Misanthropenwald

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Jubeljubiläen

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Zwanzig Jahre Deutsche Osterweiterung. Außerdem heute im Programm: Schwarzgelb feiert Einjähriges. Juhu. Da bietet es sich an, die großartigen Leistungen der Merkelwunschkoalition mal gebührend zu würdigen.

Wenn es denn welche gäbe! Denn die Positivliste der Positivleistungen, die ich im ersten Entwurf dieses Eintrags gemacht habe (Hinweis des Autors: Hierbei handelt es sich natürlich nur um eine Floskel, ein sprachlich-stilistischer Kniff, wenn man so will. Denn in Wahrheit schreibe ich Einträge gar nicht vor, sondern haue sie direkt auf den Blog, ohne Korrekturlesung und/oder Änderung), sah exakt so aus:

  1. /
  2. Tja
  3. Puh…
  4. Gar nicht so leicht
  5. Vielleicht…
  6. Nein, doch nicht.
  7. Auch nicht.
  8. Haha, das ganz bestimmt nicht!
  9. äh
  10. Gleich kommt Punkt zwölf
  11. Hm.
  12. Ach!
  13. Heureka!
  14. Da ist ja doch was!
  15. Die Koalition exitiert noch!

Wobei das ja auch nichts wirklich positives ist. Eigentlich gibt es nur schlimme Sachen, es wird alles immer schlechter und früher war alles besser. Damals, als wir noch einen richtigen Präsidenten hatten, zum Beispiel.

Die Quintessenz dessen, was an dieser Koalition verachtenswert ist, zeigte sich nämlich in der letzten Bundesversammlung, als Christian Wulff zum… naja… ihr wisst schon. Anlässlich des zwanzigsten Jahrestages der feindlichen Übernahme der DDR hielt der Bundespräsident gestern eine kluge, vielbeachtete Rede. Und heute stammelte sich dann Wulff durch sein Geschreibsel, sagte im Grunde das gleiche wie das eigentliche Staatsoberhaupt, nur schlechter. Das ganze garnierte er mit himmelschreiendem Unsinn.

Wir können stolz sein auf unsere kulturellen, wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Leistungen. Vor allem auf das soziale Klima in unserem Land

Seien wir stolz auf die Kälte. Diese alles zerfressende, abtötende Kälte, die jeden treffen kann, ganz gleich, woher er kommt. Denn das spielt bei der sozialen Kälte keine Rolle, oder?

Natürlich spielt es eine Rolle, woher einer kommt. Es wäre schade, wenn das nicht so wäre. Aber die entscheidende Botschaft dieses Appells lautet: Wir sind Deutschland! Wir sind Deutschland. Ja: Wir sind ein Volk.

Gute Arbeit, Christian. Einen alten, beschissenen Slogan einer alten, von Anfang an zum Scheitern verurteilten Imagekampagne heute noch mal aufzugreifen. Wir sind Deutschland, ja: wir sind ein Volk. Deutschland ist ein Volk und das Volk ist Deutschland! Für einen Bundespräsidenten, der mit dem Anspruch angetreten ist, Integration zu seinem Leib- und Magenthema zu machen, ist das eine belustigend ausländerextegrierende Aussage.

Aber natürlich will Christian „Doitschland“ Wulff Integration, von gebildeten Menschen zum Beispiel:

Im Wettbewerb um kluge Köpfe müssen wir die Besten anziehen und anziehend sein, damit die Besten bleiben.

Was für ein Zynismus. Kluge Köpfe sollen kommen und bleiben und Chef von unser’m Land, das auch ein Volk ist, irgendwie, ist so eine Hohlbirne. Wie passt das zusammen? Gar nicht, natürlich. Genauso wenig wie Licht und Schatten, Phillip Mißfelder und Bücher, Westerwelle und Anglistik, Orient und Okzident.

Vor fast 200 Jahren hat es Johann Wolfgang von Goethe […] zum Ausdruck gebracht: „[…] Orient und Okzident sind nicht mehr zu trennen.“

Mööönsch, Christian! Lass mir doch den Spaß.

Immerhin, Christian kriegt überraschenderweise nicht nur Hasspost, sondern auch ganz offensichtlich ironische Briefe von unseren humorvollen Moscheegängern:

Wenn mir deutsche Musliminnen und Muslime schreiben: „Sie sind unser Präsident“ – dann antworte ich aus vollem Herzen: Ja, natürlich bin ich Ihr Präsident! Und zwar mit der Leidenschaft und Überzeugung, mit der ich der Präsident aller Menschen bin, die hier in Deutschland leben.

Womit Christian zweifelsfrei bewiesen hat: Ich lebe nicht in Deutschland. Beziehungsweise in dem einen Volk.

Wieauchimmer.

Written by Quax

3. Oktober 2010 at 18:49

Veröffentlicht in Politik

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Großzügige Almosen

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Da wacht man morgens um zwölfe völlig unschuldig auf und informiert sich auf seinem Lieblingsnachrichteninternetportal SPIEGEL-ONLINE (SPON), nur um dann so erschreckt zu werden. In was für einem Saus und Braus Schwarz-Gelb die Arbeitslosen leben lässt, unfassbar!

Ja, die halbwegs demokratisch legitimierte Regierung der Bundesrepublik hat den Hartz-IV-Satz erhöht, was SPON sogleich durch eine Eilmeldung verkündet:

Fünf Euro! Da lässt der Hartz-IV-Empfänger doch gleich mal die Korken knallen. Vielleicht aber auch eher den Tetrapack, denn Wein in echten Flaschen wird er sich von dem großmütig gewährten Obulus kaum leisten können. Erinnern wir uns doch mal daran, warum der Hartz-IV-Satz überhaupt erhöht werden muss: Das Bundesverfassungsgericht spuckte dem Merkelregime im denkbar ungünstigen Zeitpunkt der schlimmsten Wirtschaftskrise des Universums ordentlich Salz in die Suppe, als es feststellte (das BVerG, wie es von Juristen und anderen Trotteln auch genannt wird, nicht Merkels Tanztheater), dass das Hartz-IV-Geld zum Leben zu wenig und zum Sterben eigentlich auch zu wenig ist. Also müssen die Sätze erhöht werden. Um skandalöse pfümpf Euronen! Woher soll das Geld genommen werden? Sollen etwa die armen Hotelbesitzer, dieser geschundene Berufsstand, der kurz vor Hungertuch stand und nur durch den heldenhaften Einsatz der altruistischen FDP durch Steuersenkungen gerettet werden konnte, sollen diese armen, abgehalfterten FDP-Spender nun etwa – Steuern zahlen? Wo kämen wir denn da hin?

Vielleicht ist es aber auch zu gemein, der Regierung Lobbyismus zu unterstellen. Auf der anderen Seite, direkt unter dem üppigen Hartz-IV-Geschenkartikel bei SPON findet sich folgende Nachricht:

Erneut [sic!]. Und da wundert man sich in der Bundeskanzlei, dass nach jüngsten Umfragen die Regierungsparteien nur noch auf insgesamt 34% kämen, wenn am Sonntag Wahl wär‘. Na, wenn die Pharmaindustrie jetzt blendende Umsätzte einfährt, könnte sie ja ein wenig davon Vater Staat und Mutti Merkel abgeben, damit die beiden Hand in Hand die abhartzenden Arbeitslosen durch den Winter bringen können.

Es ist erstaunlich, mit welch exakter Präzision das Lobbyduo Merkel/W-Welle genau das Gegenteil von dem tut, was Umfragen so zeigen. Erhöhung um fünfhundert Cent… Der dritte SPONsche Artikel zeigt, wie hoch das Volk die Erhöhung möchte:

Nämlich um null Euro. Kein Wunder, denn die „mehr als 50 Prozent“ sind glasklar jene, die noch Arbeit haben, während sich die Betroffenen ja nicht mal mehr einen Telefonanschluss leisten können, um an Umfragen überhaupt teilzunehmen. Diejenigen, die noch Steuern zahlen können, möchten ihr Geld natürlich lieber nicht verbrannt sehen, indem man jedem Arbeitslosen einen Schokoriegel extra schenkt. Eine Frage der Zeit ist es, bis die Regierung auf die Idee kommt, dass man Arbeitslose ja gleich in Sachwerten bezahlen könnte. So ließe sich der Nahrungsmittelverbrauch und die gesunde Ernährung der ebenso würde- wie arbeitslosen Menschlein perfekt kontrollieren, worduch unser Gesundheitssystem entlastet werden würde, sodass mehr Geld locker werden würde, für noch mehr halbsinnlose Erhöhungen irgendwelcher anderen Ausgaben um bestimmt bis zu sechs (!) Euro. Die BILD-Zeitung forderte schon so etwas in die Richtung, bzw. natürlich die Zeitung nicht selbst, sondern „die Politiker“. Denn man leitartikelte vor einigen Tagen:

Politiker fordern: Kein Hartz-IV für Tabak!

Komisch, ich dachte Hartz-IV sei für Arbeitslose (oink-oink, macht das Phrasenschwein), beziehungsweise nach dieser saftigen Erhebung um fünf Euro, ganz im Sinne des BVerG, ja im Grunde auch eher so für’n Arsch.

Written by Quax

26. September 2010 at 13:59

Veröffentlicht in Politik

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Denn sie wissen nicht, was sie tun

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Hurra, die neue Regierung steht! Muttis neue Truppe besteht u.a. aus Westerwelle, Schäuble (immer noch), Freiherr zu Guttenberg (immer noch), Rösler und Jung (auch immer noch). Eine bunte Truppe, die uns die nächsten vier Jahre zielsicher über die Klinge in den Abgrund springen lässt.

Dass Westerwelle das anglophone Amt des Außenministers bekommen würde, stand nach seinem souveränen Auftritt gegenüber der ausländischen Presse fest; wer dem Tommy zeigt, wer hier auf dem Kontinent das Sagen hat, kann das Land auch knallhart in diplomatischen Verhandlungen führen. Mindestens ebenso knallhart wie in den Koalitionsverhandlungen. Zum Außenminister braucht man nichts weiter als einen großen, leeren Kopf mit viel Platz für Informationen, eine große Klappe, keine Englischkenntnisse und keine Ahnung (von Tuten und Blasen). Niemand sonst in der FDP wäre für dieses Amt geeigneter gewesen, außer vielleicht Dirk Niebel, Generalsekret der FDP, der jetzt im prestigereichen Entwicklungshilfeministerium zwischengelagert wird.

Interessant ist, dass Schäuble vom Innen- ins Finanzministerium abgeschoben wird. Da darf er sich nun weiter austoben und die Finanzkrise bekämpfen wie zuvor schon den Terrorismus, zum Beispiel durch Bundeswehreinsätze im Inneren. Freuen wir uns auf kräftige Fiskalspielchen, wie den Schattenhaushalt, erstellt von der Person mit dem größten Schatten, oder auf den Versuch, das Haushaltsloch mit dem Schuldenberg stopfen. Endlich darf sich Schäuble in seinem nächsten Fachgebiet austoben, von dem er keine Ahnung hat.

Eine Überraschung ist Philipp Rösler von der FDP, denn er übernimmt den Sau- und Scherbenhaufen, den Ulla Schmidt im Gesundheitsministerium hinterlassen hat. Nach eigenen Angaben will der 36-jährige mit 45 mit der Politik aufhören. Kein Wunder, hat man als FDP-Politiker bis dahin doch genug Steuern hinterzogen, um dann bis an sein Lebensende alle Fünfe gerade sein zu lassen.

Ebenfalls eine Überraschung, aber eine furchtbar-grausame, ist Franz-Josef Jung, Parteinichtsnutz der CDU. Die Bilanz seiner vier Jahre als Kriegsminister fällt ernüchternd aus: ein paar Tote Taliban, ein paar Tote Zivilisten und ein Öltanklaster. Andere Minister (Scharping, SPD) haben in vier Jahren ganze Länder überfallen (Serbien, Jugoslawien)! Nachdem der heillos Überforderte nun also schon der Bundeswehr sinnfrei und -los im Weg herumstand (die Aufgabe macht jetzt Karl-Theodor Maria Nikolaus Walter Ulbricht Johann Jacob Philipp Rösler Franz Joseph Jung Sylvester Freiherr von u. zu Guttenberg), darf er nun das Ministerium für Arbeit und Asoziales zugrunde richten.

Aber auch viele alte Gesichter bleiben in Muttis Truppe, wie CSU-Kräuterhexe Ilse Aigner (Ilse-Bilse, keiner Willse) im Bauernministerium, Gebärmaschine von der Leyen im Ministerium für Wahrheit und Familie oder Anette Schavan als weibliche Franz-Josef Jung im Ministerium für Forschung.

Die anderen Minister unserer schönen neuen Regierungswelt haben ebenfalls dicke Schellen ins Gesicht verdient, allein schon Peter Ramsauer (CSU, Minister für Autos), Warmes Brüderle (FDP, Minister für Misswirtschaft) oder Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP, Ministerin für Recht und recht lange Nachnamen). Die Zeit wird zeigen, mit welchen Späßen uns das Kabinett Mutti Merkel II beglücken wird.

Written by Quax

24. Oktober 2009 at 12:05