Misanthropenwald

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Türchen Nummer Vierundzwanzig

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Weihnachten, da wird gesungen, gesoffen, gehurt und gelacht. Wir haben uns aber nur unterhalten und zwar über das vergangene Jahr. Zu euer aller Freude lief dabei – wie zufällig – ein Mikrofon. Also seid beschenkt mit dem letzten Podcast des Jahres! Und haltet durch! Der Beitrag wird besser, je länger er läuft!

Öffnen wir mit einem EIGENWERBUNG Türchen Nummer Vierundzwanzig.

Guttenberg haben wir absichtlich rausgelassen. Wir sind ihm immer noch böse, dass wir nicht nach Afghanistan eingeladen wurden.

Nur die allerdümmsten Kälber wählen ihren Schlachter selber

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NRW-Wähler aufgepasst, am Sonntag ist Muttertag! Und das schönste Geschenk, dass man Mutti machen kann, ist wählen zu gehen. Also, NRWähler, ihr dürft euch zwischen zwei Insolvenzverwalter für das (mehr oder weniger) sympathische Bindestrichland an Rhein und Ruhr entscheiden.

Da wäre der momentan amtierende MiniPrä Jürgen Rüttgers von der CDU. Der beliebte ex-Zukunftsminister mit dem lustigen S-Fehler ist leidenschaftlicher Rumänenhasser (weil faul & klauen) und genau das, was NRW (kurz für: Nordrhein-Westfalen) verdient hat. Doch vorsicht! Er ist in einer Koalition mit der FDP gefangen und möchte daraus erlöst werden.

Rüttgers Herausforderer ist Sozi und heißt Hannelore Kraft (SPD). Was weiß man von ihr, außer dass sie SPD und Frau ist? Nichts. Also, liebe NRWler, bitte wählt nicht CDU(freudscher Verschreiber) SPD. Denn wenn Kraft MiniPrä wird, wird’s hier nur noch einen, vielleicht zwei, Einträge über sie geben. Dann gehen die Wortspiele aus („Kraftloser Auftritt“, „Kraft voll Kraft“ oder – obligatorisch und wieder da – : „Kraft durch Freude“). Außerdem ist Kraft eine Frau. Eine Frau. Als Ministerpräsident. Das geht doch nicht! Wisst ihr, NRW-Behauser, welches Bundesland von einer Frau regiert wird? THÜRINGEN! Das liegt in der DDR! Da kann man mal sehen, was Östrogen anrichtet.

Ansonsten gibt’s nur so langweilige Kleckerparteien zu wählen, wie die FDP. Dazu noch ein Wort zu verlieren, erübrigt sich eigentlich. Wir erinnern uns mit Schrecken, wie sich die Gelben, damals vor fünf Jahren, es war im Mai, die Macht erschlichen – indem sie Rüttgers‘ Naivität und Gutgläubigkeit schamlos ausnutzen. 

Dann gibt’s noch die Grünen, die eine umweltbewusste Energiepolitik machen wollen und für Windräder sind. Diese Windräder wollen sie mit selbstproduzierter heißer Luft betreiben und sollte die Grünenfraktion nicht ausreichen, macht die CDU gerne mit. Noch ein Grund, Rüttgers Club zu wählen!

Zünglein an der Waage ist die böse Linkspartei, die am Sonntag in den Landtag einzieht. Wie wir alle wissen, besteht die Linke in NRW ausschließlich aus ehemaligen SED-Leuten und das sind alles Kommunisten, die alle Menschen NRWs versklaven wollen und das Land mit ihrem zerstörerischen Sozialismus überziehen. Dann ist’s aus mit dem schönen NRW! Darum SPD Grüne CDU wählen! Damit die 5. Kolonne Moskaus bleibt, wo der Pfeffer wächst (Thüringen)!

Also gibt es nur eine Partei, die am Sonntag gewählt werden kann – nein, gewählt werden soll und muss! Drum wählt CDU! Grund s.o.

Written by Quax

7. Mai 2010 at 22:48

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So hat Gott das nicht gewollt

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Die Titanic hat seit langer, langer Zeit wieder ein Titelbild, das in die Kategorie „hart“ fällt. So gehört sich das ja auch für ein Satiremagazin, vor allem für ein endgültiges. Die Reaktion darauf ist so vorhersehbar wie unverschämt: Beim Presserat wurde Beschwerde eingelegt.

Und zwar nach Ziffer 10, und die besagt:

Die Presse verzichtet darauf, religiöse, weltanschauliche oder sittliche Überzeugungen zu schmähen.

So schreibt es der Katholische Nachrichtendienst.

Jetzt ist die Frage, ob hier mal wieder etwas verwechselt wurde. Ursache und Wirkung zum Beispiel. Und das Bild ist natürlich auch irgendwie falschrum. Der Knabe empfängt nicht…

Aber mal ernsthaft: Was bilden sich diese zwei Beschwerdeführer denn ein? Die halbe katholische Kirche missbraucht, schlägt und vertuscht durch die Weltgeschichte (Irland, Deutschland, further Missbrauchsorte to come) und ihre treuesten Anhänger beschweren sich aufgrund ihrer verletzten Religiösen Gefühle.

Sollten die nicht schon genug gelitten haben, die religiösen Gefühle? Sie sollten darunter leiden, wenn sich eine Organisation, die so gerne die Rolle der moralischen Institution spielt und zu allem eine (zu befolgende) Meinung hat, so mit Schande bekleckert (sic!).

Priester lassen sich einen Blasen, und wenn’s nicht gut war, wird verkloppt, oder wie? Und der Titel ist zu hart?! Wie ein Rohrstock, ja? Oder doch eher wie die Fleischpeitsche?

Die Antwort auf den Skandal lautet doch nicht Beschwerde beim Presserat. Die Antwort lautet Kirchenaustritt. Um an Gott zu glauben, braucht man keine Priester, die gegen die Zehn (und die weltlichen) Gebote verstoßen.

9. Begehre nicht deines nächsten Weib.

Ich meißel einfach mal „und deinen dir schutzbefohlenen Knaben“ dahinter.

Written by Achja

1. April 2010 at 19:49

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Mit den Großen spielen

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Die letzten Zweifel sind besiegt: Die Politik ist nun nicht mehr nur in wilden  Verschwörungstheorien und schwarzseherischen Fantasien Spielball der Wirtschaft, sie ist es ganz offensichtlich – Einmal Opel bitte.

Eine Milliarde Euro sieht so aus – 1 000 000 000 Euro – und klingt nach jeder Menge Kohle, richtig Asche. Gut, mittlerweile nicht mehr, eine Milliarde, was ist das schon nach einem Jahr Wirtschaftskrise?

Aber damit fing es mal an, mit eben dieser einen Milliarde Euro und noch ein, zwei Milliönchen mehr. Einen solchen Betrag wollte Opel gerne vom Staat garantiert haben, damals im November 2008. Der Konzern war damals in Schieflage geraten, wie es so schön heißt. Obwohl jeder Popel bekanntermaßen nen Opel fährt, ging es bergab, oder eben in Schieflage. Staat hilf!

Gerne doch, Opel eine Milliarde und ein, zwei Millönchen zu garantieren (und vielleicht sogar zu zahlen) klingt immerhin besser als knapp 30.000 arbeitslose Opelaner (wie heißen eigentlich Audi-Angestellte? Audisten? Autisten? Audilaner? Marsianer? Egal).

Opel will die Kohle nicht. Jedenfalls nicht so wenig. 3,3 Milliarden Euro is the new eine Milliarde. Man will sich nämlich abkoppeln von General Motors (GM), dem turbokapitalistischen Megaarsch und Corsa-Verächter, der Stellen streichen möchte. Lieber mit Vauxhall seinen eigenen Laden aufmachen und endlich coole Autos bauen.

Es gibt einen fertig durchgerechneten Rettungsplan für Opel. Und zwar von Opel selber. So viel Eigenständigkeit ist noch möglich.

Angie sagt dazu: „Joa.“ Aber auch nicht mehr.

GM sagt (diabolisch): „Muharhar.“

Denn so richtig Bock hatten die Detroiter wohl damals schon nicht, Opel an Fiat, Magna oder die „Heuschrecke“ (Münte) RHJ International zu verschachern. Opel will zu Magna, es manifestiert sich in den Köpfen der Deutschen und der Opelaner und wahrscheinlich auch in den großen, aderndurchzogenen Matschköpfen der Marsianer das Bild „Magna hui, GM Arschloch“.

Auch in den Köpfen der Regierung herrscht dieses einprägsame Bild vor. So sehr, dass sie sich eindeutig für Magna einsetzt, runterspielt, dass auch Angam, wie Magna rückwärts heißt, einige tausende Opelaner in die unendlichen Weiten der Arbeitslosigkeit schießen will und schließlich sogar – Obacht – Druck (!) auf GM ausübt. Und zwar wie? So? : „Wenn ihr nicht an Magna verkauft, dann schließen wir die Opelwerke in Deutschland!“ Nee, so nicht. Wahrscheinlich mit „Dann gibt’s halt keine Milliarden mehr.“ Der Druck ist jedenfalls so immens groß, dass das europäische Ausland rummault, weil deutsche Werke bevorzugt werden sollen. Egal, irgendwann haben sich alle geeinigt. Alle wollen Maoam. Quatsch, Opel. Auch falsch. Magna! Ja, Magna. GM soll die Grundsatzentscheidung (so heißt das nämlich) für an Magna verkaufen zu wollen übrigens mit einem blutroten Pentagramm unterzeichnet haben.

Alle sind glücklich. Nur Karl-Theobald Wilhelm Johann Sebastian Josef Habemus Papam Michael Schumacher zu Gttbrg. nicht. Der will zurücktreten. Insolvenz oder Tod. Oder so. Die Erwachsenen haben sich aber auf 1,5 Milliarden Euronen Bürgschaft geeinigt.

Mittlerweile, wir schreiben Juli 2009, um mal eine zeitliche Einordnung zu geben, ist GM aus der Insolvenz zurückgekehrt. Das muss man sich wohl so ähnlich wie Kur vorstellen, dem Laden geht’s wieder super. Mit frischen 36 Steuermilliardeneuro im Rücken würde es mir das übrigens auch. Nur mal so.

Deutschländ (We love Wagner) und die Länder wollen mittlerweile sogar 4,5 Milliarden Euro an Kreditzusagen und Bürgschaften stellen. Aber nur wenn Opel an Angam (wir erinnern uns: Magna) geht. Die Heuschrecke RHJ will auch nochmal, wird aber abgelehnt. Mit Kapitalisten haben wir hier nix zu tun. Außer mit GM, aber deren Verwaltungsrat empfiehlt sogar selbst, Opel an Magna zu verkaufen.

Machen die aber nicht! Krasser Scheiß! Die behalten Opel einfach! Und wollen den Laden selbst wieder fitmachen. Quasi aus der Schieflage ins Gleichgewicht entlassen. Wer hätte das denn gedacht? Naja, faierweise sollten wir GM die 4,5 Milliarden Euro überweisen. Magna hätte die ja auch bekommen und Opelaner entlassen.

Eine weniger verlaberte Darstellung der Opel-Krise gibt’s beim Spiegel, der auch meine Quelle für diese verlaberte Darstellung ist.

Written by Achja

5. November 2009 at 22:02

Veröffentlicht in Polemik, Politik, Wirtschaft

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Westerwave speaks just German

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Guido Westerwelle präsentiert sich erstmals als so gut wie zukünftiger Außenminister der internationalen Presse. Und das Erstbeste, was er zu tun gedenkt, ist, sich zu weigern, die Frage eines englischen Reporters auf Englisch zu beantworten.

Die Welt findet das zwar halb so schlimm, Westerwelle habe schließlich irgendeine ur-diplomatische Regel befolgt, die besagt, dass man Antworten zu außenpolitischen Themen lieber in der Muttersprache formuliert, „weil es auf jede Nuance ankommt.“

Schade nur, dass Westerwave – so sollte ihn zumindest die internationale Presse nennen – nur um eine grobe Einordnung seiner zu erwartenden Außenpoltitk gebeten wurde. Jedenfalls schreibt das der Spiegel, und ich glaube, die waren auch da.

Thorsten Jungholt, der Welt-Autor, bezieht in seinem Kommentar klar Stellung gegen seine Kollegin (!) Miriam Lau und kritisiert, dass sie voller „Häme“ „ran an die Tastatur“ gegangen wäre und den Westerwave („den haben wir noch nie gemocht“) zu Unrecht als alten 68-Gegner abgestempelt habe.

Naja, „Recherche hat noch nie geschadet“ und deshalb hat Jungholt auch herausgefunden, dass das Abkanzeln ausländischer Reporter eine „Selbstverständlichkeit“ ist. Laus Recherche, ein Youtube-Video, lässt er hingegen nicht gelten. Es belegt nämlich, dass Westerwaves Englisch sich auf einem Niveau von under all pig moved.

Dass Westerwave bei seinem ersten Schritt auf (noch nicht mal richtig) internationalem Parkett ordnentlich gestolpert ist, sieht Jungholt also anders, auch wenn der englische Indepentent (der nur minimal aggro ist) Westerwelle schon ein „new Teutonic assertiveness“, also ein neues teutonisches Selbstbewusstsein, bescheinigt.

Letztlich also viel Aufregung um verhältnismäßig wenig, dennoch: besseres Englisch muss man vom künftigen deutschen Außenminister erwarten können und eine diplomatischere Antwort auch. Da hat Kommentator Chris auf dem Handelsblatt-Blog von Georg Watzlawek durchaus Recht:

„Englischkenntnisse hin oder her, ob Falle oder nicht: Von unserem künftigen Außenminister (!) darf man eine etwas diplomatischere Antwort erwarten. Und sein Nachsatz „Das ist Deutschland hier“, sowie das Vorurteil mit dem „Tee trinken“ war auch eher unglücklich…“

Westerwave bat dem teefsaufenden BBC-Tommy nämlich an, sich mit ihm „fabelhaft“ (was immer das heißen soll) zu einer Tasse Tee zu treffen, wo dann auch nur Englisch gesprochen werden soll.

Written by Achja

30. September 2009 at 00:48

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Das fängt ja gut an

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Nun ist es also geschehen, Guido Westerwelle ist wichtig. Der Traum des FDP-Spitzenkandidaten hat sich erfüllt, die Mehrheit der Deutschen hat sich aus nicht nachvollziehbaren Gründen für ein „bürgerliches Bündnis“ (Eigenwerbung) entschieden. Und Guido darf mitspielen. Ganz oben.

„Die Bürger haben uns heute gewählt, weil sie wissen, dass wir unsere Wahlversprechen halten.“ Das hat Westerwelle heute so oder sinngemäß gefühlte tausend Mal gesagt, Generalsekretär Dirk Niebel erzählt das auch schon die ganze Zeit und da dachte sich der Chefredakteur des ZDF, Nikolaus Brender, dass er da ja mal nachhaken könnte.

Und so stellte er in der Elefantenrunde, dem abgefilmten Spitzenkandidatentreffen nach der Wahl, folgende Frage, die auf die von der FDP versprochenen Steuersenkungen abzielte: „Herr Westerwelle, ihr Generalsekretär Dirk Niebel hat vor der Wahl gesagt: ,Die FDP wird keinen Koalitionsvertrag unterschreiben, in dem nicht eine echte Steuerstrukturreform verankert ist.‘ Wir das so sein?“

Und anstatt zu sagen „Ja“ bzw. „Nein“, was ja dann doch eine ziemlich krasse Lüge gewesen wäre, entschied sich Westerwelle zu einer etwas weniger krassen Lüge. Er fing nämlich damit, an dass man ja jetzt nicht das verhandeln würde, was noch zu verhandeln sei. Da würden sich ja die Oppositionsparteien in der Runde -haha- einen ins Fäustchen lachen.

Wohin führt es, wenn unser zukünftiger Vizekanzler und Außenminister keine drei Stunden nach Schließung der Wahllokale damit anfängt, seine zentralen Wahlversprechen zu relativieren?

Allerdings muss ich Westerwell fairerweise zugestehen, dass er sich pausenlosen Angriffen der zukünftigen Opposition ausgesetzt sah: Lafontaine wagte es doch festzustellen, dass die FDP linke Ideen wie die Börsenumsatzsteuer übernommen habe! Das veranlasste  Westerwelle dazu, dem Kommunisten zu zu rufen: „Herr Lafontaine, die Wählerinnen und Wähler haben entschieden. Und sie sehen es nicht so wie Sie, dass ich der Teufel bin!“ Lafontaine erwiderte, dass er davon gerade gar nichts gesagt habe sondern lediglich, dass die FDP linke Forderungen übernommen habe. Er hätte genauso gut „Hä?“ sagen können.

Leider habe ich nicht Stift und Papier zur Hand gehabt, sonst hätte ich noch einige miese Attacken auf Westerwelle mehr mitschreiben können. So frage ich mich nur, wie uns ein dermaßen dünnhäutiger Außenminister in Zukunft vertreten will. Da muss Gaddafi ja nur mal „Buh“ sagen…


Written by Achja

27. September 2009 at 21:46

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Sozialistische Verhältnisse

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Wolfgang Röger, der amtierende Bürgermeister von Lohmar im Rhein-Sieg-Kreis, ist im Amt bestätigt worden – mit 84,7 Prozent der Stimmen. Den Sieg des CDU-Manns hat aber zu großen Teilen die SPD zu verantworten.

Von Wahlfälschung bei den Lohmarer Bürgermeisterwahlen kann und wird trotz 84,7 Prozent für den amtierenden CDU-Bürgermeister Wolfgang Röger in den nächsten Tagen nichts zu hören sein. Zumal in der Lohmarer Politik ein Abdullah Abdullah oder – regional angepasst – ein Hans-Herbert Hans-Herbert fehlt, der seinem direkten Gegenkandidaten ernsthafte Vorwürfe machen könnte.

Das soll nicht heißen, dass es gar keine direkten Gegenkandidaten gegeben hätte – Ralf Kurtsiefer (Die Linke) kam auf 8,3 Prozent und Hans-Albrecht Oel von der rechten Partei für Volksabstimmungen hat die Volksabstimmung um das Bürgermeisteramt vergeigt und nur 7 Prozent der Stimmen erhalten.

Und nun? Höre ich da vielleicht jemanden ganz kleinlaut „SPD?“ fragen? Ja? Selbst wenn nicht, ich antworte trotzdem: Die SPD hatte keinen eigenen Bürgermeisterkandidaten. Und nein, die SPD war bisher in keiner großen Koalition mit der CDU an der Macht. Die große deutsche Volkspartei SPD hatte schlicht weg keinen eigenen Kandidaten. Trotz Opposition.

Die Lohmarer SPD ist oder war (wer weiß es schon genau?) zerstritten. 2005 traten zwei Kandidaten aus der Fraktion aus, nahmen ihre Sitze im Rat mit und gründeten die Sozialen Demokraten. 2008 traten sie der Linken bei und irgendwie – mir kommt das bekannt vor. Aber ganz so sklavisch hielten sich die Lohmarer nicht an das Beispiel auf Bundesebene: Nur ein halbes Jahr nach dem Eintritt kam der Austritt aus der Linken. Unüberbrückbare Differenzen. Der am häufigsten angegebene Scheidungsgrund.
Vielleicht wollte ja auf Grund dieser Querelen niemand für die SPD kandidieren. Wer weiß, ob die Fraktion sich nicht zwischenzeitlich aufgelöst hätte? Vielleicht wollte aber einfach keiner verlieren.

Denn, das muss man wohl anerkennen, Röger hat keine schlechte Arbeit geleistet. Ortsumgehung und neu gestaltete „Innenstadt“, Lohmarer Höfe, wenn auch in abgespeckter Form, aber immerhin, der Abriss der Lagerhallen und dadurch neues Bauland. Nicht schlecht. Zu großen Teilen sind die Erfolge aber auch Werk des Koalitionspartner, der Grünen. Die, ohnehin schon zweitstärkste Kraft gewesen, haben ihr Ergebnis um 4,3 Prozentpunkte auf 29,7 Prozent verbessert und Lohmar damit entgültig zu ihrer Hochburg im Kreis gemacht.

Aber auch starke Grüne, die sich im Vorraus dafür ausgesprochen haben, die etwas kurios anmutene Koalition mit der CDU weiter zu führen, rechtfertigen keine 84,7 Prozent für den gemeinsamen Kandidaten Röger.

Die SPD ist von 21,03 Prozent im Jahre 2004 auf 14,9 Prozent gestürzt. Ob das mit einem eigenen Kandidaten auch passiert wäre, bezweifel ich. So aber stellten sich die Sozialdemokraten schon vor der Wahl als die kommenden Verlierer dar (man bedenke die zwar kreativen aber dennoch misslungenen Wahlplakate) und konnten als stärkste Oppositions- und ja eigentlich auch Volkspartei -ich glaube, ich sagte es bereits – keinen eigenen Bürgermeisterkandidaten präsentieren.

Kein Wunder also, dass es zu solchen sozialistischen Verhältnissen von 84,7 Prozent für Röger kommen konnte. Es wie er selbst allerdings als „großes Kompliment der Bürger“ aufzufassen, ist überheblich. Mindestens 30 Prozentpunkte waren Alternativlosigkeit.

Written by Achja

31. August 2009 at 18:23

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