt ließ Merkel die Verkäuferregierung als Marionette im Amt, sodass diese den Frust des Pöbels abbekam.

Ähnliches kann Strippenzieher Deutschland nun bei den irren Iren auf ihrer besoffenen Kleeblattinsel machen. Erst die heimische (also unsere) Bevölkerung auf den Kauf einstimmen, dazu nimmt man die Presse. BILD darf dann wieder von Pleite-Iren sprechen und den Iren ihr Pfund symbolisch wiedergeben. Dann schlägt Merkel wieder zu und kauft die grünen Kobolde. Genial!

Der Auftrieb der Weltmacht Deutschland blieb auch unseren Konkurrenten auf dem internationalen Parkett nicht verborgen. Spitzenminister Wellerweste drückte gegen jede Bedenken für unsere Heimat einen Sitz im Weltsicherheitsrat durch, indem man Stimmen – kaufte! Alle knicken sie ein, vor dem mächtigen Portemonnaie der Bundessuperrepublik.

Doch so viel Macht ruft auch Neider auf den Plan. The Uneidet States of America missgönnen uns den Aufschwung; weil wir deren Wirtschaft kaputtexportieren, liegt ein Handelskrieg in der Luft. Doch wer nichts zu handeln hat, kann auch nicht kriegen. Neid ist die höchste Form der Anerkennung. Geschenke der Anerkennung bekommen wir auch; führende Terroristen erkennen unsere neue Machtstellung an und beehren uns mit ihrem Sprengwerk. Nicht nur unsere griechischen Untertanen machen uns Präsente, auch aus Namibia, bekanntermaßen ein Terrorloch ohnegleichen, kommen mutmaßlich anerkennende Packete.

Länder kaufen, Sitze haben, Päckchen kriegen. Was braucht man mehr, um sagen zu können: Wir sind wieder wer!

Written by Quax

18. November 2010 at 18:56

Veröffentlicht in Politik

Tagged with , , , , , , ,

Wumms

leave a comment »

Das hat es nicht gemacht, als im Kanzleramt ein verdächtiges Packet entschärft wurde, das eine Bombe enthielt. Bomben in Packeten, von der Post geliefert. Woher kam dieses Päckchen überhaupt?

Als in den USA Packete mit jemenitischen Feuerwerk auftauchten, begann man in der Bundesrepublik den Panikrumba zu tanzen. Alle Flüge in, aus und um den Jemen drumrum wurden stillgelegt, notfalls von der Luftwaffe auf den Boden gefunzelt. Terror, überall. Schlimm. Auf keinen Fall sollte so ein Terroristenpräsent deutsche Heimatscholle erreichen und Unfug anrichten. Deshalb die harsche Flugsperre.

Blöde, dass dann doch eine Bombe im Kanzleramt auftauchte, adressiert an „A. Merkel, Bundeskzlr. v. Dtschlnd“. Merkel entkam dem Anschlag nur knapp, sie war in Belgien. Die Bombe wurde entschärft. Wie kommt eine jemenitische Überraschung denn trotz Vollluftsperrung in die Schaltzentrale der Macht? Klare Antwort, sie kam nicht aus dem Jemen.

Sondern aus Griechenland! Das hat das BKA herausgefunden, weil das Paketband nach Feta roch. Die Griechen, die Griechen. Da geben wir denen Kredite noch und nöcher und dann bauen die sich von dem Geld nicht funktionierende Bomben! Wo haben diese Dilletanten denn gelernt, bei der Sauerlandgruppe? Deutsche Terroristen hätten funktionierende Bomben gebastelt!

Jedenfalls, es gab einen ganz konkreten Anschlagsversuch aus Griechenland! Warum wird der Luftverkehr mit den Hellenen nicht eingestellt? Warum sperren die USA nicht ihre Flughäfen, so wie wir unsere geschlossen haben? Warum werden jemenitische Terroristen ernst genommen und griechianische nicht? Sind griechische Terroristen etwa weniger wert?

Fragen, die sich niemand stellt. Zurecht.

Written by Quax

3. November 2010 at 21:45

Veröffentlicht in Politik

Tagged with , , , , ,

Gerechtigkeit im O-Ton

with one comment

Ganz schön viel Prügel muss die Koalition da für ihre Megaerhöhung der Hartz-IV-Sätze einstecken. So kann das aber nicht weitergehen, sagten sich die Betroffenen und rechtfertigen das üppige Geschenk an den arbeitslosen Pöbel.

Wenn man einmal annimmt, dass da in Berlin nicht nur volltrunkene Gestörte herumgeistern, sondern dass das im Grunde rational und denkende Menschen sind, die Wissen, was für eine Urscheiße das mit der Erhöhung um die paar Groschen eigentlich ist. Dann ist es ja doch ziemlich lustig, mit was für beknackten Argumenten man versucht, die Erhöhung zu rechtfertigen. Dazu sagt beispielsweise Arbeitsministerin Ursula von der Leyen:

Nach den Berechnungen des statistischen Bundesamts gibt es eine leichte Erhöhung bei den Regelsätzen für Erwachsene um fünf Euro auf dreihundertvierundsechzig Euro. Dabei sind die Ausgaben für Tabak und Alkohol nicht berücksichtigt, weil dies Genussmittel sind, die nicht existenzsichernd sind.

Ach Ursel, gerade du als CDU-Mitglied müsstest doch wissen, dass in der Union nichts existenzsichernder ist als Schnaps und Kippen. Was passiert, wenn man von beidem zu wenig intus hat, das zeigt die Kanzlerin (Merkel):

Wir glauben, dass wir hier eine Lösung gefunden haben, die sachgerecht ist, die aber auch ausdrückt, dass unser Hauptpt… unser Hauptaugenmerk darauf gerichtet ist, die ähm, Hartz-IV-Dauer, die ein Mensch ähm, Arbeitslosengeld II bezieht, diese Dauer so kurz wie möglich zu halten und Menschen möglichst schnell wieder in das Arbeitsleben hineinzubringen.

Klar, totsaufen klappt ja nicht mehr, einen Strick kann man sich nicht mehr leisten, bleibt nur noch Arbeit übrig. Sachgerechte Lösung, die Merkels Hauptaugenmerk auf die Dauerverkürzung  ausrichtet. Was soll das, wollen die mit den pfümpf Euros mehr im Monat ihren guten Willen bekunden, mal was gegen Arbeitslosigkeit zu tun?

Fehlt natürlich noch ein bissiger Seitenhieb von Deutschlands ehemals führender Arbeiterpartei, Sigmar Gabriel bitte:

Wir Sozialdemokraten sagen, wir woll’n das Verfassungsgericht ernst nehmen. Wir werden weder das Existenzminimum nach Kassenlage bestimmen, noch nach der Gefühlslage von Herrn Westerwelle. Und wir woll’n auch nich‘ über Schnaps und Zigaretten diskutieren, liebe Genossinnen und Genossen! Und darüber, dass ’ne Mutter auch mal ‚en zweites Paar Schuhe für ihre Kinder kaufen kann, das ist die Debatte, über die wir in Deutschland reden woll’n!

Immer nur wollen wollen wollen; das heißt ich möchte! Im übrigen, das Existenzminimum wurde damals, bei der Einführung von Hartz-IV, wonach bestimmt? Ach, richtig, nach Kassenlage! Und welche Partei hat Hartz-IV und die ganzen Späße damals eingeführt, Gabriel? Hm, na? Irgendeine Idee?

Nebenbei, „Schuhe statt Schnaps“ wär‘ ein super Slogan für die nächste Antialkoholkampagne der Bundesregierung.

Written by Quax

27. September 2010 at 11:06

Veröffentlicht in Politik

Tagged with , , ,

Das machen die Volksvertreter

leave a comment »

Was hat in Umfragen so viele Stimmen wie die SPD und ist grün? Die Grünen! Gut, das war jetzt nicht das schwerste aller Rätsel, sollte den ein oder anderen Gesamtschulabiturienten jedoch an die Grenzen seiner intellektuellen Leistungsfähigkeit gebracht haben.

Kaum gammeln die Grünen bei 22% rum, werden sie auch schon übermütig. Ihr Chef, SPD-Vorsitzender Sigmar Gabriel, hat vorgeschlagen, mehr Volksentscheide durchführen zu lassen. Unter anderem zur Atomkraft. Wie allgemein bekannt, ist die Mehrheit des Volkes gegen den Strahlstrom, ergo gäbe es eine Mehrheit für gegen Nuklearelektrizität. Noch völlig besoffen von ihrem neuen Status als Volkspartei, sind die Grünen jedoch dagegen, weil.

Vermutlich deswegen, weil’s bisher keine Volksentscheide auf Bundesebene gab. Und zwar aus gutem Grund; der Deutsche ansich wüsste gar nicht, was er mit so viel Mitbestimmungsrecht anfangen soll, denn das liegt ihm so in den Genen, und am Ende würde er eh nur wieder Hitler wählen.

Insgesamt wurmt’s den Gabriel ungemein, von einer Öko-FDP stimmenmäßig überrollt zu werden. Also dreht man fleißig am Populismusrad und fordert, bei Ausländern eine härtere Gangart einzulegen. Und da erdreistet sich doch tatsächlich dieser natürliche Blinddarmfortsatz namens Bündnis 90/Die Grünen, Widerworte zu geben?! Was erlauben die sich bitte! Sobald Gabriel die SPD-Fähnchen hübsch in den Wind des Orkans Thilo gedreht hat, sollte er eine härtere Gangart gegen seine Untergebenen einlegen. Ihnen zum Beispiel die Polizei nach Hause schicken, wenn sie mal wieder im Bundestag nicht geklatscht haben oder Merkel als „ganz okaye Kanzlerin“ betitulieren.

Apropos Kanzlerin, die gute Frau wird ja richtig aktiv! Da merkt man mal, wofür sie sich die ganze Energie aufgespart hat, denn in New York tritt die UN-Vollversammlung zusammen und Merkel kämpft für Deutschland um einen nichtständigen Sitz im UN-Sicherheitsrat. Konkurrenten um diesen Sitz sind unter anderem Kanada und Portugal. Kanada und Portugal! Also, die sollten wohl zu schlagen sein. Kanada, ein Land, dass ohnehin nur eine britische Kolonie ist und zu gleichen Teilen aus Schneemännern und Holzfällern besteht. Und Portugal, ein Land, dass ohnehin bald pleite ist und von uns gekauft wird, so wie Griechenland seinerzeit.

Nichtsdestotrotz tut die oberste Volksvertreterin das, was alle Vertreter tun: sie geht hausieren. Beim stimmberechtigten Stimmvieh stimmt die Stimmungskanone stimm stimm. Halt. Merkel hausiert also mit deutschen Tugenden und viel Geld bei anderen Ländern, auf dass sie uns in den Sicherheitsrat wählen. Wäre die Kandidatur erfolgreich, dann könnten wir bald Westerwelle im Sicherheitsrat sitzen sehen, unter all den anderen wichtigen Leuten! Was wären wir stolz… Also, Angie, tu‘ es für den Guido!

Written by Quax

21. September 2010 at 10:08

Veröffentlicht in Politik

Tagged with , , , , , ,

Herbstloch

leave a comment »

Trends ändern sich. Blau ist das neue schwarz, Hamburg ist das neue München und Durchgangsbahnhöfe sind das neue Kopfbahnhöfe. Alles geht zuende, nur die Wurst hat zwei. Wovon die Rede ist? Natürlich von Löchern.

Doch nicht von Riesenarschlöchern, zu denen sei an späterer Stelle etwas gesagt, sondern von inhaltlichen Löchern. Das Sommerloch ist hinlänglich bekannt; durch die aktive Sonnenbestrahlung weitet sich das Ozonloch, wodurch alle Themen absorbiert werden, die einen Blog, wie z.B. diesen Oberstübchenbewegungsmelder hier, obsolet wirken lassen. Wir (d.h. ich) haben uns dagegen gestemmt und im Sommer ein Feuerwerk an Einträgen abgefeiert. Hat aber keiner gemerkt, denn während andere draußen die Sonne genossen, haben wir Genossen in klammen Kellern arg getippt. 

Doch kaum ist Herbst, bricht das alles ein. Warum! Das ist keine berechtigte Frage, sondern eine Exclamierung. Nun, es könnte der Zufall sein, denn in letzter Zeit ist ja echt nichts besonderes passiert.

Nicolas Sarkozy, der französische Präsident, sorgte für reichlich Irritationen unter den weltoffenen, realitätsnahen Europakommissaren, als er Zigeunerlager – Verzeihung, Romalager – auflösen ließ und die, ähm, Lagerinsassen (?) in ihre Heimat Rumänien zurückschickte. Jetzt verhält es sich ja so, dass es in Europa das sogenannte Recht der Freizügigkeit gibt. Das beudeutet nicht, dass man nackelig durch die EU flitzen darf, sondern dass man sich im ganzen EU-Raum frei bewegen darf und in jedes Land reisen kann, in das man halt so reisen möchte, auch um dort zu wohnen. Das bedeutet, dass die abgeschobenen Roma, falls sie nicht völlig einen Hauweg haben, ihre sieben Sachen erst gar nicht auspacken, sondern sich schnurstracks nach ihrer Ankunft wieder auf den Weg nach Frankreich machen. Das Spielchen kann man dann so lange spielen, bis Paris pleite ist.

Wie dem auch sei, die luxemburgstämmige EU-Kommisarin für Romaangelegenheiten gab zu bedenken, dass das doch Rassismus sei, wenn man die Roma zwischen der Grande Nation und Rumänien pendeln ließe. Nicolas Bonaparte stieß das sauer auf und er stänkerte zurück; sollen die Luxemburger doch die Roma aufnehmen! Das war wiederum der luxemburgischen Regierung nicht recht. Aus dem Kleinstland kam die Verlautbarung, dass die Franzosen ihre Zigeuner gefälligst behalten sollten.

Auf dem EU-Gipfel wusch Kommissionspräsident Barroso vom Obersten Sowjet dem kleinen Franzmann ordentlich die Rübe. Sarkozy suchte den Schulterschluss mit denen, die historisch gesehen die meiste Erfahrung mit Vertreibung haben, nämlich mit den Deutschen. Der Froschzwerg behauptete, dass auch Deutschland in Bälde seine Zigeunerlager räumen werde. Daraufhin erwachte Merkel aus ihrem lebenslangen Schlafkoma und ließ dies sofort dementieren; die letzte Räumung eines Romalagers sei vor Kriegsende durchgeführt worden und seit dem habe man keine große Lust mehr empfunden, wieder welche zu aufzulösen.

Deutsche Romalager sind also unauflösbar wie der Bund der Ehe. Geniale Überleitung, denn Guido Westerwelle, Dr. Guido Westerwelle, der Herr Bundesaußenminister Dr. Guido Westerwelle, ist unter der Haube. Vor ein paar Tagen heiratete der Nativespeaker jemand anderes, den er ab und zu auf Geschäftsreisen mitnahm. Das war keine große Meldung, glücklicherweise. Dennoch hat sich der Internetstammtisch eifrig darüber ereifert, dass eine Schwuchtel doch das Großdeutsche Reich in den arabischen Ländern nicht repräsentieren könne, so der allgemeine Tenor der Intellektunwilligen.

Und wo das Thema „Dumme Menschen und was Charakterlose von ihnen halten“ doch schon angeschnitten ist: es gibt neues von Lieblingswurst Wulff. Der Bundespräsident der Herzen vereint viele Eigenschaften in sich, wie Lethargie oder Amoralität, und ist eine so derbst gute Seele, dass er dem ehemaligen Bundesbankier Thilo „Fuck da immigrants!“ Sarrazin den Vorruhestand gab, sowie die volle Pension, die Thilo bekäme, hätte er die Dienstzeit abgerackert, plus tausend Euro extra. Pro Monat. Gut gemacht, Christian! Erst gibt’s Heldenorden für die elf Versager, die nur Dritter wurden, und jetzt 1000€ Bonus für Migrantenbeschimpfung.

Um wieviel Geld würde Christian wohl die Rente für Sarkozy erhöhen…?

Written by Quax

20. September 2010 at 19:39

Veröffentlicht in Politik

Tagged with , , , , , , , , ,