Misanthropenwald

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Es ist nicht immer die FDP

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In einem Ferienfreizeitlager auf Ameland gab es sexuelle Missbrauchsfälle, die überraschenderweise nichts mit der katholischen Kirche zu tun haben, aber nicht minder schlimm sind. Wenn man so etwas liest, verschlägt es einem erstmal die Sprache; es gibt nichts kluges, was man sagen könnte. Und dann kommt jemand aus Bayern und brabbelt los.

Beate Merk, bayerische Justizministerin und geistige Nachtschwärmerin aus der CSU (woher auch sonst?) beglückt uns mit ihren dümmlichen Ergüssen. Als allererstes wird in solchen Fällen, wie der causa Ameland, die Schuldfrage erörtert, aber da man sich nicht bei sowas profanen wie den Tätern aufhalten möchte, lugte Frau Merk hinter ihrem Stein hervor, unter dem sie lebt, und krakeelte die stumpfsinnigen Anschuldigungen in den Äther, die eigentlich schon seit drei Jahren nicht mehr so in Mode sind.

Eigentlich, denn Aktualität ist nicht gerade ein Steckenpferd der Bayern und schon gar nicht der CSU. Aber zu den altbackenen, leicht porösen Trockenargumenten aus der Steinzeit später mehr. Zuerst einmal ein Grund, der sonst bei allen anderen Dingen eigentlich immer passt. Schuld am Missbrauch sei nämlich die FDP:

Wenn man sich ansieht, welche Folgen der Konsum von schädlichen Videos haben kann, ist die Laissez-faire-Politik der FDP bei Kinderpornos im Netz grob fahrlässig

Bis gerade eben wusste ich gar nicht, dass die FDP die Sache mit der Kinderpornographie eher so locker sieht, danke Frau Merk! Der Grund dafür, liegt darin, dass die FDP Kinderpornos im Internet lieber löschen statt sperren möchte, denn wenn man etwas löscht, dann ist es weg, aber wenn man etwas sperrt, dann ist es zwar noch da, kann aber nicht mehr gesehen werden, es sei denn, man kennt sich mit Computern und so aus und kann die Sperre umgehen. Wir gelangen also zum Merkschen Regelsatz:

Sperren > Löschen, da Löschen = 0 und Sperren = 1, aber unsichtbar.

Also muss gesperrt werden, bis die Buchse brennt! Denn:

Wenn ich feststellen muss, dass ich eine bestimmte Seite nicht löschen kann, darf ich nicht einfach mit den Schultern zucken und zur Tagesordnung übergehen. Dann muss ich diese Seite wenigstens sperren.

Seltsam. Dabei sind Untätigkeit und heftiges Schulterzucken, das an diverse Spasmen erinnert, doch längst Markenzeichen der CSU-Politik geworden und außerdem gehört Schulterzucken in bayerischen Ministerien zur Tagesordnung.

Diese geistige Sitzblockade geht aber noch weiter, denn die Verrohung der Jugend, die seit 400 v. Chr. unaufhaltsam voranschreitet, kann

auch deshalb geschehen, weil man heutzutage im Netz problemlos alle erdenklichen Formen von Gewalt und Pornografie ansehen kann

Da bin ich von der Leistung des Gehirns dieser bajuwarischen Dämmernelke aber enttäuscht, nach CSU-Lesart müsste man hier doch konsequent das Internet verbieten und diesen Sündenpfuhl ein für alle mal mit Stumpf und Stiel ausrotten.

Aber wenn man schon beim Thema „Computer und so“ ist, dann kann man auch gleich eine weitere tote Sau durchs Dorf schieben. Denn Schuld am Missbrauch sind nicht nur Pornos und die FDP oder diese Beatmusik, sondern auch Killerspiele. SPON stellt dazu treffend fest:

Die Logik von Beate Merk ist die des Reflexes: Wenn etwas Entsetzliches passiert, muss man handeln, und zwar, indem man etwas anderes, was man selbst entsetzlich findet, möglichst schnell aus der Welt schafft, oder das wenigstens öffentlichkeitswirksam fordert.

Ich mag keine Kirschen. Und weil ich keine Kirschen mag, esse ich keine Gänseblümchen. Diese Art Logik ergibt auch nur südlich der Donau Sinn.

Ich finde übrigens Beate Merks „Gesicht“ entsetzlich. Kann man das nicht löschen?

Oder wenigstens sperren?

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Written by Quax

22. Juli 2010 at 20:16

Veröffentlicht in Politik

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Der Vollständigkeit halber

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Heute ist die evangelische Bischöfin Jepsen zurückgetreten, weil sie Missbrauchsfälle in ihren Gotteshäusern verschleppt hat. Nur so nebenbei erwähnt, damit nicht der Eindruck entsteht, nur die Katholiken würden gerne kleine Kinder klatschen. Was war diese Woche noch so los?

BP hat eine Glocke auf das leckende Ölloch gesetzt und alles erfolgreich abgedichtet. Keine Schadstoffe verpesten die Umwelt. Eventuell kann BP als nächstes die Glocke auf Westerwelle setzen, für noch besseren Umweltschutz.

Dieser tolle Scherz hätte auch auf der Website von „Titanic – Das endgültige Satiremagazin“ stehen können. Und wo die netten, talentierten Kollegen hier schon Erwähnung finden nun etwas, das man eigentlich nicht tut – nämlich Kritik an Gesinnungsgenossen üben. Ja, Titanic, ich habe etwas an euch auszusetzen! Irgendwann in den Achtzigern hattet ihr einen Riesenerfolg, als ihr den Verliererkanzler Helmut Kohl als Birne dargestellt habt. Jetzt, 2010, wolltet ihr wohl diesen Erfolg kopieren, indem ihr dem ehemaligen niedersächsischen Ministerpräsidenten Wulff jetzt auch eine tolle Speise als Namensersatz aufdrückt – nämlich Knödel. Kohl und Birne, das ist gut nachzuvollziehen. Aber Christian und Knödel? Das war ein ziemlich missglückter und halbherziger Versuch, liebe Leute! Wir lernen: man kann einen Witz nicht zweimal machen (es sei denn, man ist ein kleiner, unbedeutender WordPress-Blog eines zweier Studenten).

Wenn’s um einen schlechten Witz geht, ist man gleich bei NRW. Dort hat eine Minderheitsregierung die Macht übernommen. Sie besteht aus SPD und Grünen, aber hauptsächlich aus unfähigen Frauen (Oxymoron, har har!) – und „hauptsächlich“ bedeutet hier „50%“. Ja, die Hälfte des NRW-Kabinetts ist weiblich. Interessantes Phänomen. Wenn die Hälfte einer spezifizierten Gruppe aus Frauen besteht, sind Frauen gefühlt in der Überzahl. Andererseits, das ist kein Wunder, wenn man sich die ganzen gesichtslosen Wulffs ansieht, die jetzt in Düsseldorf Minister spielen dürfen.
Jahrelang hat die SPD das sogenannte Bundesland „NRW“ abgewrackt, dann durfte Lispelrüttgers dem Land den Todesstoß versetzen und jetzt darf die SPD zusammen mit ihrem grünen Wurmfortsatz die Grube zu machen. Immerhin, die Studiengebühren sollen abgeschafft werden. Mal sehen, was sich Merkellakai Schavan, ihres lethargischen Zeichens sowas ähnliches wie Bildungsministerin – wie ironisch! Jemand ohne Bildung ist Bildungsministerin! -, einfallen lässt. Ein neues Eliteprojekt für alle Unis außerhalb von NRW wär doch was! Dafür könnte man doch das BAföG noch ETwaS kürzen. Kommt immer gut.

War diese Woche noch irgendwas?

Nein? Nein? Nein? Doch?

Egal.

Written by Quax

16. Juli 2010 at 17:21

Keine Woche ohne Kirche

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Nachdem man in bischöflichen Kreisen endlich erkannt zu haben scheint, dass Nazivergleiche nich‘ so der Hit sind, sucht man neue Wege, möglichst viel relativierenden Unsinn auf möglichst engem Raum unterzubringen. Und diesen in den Äther zu schießen, darin sind die Brüder im heiligen Geiste inzwischen ganz, ganz groß.

Heute darf Kardinal Tarcisio Bertone sein Glück im Minenfeld der Fettnäpfchen versuchen und sucht den Grund für den Missbrauch – und findet auch einen: es ist nicht das Zölibat! Gut, das ist jetzt bekannt, die Ehelosigkeit von Priestern hemmt den Missbrauch enorm, aber was ist dann das Problem? Es sind, so zitiert ihn Österreichs BILD-Pendant „Krone„, die Schwulen:

„Viele Psychologen und Psychiater haben bewiesen, dass es keine Beziehung zwischen Zölibat und Pädophilie gibt“, so Bertone[…]. Andere hätten wiederum gezeigt, dass es „eine Beziehung zwischen Homosexualität und Pädophilie gibt“, sagte er.

Klar sind’s die Schwulis schuld, in dem Verein dürfen ja Frauen gar nicht mitmachen. Aber Herr Kardinal hat sich noch nicht stumpfsinnig genug gegeben und heizt weiter nach, mit einem großen Haufen, gut brennbaren Quatsch:

„Die Kirche verheimlicht ihre Sünden nicht“, meinte der Kardinal.

Haha! Watt habe ick jelacht! Entweder waren das also keine Verheimlichungen bisher – oder Missbrauch ist für Bertone keine Sünde, aber weiter geht’s:

Pädophilie sei „eine Herausforderung für die Staaten, aber auch für alle Menschen“.

Aber nicht für die Kirche, bei der es weder Sünden gibt, weil unfehlbar, noch Vertuschungen. Warum sollte man auch etwas vertuschen, was es nicht gibt, richtig, Herr Kardinal?

Keine Institution habe dabei so viel wie die Kirche unternommen, um die Wahrheit ans Licht zu bringen, meinte der Kardinal. „Der Papst handelt, die Staaten nicht. Welcher Staat hat sich ernsthaft mit dem Problem des Kindesmissbrauchs auseinandergesetzt, einem extrem wichtigen sozialen Phänomen?“, fragte Bertone.

Stimmt, bisher haben sich nur ein paar Priester mit dem Missbrauch auseinandergesetzt. Nur so nebenbei, was hat der merkelgleiche Papst eigentlich bisher so unternommen? Außer nichts?

War das denn schon alles, Bertone? Mitnichten. Mit-nich-ten!:

Auch das viel kritisierte Argument, Pädophilie sei in anderen Gruppen viel verbreiteter als in der Kirche, brachte Bertone […] hervor.

Oh, cool. Na wenn’s alle machen, dann ist’s also nicht so schlimm, wenn die Priester fröhlich mitmissbrauchen, ja? Außerdem erhebt wohl kaum eine „andere Gruppe“ (welche das auch immer seien) den Anspruch, eine ähnlich hohe moralische Autorität zu sein. Denn wenn der Weg ins Himmelreich nur über die harte Fleischgeißel in meinem Rektum führt, dann bleibe ich lieber gottloser Heide.

Kardinal Bertone liegt also ganz schön weit vorne im Rennen um die dümmste Aussage. Aber wie der Erzbischof unter den Atheistenblogs „Feuerbringer“ (der mich auch auf den Krone-Artikel aufmerksam werden ließ), zu berichten weiß, ist dem Kardinal jemand dicht auf dem Fersen. Nämlich Bischof Babini. Aber nur angeblich, denn die Bischofskonferenz hat, wie ich ja einleitend schrieb, offensichtlich ein bisschen dazugelernt und sich schon distanziert; die Worte seien nie gefallen.

Worum es geht? Ich mache es ziemlich spannend hier. Wer ist denn sonst schuld, wenn alles den Bach runter geht und man einen Sündenbock für alles braucht? Wer steckt hinter der ganzen Kirchenkritik? Es sind die Juden:

Eine Website zitierte Giacomo Babini, den in den Ruhestand versetzten Bischof von Grosetto, mit den Worten, ein “zionistischer Angriff” sei hinter der Kritik, angesichts wie “stark und raffiniert” die Kritik sei.

Schwache und plumpe Kritik kommt nämlich von den Protestanten und die Moslems sprengen sich ja eh ständig in die Luft. Da bleiben nur die guten, alten Brunnenvergifter und Hostienschänder. Wir sehen, es lebt sich gut mit Verbitterung, Paranoia und einem gar simplen Weltbild.

Angeblich sprach er zu der katholischen Website Pontifex, als Babini, 81, mit den Worten zitiert wurde: “Sie wollen die Kirche nicht, sie sind ihre natürlichen Feinde. Tief in ihnen drin, historisch gesprochen, sind die Juden Gottesmörder.”

Yyyyyyeeeeeaaaaaahhhh! Die Juden sind Gottesmöder, sie haben unseren Heiland ans Kreuz gebracht! Der auch Jude war. Das wär doch mal eine interessante theologische Frage: Ist Jesus als Jude auch ein Gottesmörder? Hat er quasi Selbstmord begangen?

Tief in ihnen drin, historisch gesprochen, sind die Juden vielleicht Gottesmörder, Bischof Babini, alter Historiker, aber tief in dir, ganz gegenwärtig gesprochen, bist du, Babini, ’n Idiot. Danke für die Aufmerksamkeit.

Written by Quax

13. April 2010 at 22:20

Veröffentlicht in Mischwald, Polemik

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So hat Gott das nicht gewollt

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Die Titanic hat seit langer, langer Zeit wieder ein Titelbild, das in die Kategorie „hart“ fällt. So gehört sich das ja auch für ein Satiremagazin, vor allem für ein endgültiges. Die Reaktion darauf ist so vorhersehbar wie unverschämt: Beim Presserat wurde Beschwerde eingelegt.

Und zwar nach Ziffer 10, und die besagt:

Die Presse verzichtet darauf, religiöse, weltanschauliche oder sittliche Überzeugungen zu schmähen.

So schreibt es der Katholische Nachrichtendienst.

Jetzt ist die Frage, ob hier mal wieder etwas verwechselt wurde. Ursache und Wirkung zum Beispiel. Und das Bild ist natürlich auch irgendwie falschrum. Der Knabe empfängt nicht…

Aber mal ernsthaft: Was bilden sich diese zwei Beschwerdeführer denn ein? Die halbe katholische Kirche missbraucht, schlägt und vertuscht durch die Weltgeschichte (Irland, Deutschland, further Missbrauchsorte to come) und ihre treuesten Anhänger beschweren sich aufgrund ihrer verletzten Religiösen Gefühle.

Sollten die nicht schon genug gelitten haben, die religiösen Gefühle? Sie sollten darunter leiden, wenn sich eine Organisation, die so gerne die Rolle der moralischen Institution spielt und zu allem eine (zu befolgende) Meinung hat, so mit Schande bekleckert (sic!).

Priester lassen sich einen Blasen, und wenn’s nicht gut war, wird verkloppt, oder wie? Und der Titel ist zu hart?! Wie ein Rohrstock, ja? Oder doch eher wie die Fleischpeitsche?

Die Antwort auf den Skandal lautet doch nicht Beschwerde beim Presserat. Die Antwort lautet Kirchenaustritt. Um an Gott zu glauben, braucht man keine Priester, die gegen die Zehn (und die weltlichen) Gebote verstoßen.

9. Begehre nicht deines nächsten Weib.

Ich meißel einfach mal „und deinen dir schutzbefohlenen Knaben“ dahinter.

Written by Achja

1. April 2010 at 19:49

Veröffentlicht in Polemik, Politik

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Den Überbringer mit der Nachricht verwechseln

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Letztens, da  saß ich so bei mir und wie ich da so saß, dachte ich mir: „Hui, lange keinen blödsinnigen Nazivergleich mehr gehört!“, dachte ich mir, während ich so da saß. Das fand nicht nur ich so, sondern auch die katholische Kirche.

Diesmal beehrt uns Bischof Gerhard Müller aus Regensburg. Müller, ein Name, den wir uns merken sollten. Während seine Untergebenen den Chorknaben im Regensburgdom ein Liedchen pfeifen (zwinker, zwinker), mockiert sich die böse Presse über die Tollerei im Haus Gottes. Das findet der Bischof gar nicht gut, wie auf SPON zu lesen ist:

In einer Predigt im Regensburger Dom sprach Müller am Samstag über die Kirche in der Zeit des Nationalsozialismus und erklärte, man erlebe auch „jetzt wieder eine Kampagne gegen die Kirche, (…) als ob man in einem Gänsestall hier die Gänse aufgeweckt hätte, so wird gefaucht und gezischt gegen die Kirche“. 

Jawoll! Die arme Kirche, die von der Presse-SS verfolgt wird! Wo kämen wir denn hin, wenn Journalisten ihrer Pflicht nachkommen, sogar wenn’s um die Kirche geht!

(Woher kommt eigentlich dieser Hang unserer katholischen Hirten zu Nazivergleichen? Das hatten wir doch erst vor einiger Zeit und war auch nur mäßig populär, lernen die aus ihren Fehlern denn nicht? Oder versucht man’s so häufig, bis es mal klappt?)  

Nur zu  tragisch, wenn die Kirche vom größten Missbrauchsskandal der letzten Jahre (ich will nicht schreiben „ihrer Geschichte“, denn das zähe Pack hält sich ja nu‘ auch schon zwotausend Jahre) erschüttert wird und diese blöden Journalisten nichts anderes zu tun haben, als darüber zu berichten. Es gibt zwei ganz naheliegende Möglichkeiten, die schlechte Presse zu beenden: Entweder verbietet man der Journaille das Maul oder man geht den Gründen der Missbrauchsfälle nach und merzt diese ein für alle mal aus.

Aber man trennt sich ja so ungern von Traditionen!

Written by Quax

22. März 2010 at 15:20

Veröffentlicht in Mischwald, Polemik

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Fastenzeit

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Die Fastenzeit kommt jedes Jahr, wie Weihnachten oder der Tag der Arbeit. Und alle fasten mit, während auf diesem Blog Einträge gefastet werden. Was nicht schwer ist. Eigentlich soll man ja nur auf das verzichten, was einem schwerfällt. Sonst ist der ganze Sinn des Fastens ad absurdum geführt. Aber weil Nicht-schreiben nichts ist, was schwerfällt, werden in diesem Eintrag einfach kluge lateinische Sprüche gefastet (q.e.d.). Was fastet man denn so in unserem schönen Land, das vor dreißig Jahren noch von einer Mauer unterbrochen war?

Roland Koch, Ministerpräsident von Großhessen, verzichtet seit Jahren erfolgreich auf den Gebrauch von Hirn. Das zeigte sich vor allem vor einiger Zeit, als er die faulen Hartz-IV-Schmarotzer entdeckte – als billige Arbeitssklaven. Für Arbeiten wie Straßekehren, Müllaufsammeln, Autobahnbau.

Und weil die Hartz-IV-Parasiten seit Anbeginn des Universums Arbeit fasten, meldet sich (endlich!) Guido Westerwelle zu Wort und echauffiert sich in feinster Führerkampfgruppen-Gedenkrhetorik über das „asoziale Pack“ (G. Westerwelle, zugeschrieben), das den Leistungsträgern auf derjenigen Tasche liegt, in der die Spendenquittungen von der FDP liegen. Wer spendet, verzichtet. Und wer richtig viel verzichtet, den beschenkt die liebe FDP mit lustigen Steuerentlastungen. Und weil der ordinäre Hartz-IV-Spacko nüschts hat, was er spenden könnte, tja!, da gibt’s auch kein Steuergeschenk. Aber Hasstiraden vom Außenminister, das ist ja auch was.

Wegen der vielen Aufregung, die Westerwelle verursacht, verzichtet Mutti Merkel auf große Projekte. Oder irgendwelche Projekte überhaupt. Beziehungsweise, mal überhaupt irgendwas zu tun. Ist diese Frau eigentlich noch im Amt? Hoffentlich hat sie sich nicht überarbeitet! Wie auch immer, eine Pause hat sie sich verdient. Resepktiv, wir haben uns diese Pause verdient.

Verdient hat (und für diese großmeisterliche Überleitung ist uns der Grimmepreis sicher) auch das Finanzministerium wegen der vielen Selbstanzeigen. Viele Selbstanzeigen, fragt sich nun der ein oder andere? Ja, viele Selbstanzeigen. Denn Schäuble, unser Finanzminister, der beweist, dass nicht nur der Rubel rollt (Pulitzerpreis für dieses Wortspiel), droht unserem nachbarlichen Bergvolk, der Schweiz, mit dem Kauf einer Steuer-CD. Auf dieser CD befinden sich die Daten jener, die in letzter Zeit Steuern gefastet haben. Unsere Freunde aus der Schwyz finden das weniger lustiger, wenn nicht sogar überhaupt nicht, und drohen damit, die schweizer Kontodaten von deutschen Amtsträgern zu veröffentlichen. Die FDP ist tief getroffen von diesem Angriff auf ihre Mitglieder und empört über die „Hartz-IV-Empfänger Europas“ (G. Westerwelle, fälschlicherweise in den Mund gelegt).

Während die Schweizer Banken also über den Tag der offenen Tür nachdenken, übernimmt das japanische Unternehmen Toyota die christlich-abendländische Tradition des Fastens und verzichtet beim Autobau abwechselnd auf Gaspedal und Bremse.

Nicht zu bremsen (Nobelpreis!) ist auch die Diskussion um das minderjährige, weil siebzehn Lenzen junge, Literaturnewcomerwunder Helene Hegemann, die riesenhafte Stücke aus ihrem Roman (Irgendwas mit ‚Roadkill‘) von anderen gemopst haben soll. Und das in einem Ausmaß, in dem sonst nur die Einträge auf diesem Blog zusammengeklaut worden sind das unvorstellbar ist. Wir verurteilen das!

Wir verurteilen das in dem gleichen Maße, mit dem Bischof Mixa (Mixa. mit „M“. Nicht mit „W“.) die 68er für die Missbrauchswelle in seiner Heiligen Mutter Kirche verantwortlich macht. Stimmt genau! Das Zölibat, zum Bespiel, hat nichts damit zu tun! Wir sagen Ja zum Nein zur Aufhebung des Zölibats! Vielleicht leben diese Sexpriester wenigstens ab jetzt vierzig Tage lang enthaltsam und fasten Unzucht wie der Teufel das Weihwasser.

Vierzig Tage fasten also. Eine lange Zeit, verglichen mit z.B. einer Woche. Man darf gespannt sein, wer die vierzig Tage durchhält oder sich gar selbst übertrifft.

Written by Quax

19. Februar 2010 at 16:33

Pars pro toto

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Ein dickes Ding, was sich Pater Eberhard von Gemmingen geleistet hat. Da gab es Missbrauchsvorwürfe an ein paar Jesuitenschulen und Pater Eberhard muss klar machen, dass man von einzelnen Individuen nicht auf den ganzen Orden schließen kann.

Und um dies zu verdeutlichen, bedient sich der metapheraphine Pater eines Vergleiches. Bei einer so ungeheuren Tat wie Missbrauch muss der Vergleich natürlich mindestens genauso schlimm sein. Was bietet sich da besser an als das, was in Medienkreisen gern als „was mit Hitler“ bezeichnet wird. Einmal Godwin’s Law, Herr Pater:

Es ist fatal, nun den ganzen Orden schlechtzumachen. Ich muss einen Vergleich ziehen: Mit den Juden ist es so losgegangen, dass vielleicht der ein oder andere Jude Unrecht getan hat. Dann aber hat man schlimmerweise alle angeklagt und ausrotten wollen.

Soso. Da hat „der ein oder andere Jude“ also Hostien geschändet und Brunnen vergiftet. Und schon hat man alle ausrotten wollen? Soso, soso.

Mit anderen Worten: Die Juden sollten ausgerottet werden aus völlig absurden Gründen.

Auf die Jesuiten übertragen hieße das: Der Orden gerät in Misskredit wegen haltloser Anschuldigungen?

O welch simples Gemüt muss ein solch kleingeistiges Weltbild haben, um ernsthaft so einen Vergleich zu bemühen! War dem Sprachrohr des HErrn denn nicht klar, dass so ein Vergleich nur Ärger geben kann! Hat er denn nie etwas von anderen, ebenso erfolgreichen Holocaustvergleichen gehört? Offensichtlich nicht. Wenigstens zeigte er Einsicht und nahm den Blödsinn gleich wieder zurück. Nicht wahr, Pater?

Heute darf man ja auch Frauen und Kinder gottlob nicht mehr schlagen. Also man darf nicht nur den Jesuiten vorwerfen, sie hätten früher weggeschaut. Früher haben alle weggeschaut. Man hat das toleriert, schweigend.

Äh… also ist Kindesmissbrauch auf einer Stufe wie Frauen  zu schlagen, von der Schlimmigkeit her? Das eine hat man nur früher schweigend toleriert, das andere heute? Die Antwort liegt natürlich auf der Hand. Denn der Pater ist ein guter Mensch, er trägt das Herz am rechten Fleck. Er wird seinen Platz bei Gott erhalten. 

Selig sind die geistig Armen, denn ihnen ist das Himmelreich.

Written by Quax

6. Februar 2010 at 14:55

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