Misanthropenwald

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Hatte Brandt recht?

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Willy Brandt ist einer der beliebtesten Bundeskanzler, der die Menschen in seiner Umgebung offenbar gut einschätzen konnte. Heiner Geißler ist schlicht Schlichter im Hickack um Stuttgart 21, Bahnhöfe im Ländle und zuständig für die Frage, ob man Stuttgart nicht besser ganz vom bundesdeutschen Schienennetz kappen sollte.

Besonders bunt trieb’s Geißler bei der letzten Schlichtungsverhandlung, als er Propagandaminister a.D. J. Goebbels zitierte:

Wollt ihr den totalen Krieg?

Uffta! Dabei geht es in Stuttgart nur um einen verbuddelten Bahnhof und nicht um die Zerstörung ganzer Landstriche – auch wenn das die Seinundzwanzig-Gegner das u.U. anders sehen.

„Wollt ihr den totalen“ – das hat ja schon gesessen, aber überraschend kam das nicht. Man hätte es wissen können, wenn man auf Willy Brandt gehört hätte. Dann wäre Geißler vielleicht auch nie Schlichter im Streit um schwäbische Gleise geworden, sondern vielleicht der freundliche Dicke hier neben Brandt, vielleicht.

Written by Quax

2. August 2011 at 19:41

Von Ägypten lernen heißt siegen lernen

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Soeben vernimmt man auf SPON, dass Mubarak seinen Hut genommen hat und zurückgetreten ist. Druck des Volkes und so. Da freut sich der Ägypter und der Westen leidet.

Zum einen, weil wir (d.h. der Westen) jetzt einen treuen Verbündeten verliert und sich jeder nun auf das Herumgeheuchel aller westlichen Regierungschefs freuen darf, dass nun gottseidank der böse Diktator weg ist, der vor ein paar Monaten unser dickster Kumpel war. So ist das im Leben.

Während das emsige Pyramidenvolk mit Dauerdemos den eigenen Staatschef aus dem Amt jagt, schaffen’s die Schwaben nicht mal, einen Bahnhof zu bauen. Und nicht nur das kriegen wir nicht hin, wir dulden sogar so einen wie Wulff (!) und Merkel haben wir sogar wiedergewählt (von Westerwelle ganz zu schweigen). Und geht bei uns jemand gegen Wulff auf die Straße? Nein! Aber im Internet rumjammern, das können wir! Wir sollten mehr ägyptisch werden, uns Pyramiden in Mecklenburg-Vorpommern bauen. Da stören sie niemanden.

Also, Ägypten. Vielleicht wird euer Beispiel Schule machen. Oben bleiben!

Written by Quax

11. Februar 2011 at 17:24

Veröffentlicht in Politik

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Türchen Nummer Vierundzwanzig

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Weihnachten, da wird gesungen, gesoffen, gehurt und gelacht. Wir haben uns aber nur unterhalten und zwar über das vergangene Jahr. Zu euer aller Freude lief dabei – wie zufällig – ein Mikrofon. Also seid beschenkt mit dem letzten Podcast des Jahres! Und haltet durch! Der Beitrag wird besser, je länger er läuft!

Öffnen wir mit einem EIGENWERBUNG Türchen Nummer Vierundzwanzig.

Guttenberg haben wir absichtlich rausgelassen. Wir sind ihm immer noch böse, dass wir nicht nach Afghanistan eingeladen wurden.

Türchen Nummer vier

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Weihnachten, das Fest des Friedens! Wie schön, dass gerade in der Weihnachtszeit die Menschen friedlich werden und ihre Konflikte vergessen, sich gegenseitig in die Arme fallen und diesmal sogar ohne die Absicht, sich gegenseitig ein Messer in den Rücken zu rammen.

Öffnen wir mit einem Rummsen also Türchen Nummer vier!

Stuttgart 21 ist ein tolles Thema für halbinformierte Blogger, denen’s wurscht ist, was der Schwabe sich da unten bahnhofsmäßig so zusammenzimmert. Generell sollte mal darüber nachgedacht werden, ob die pure Existenz eines Bahnhofs in Stuttgart überhaupt gerechtfertigt ist. Egal ob über- oder unterirdisch.

Wie dem auch sei, Heiner Geißler hat gesprochen, hugh! Der Schlichter, der damals von den Gegnern Stuttgarts 21 vorgeschlagen wurde, hat seinen Schlichtspruch getätigt: Stuttgart 21 kommt! Das heißt für die Demonstranten, dass sie die Sprachlucke geschlossen halten und nach Hause gehen dürfen. Der Schlichter hat geschlichtet und entschieden, damit wäre die Sache erledigt. Wer jetzt noch auf die Straße zum Demonstrieren geht, ist ein Undemokrat und wer nicht hüpft, der ist ein Schwabe! Hüpft!

Stuttgart 21 kommt und es ist ein ziemlich hoffnungsloses Unterfangen. Stuttgart wird immer die Hauptstadt irgendeiner obskuren Provinz bleiben. Und niemals eine Weltstadt vom Range Hamburgs oder Münchens werden. Sondern immer Stuttgart bleiben.

Also, Stuttgarter! Schaffe schaffe, Bahnhöfle baue.

Written by Quax

4. Dezember 2010 at 00:54

Veröffentlicht in Adventskalender

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Gott schütze Stuttgart 21

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Hoffentlich bleibt uns Stuttgart 21 noch ganz ganz ganz-ganz lange erhalten. Die Demonstrationen, ob nun dafür oder dagegen, sind ein Quell zahlloser Freuden. Anfangs gehörte ich ja auch zu den Gegnern von Stuttgart 21, dann war mir das ganze Projekt ziemlich egal, weil ich hier unter Badensern lebe und mir die Schwaben wurscht sein können, und nun bin ich ein militanter Befürworter von unterirdischen Durchgangsbahnhöfen. Wie kömmt’s?

Die Demonstranten sind’s. Inzwischen hat sich nämlich eine so unfassbar große Menge Stuttgart-21-Gegner angesammelt, dass es schlicht und ergreifend unattraktiv ist, auch dagegen zu sein. Außerdem haben sich der Demonstration inzwischen zu viele Arschlöcher angeschlossen, als dass man eine Bejahung des Neins noch moralisch vertreten könnte.

Nicht zuletzt zehren die Zwangsempörer mächtig an den Nerven, die aus jeder Fruchtfliege eine trächtige Elefantenkuh machen, aber solche Leute gibt es ja auch bei den Befürwortern der Bahnhofsverscharrung. Doch die „Proler“, wie sie verächtlich genannt werden, sollen hier nicht das Thema sein; man haut nicht gegen Minderheiten oder intellektuell Herausgeforderte.

Man weiß, eine Bewegung ist verloren und sollte schleunigst verlassen werden, wenn die Anhänger anfangen, Lieder zu schreiben. Dieser Punkt ist nun erreicht. Hier ist das Meisterwerk „Oben bleiben“ von Borna:

Hundert virtuelle Spaßpunkte für jeden, der die ganzen sechs Minuten durchgehalten hat. Ist es nun an der Zeit, sich den Text genauer anzusehen? Aber hallo!

Wie Bushidos geklaute Hits
Wie ein Bohrer ohne Bits
Wie der Donner ohne Blitz
Stuttgart 21 ist ein Witz

Stuttgart 21 ist ein Witz, so wie eine Bohrmaschine ohne Bohrvorrichtung oder ein blitzloser Donner? Wäh?

Wie Komödianten, die ganz miesen,
Habt ihr es uns angepriesen
Wie ’nen Witz

Hier wurde gerade „Witz“ auf „Witz“ gereimt. Mein Gott, wer hat das denn getextet, die Junge Union?

Aber die Strophe geht ja noch weiter, der Witz war ja nur der eingeschobene Part einer strophenübergreifenden Argumentationskette:

Doch über diesen
Lachen nicht mal die Ostfriesen

Ostfriesen sind dafür bekannt, dass man über sie Witze macht, nicht dafür, dass sie jeden Scheiß luschtig finden. Generell hätte der ganze Song noch mehr Ohrwurmquälitäten, wenn’s geschwäbelt worden wär‘.

Von Stuttgart bis zum Kölner Dom
Stinkt die Luft wie Pest und Brom
Und der Dunst formt ein Idiom
Ihr baut euch ein neues Rom

Vom geographischen Standpunkt aus ist es einem ziemlich großen Teil des Reiches also wurscht, was die Spätzlegesichter da unten bauen, weil nur bis nach Kölle die Luft nach Pest und Brom stinkt – wer kennt schließlich nicht das geflügelte Wort „Hier stinkt die Luft wie Pest und Brom“ – und der Dunst ein Idiom formt. Alles klar? Und diese Politiker bauen sich ein neues Rom. Klar. Alle Wege führen nach Rom und mit dem neuen Bahnhof eben auch nach Stuttgart. Stuttgart, ewige Stadt.

Darauf folgt eine sozialkritische Strophe, in der das Krisenmanagement der Politiker während der Banken- und Finanzkrise kritisiert wird, sowie die Diätenerhöhung im gleichen Zeitraum. Hat zwar nichts mit dem Bahnhof zu tun, musste aber mal gesagt werden!

Nach wütenden Worten über das Demokratiedefizit in der Bundesrepublik und die immer weiter auseinanderklaffende Schere zwischen der Elite und dem kleinen Mann folgt der Refrain. It’s so catchy!

Ihr könnt uns nicht vertreiben!
Wir wollen oben bleiben!
Ihr könnt uns nicht vertreiben!
Wir wollen oben bleiben!

Da wird, unterlegt vom Synthesizer, so emotional gesungen, so richtig glaubwürdig, sodass man spürt, dass sie mit ganzem Herzen wollen, dass sie oben bleiben! Und das gleich doppelt, um der Aussage mehr Wirkung zu verleihen und denen da oben mal zu zeigen: so geht’s nicht!

Ihr tut so, als ob ihr wisst
Was für uns am besten ist!
Doch durchschaut ist eure List [Reim > Satzstellung]
Und darum werdet ihr gedisst!

Für den letzten Vers gab’s leider kein passendes Bild im Video :( Dafür gibt’s jetzt ’nen Beef zwischen den Antis und MC Mappus.

Euch selbst haltet ihr für einzig kompetent
Und träumt von eurem Alter Ego als Clark Kent

Wie was wie was was was wie was?! Ergibt das überhaupt irgendeinen Sinn? Irgendwie? Was? Mein Gott! Was soll es bedeuten? Ist das von Kafka? Kann das alles bedeuten? Würde Freud hier Neid auf den väterlichen Phallus erkennen?

So, als gebe es kein zurück
Lauft ihr los. Mit Tunnelblick!
Und die Maschine macht noch: „Klick!“
Und wie müssen hinterher. Technokratenpolitik.

Ein unsauberer Reim zum einen und zum anderen: welche herrgottverdammte Maschine?! Und warum macht sie „noch“ „Klick“? „Klick“ als Ablehnung? „Klick“ als Zustimmung? „Klick“ als Resignation? Und da müssen wir hinterher? Hinter dem „Klick“? Das „Klick“ ist Technokratenpolitik? Suchen die Technokraten denn nicht ihren inneren Clark Kent, während die Luft nach Brom müffelt?

Experten üben lautstark Kritik
Es lacht die ganze Republik

Aber nur die südlich von Köln.

Unterschriftensammlungen! Meterdick!
Doch ihr zieht’s durch, wie ’n Soziopath mit ’nem ganz miesen Tick

Dafür sind sie bekannt, Soziopathen. Dass sie Großprojekte fünfzehn Jahre lang planen und dann durchziehen, ohne wenn und aber. Jedoch nur, wenn sie den ganz, ganz miesen Tick haben. Ouh ja.

Ihr nennt das Politik?
[mehrstimmig] Ich nenne es Verrat!
Ihr fühlt euch wie Asse und seid Luschen im Skat

Harsche Kritik an der Glaubwürdigkeit der Abgeordneten. Der Zusammenhang zwischen dem Atommüllendlager und einem Kartenspiel leuchtet nicht ganz ein. Aber was macht das schon, bei dem ganzen anderen Geschrunze, das bereits kam. Und das Lied ist bisher gerade zur Hälfte gelaufen!

Drum kurz zusammengefasst, was noch kommt: Die da oben fühlen sie wie Caesar im Senat und werden auch ihren Iden des März erleben (da wurde der gute Julius aus dem Amt gestochen), weil das auch deren Saat ist. Eigentlich mehr so die Ernte, aber wir wollen mal nicht so kleinkariert sein; wer Verkehrsplanungsexperte ist, kann sich nicht auch noch mit Landwirtschaft auskennen.

Es folgt nochmals eine harsche Kritik am Propagandaapparat des Mappus-Regimes und der Refrain.

Im folgenden geht man schließlich auf die Unfähigkeit der Politiker ein, Gegenvorschläge zu lesen oder sich an runde Tische zu setzen und dass das Projekt in den Medien schöngeredet wird und Desinformationen, alles ziemlich schlimm.

Für euch zählt nur Rendite
Geld ist eure Aphrodite
Ethik! So stringent wie Zellulite
Stichwort: [laut, mehrstimmig] Bankenkredite!

Der Euro, die Venus des Politikers, der Ethik hat, die so stringent ist, wie schwabbelige Beinhaut. Und dann nur ein Stichwort: Bankenkredite! Da schäumt die Wut des armen Bürgers, der für die Krise dieser Bankster bezahlen muss! Hat wieder nicht so viel mit dem Bahnhof zu tun, aber das kann man nicht oft genug sagen! Die da oben nehmen den kleinen Mann nur aus und stopfen sich die Taschen voll. Oder halt die von Banken. Als Kredite. Merktipp der Woche: Kredite müssen irgendwann zurückgezahlt werden. Aber pscht!, dann wäre dieser schmissige Gassenhauer nicht mehr so kritisch!

Ihr seid explizite
Beispiele für WG-Schmarotzer, nur ihr zahlt nicht mal Miete!

Diese Schweine! Wohnen in teuren Häusern, die sie selbst gekauft haben und das von unnnserm Geld! Hoffentlich zeigt’s unseren Politikern mal jemand, jawoll!

Nach diesen wütenden Worten wird die Solidarität aller Stuttgarter beschworen und dass der Bahnhof „euer Bier“ ist, voll schön. Dann läuft der Refrain in Endlosschleife und darüber hört man einen Monolog, der zum Nachdenken anregt:

Justitia weint ausgezehrt
Kraftlos hält sie ihr stumpfes Schwert.
Unter den Teppich wird gekehrt,
Wenn fast ganz Stuttgart sich lautstark wehrt.

Halt. Die WG-Schmarotzer und Kölnluftverpester haben Justitia zum heulen gebracht und ihr Schwert abgestumpft? Wie das? Wurde dieses Projekt denn nicht – von demokratisch gewählten Parlamenten beschlossen? O diese himmelhochjauchzende Ungerechtigkeit! Und wie das totgeschwiegen wird, mit den Protesten in Stuttgart, nur spärlich dringen Informationen dazu aus der Schwabenhauptstadt in den Rest der Republik und wenn, dann auch nur bis nach Köln!

Ihr werdet uns nicht länger foppen
Gott allein kann uns noch stoppen
Am Wahltag werden wir euch verkloppen
Und dann könnt ihr euch selber poppen

Beängstigend, wie religiöse Fundamentalisten hier die freiheitlich-demokratische Grundordnung bedrohen und gar mit Gewalt an den Wahlurnen drohen! Doch diese Aussage wird durch die Autokorpulationsanspielung ein wenig abgeschwächt.

Völlig klar, die Sache
Das Ding ist in der Mache
Eure Lache
Erfüllt den toten Raum

Ein nachdenkliches, düsteres Ende. Aber: man hat’s überstanden. Oder kommt noch was?

Stuttgart erwache

Bitte was?

Stuttgart erwache

Ja. Danke. Sehr schön. Wieso nur Stuttgart? Warum soll nicht ganz Baden-Württemberg erwachen? Oder gleich ganz Deutschland?

Wurde, soweit ich weiß, auch schon besungen. Ging etwa so:

Deutschland erwache aus deinem bösen Traum!
Gib fremden Juden in deinem Reich nicht Raum!

Ist aber schon etwas älter. Brrr.

Ein negatives Ende hat dieses Lied, oja. Als offizieller Stuttgart-21-Sympathisant schlage ich vor, dass die Pro-Bewegung sich auch ein Kampflied anschafft. Wie wäre es hiermit?:

Wäre auch ungleich fröhlicher.

Written by Quax

27. Oktober 2010 at 23:46

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Die Bahn kommt (unter Umständen)

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Aber wohl eher nicht. Denn morgen wird gestreikt! Gut, das wird im allgemeinen Fahrplan niemandem auffallen, wenn ein paar Züge ausfallen. Schließlich ist Herbst und da liegt Laub auf den Gleisen, da kann so ein ICE ja schonmal schlapp machen.

Jedoch, der Fernverkehr wird gar nicht bestreikt, sondern der Nahverkehr. Wäre ja auch albern, etwas zu bestreiken, was bei diesen Temperaturen gar nicht fahren kann. Schon traurig, da sind nun endlich alle ICEs mit funktionierenden Klimaanlagen ausgerüstet worden, da kommt jetzt ohne Vorwarnung dieser blöde Winter und der gemeine Fahrgast verlangt nach Heizungen! Der Kunde mag König sein, aber es lebe die Revolution!

Und wie das bei Revolutionen so ist, da gibt’s markige Sprüche wie:

Mann der Arbeit aufgewacht!
Und erkenne deine Macht!
Alle Räder stehen still
wenn dein starker Arm es will!

Und der starke Lokführerarm will es und stillt die Räder, weil er mehr Geld möchte. Da die ICE-Führer nicht streiken, werden Lokführer bei der Bahn wohl nach Geschwindigkeit bezahlt, doch wohin gehen da die Fahrscheineinkünfte? Nicht ins Gehalt der Dampfrosslenker und offensichtlich auch nicht in die Qualmhengste selber, das weiß jeder, der mit so einer langsamen Rappelkiste regelmäßig durch die Höhen und Tiefen des Landes zuppelt.

Dem Stuttgarter Bahnhof fehlt es an Tiefe, darum tut man mit ihm das, was man mit dem natürlichen Feind der Eisenbahn, den Autos, auch macht. Man legt ihn tiefer. In diese Grube versenkt Grube all sein Geld. Gut, was heißt hier „sein Geld“, mehr so das Geld derer, die nicht schwarzfahren und Bahnchef Grube fährt sicherlich nicht mit der Bahn, das wird ihm zu unsicher sein; schließlich weiß er ja, wie oft diese dieselbetriebenen Sicherheitsrisiken gewartet werden.

Die Auseinandersetzung um den Stuttgarter Bahnhof nimmt auch immer skurrilere Züge an. Neben den bekannten Aufständen gegen Stuttgart 21 gibt es nun auch Liebesdemonstrationen und Abrisspartys von Stuttgart-21-Mögern. Deren Kampf um die Meinung des kleinen Mannes von der Straße, der mit dem Fahrrad fahren muss, weil sein Zug wegen zwei Ästchen auf den Gleisen für acht Jahre ausfällt, treibt sehr merkwürdige Blüten. Da verkaufen die ernsthaft T-Shirts mit der Silhouette einer sich räkelnden jungen Frau drauf und schreiben daneben „Tu‘ IHN unten rein! Stuttgart 21„. Zweideutig.

Weil’s ja ein Durchgangsbahnhof werden soll, rasseln man dann da von vorne nach hinten durch und umgekehrt?

Written by Quax

25. Oktober 2010 at 23:09

Veröffentlicht in Mischwald

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Vive la France

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‚Sgährt im Ländle. Und nicht nur im Ländle. Auch in le tèrre, der Grande Nation. Aufstand beim Franzmann. In Frankreich ist die Hölle los, da geht Jung und Alt auf die Straße und demonstriert und zündet Autos an und blockieren Tankstellen und warum?

Die Rente ist’s, denn wenn’s nach der Regierung geht, dann muss der Franzos‘ demnächst zwei Jahre länger arbeiten, bis er in den verdienten Ruhestand geht. Nämlich bis 62. Ja, ganz richtig. 62. Der fleißige Deutsche muss bis 67 arbeiten und die FDP spekuliert schon mit der Rente mit 70 und unsere welschen Nachbarn arbeiten im Moment noch, bis sie 60 sind. Sech-zig!

Diesen tollen Umstand will man natürlich beibehalten, also machen die Frösche das, was sie am besten können: Resistánce. In Frankreich wird ja gerne mal gestreikt, eigentlich verbringt man im Hexagon die meiste Zeit seines Arbeitsleben mit Streiks und das ist vermutlich auch le Problem: Die Franzosen haben das Streiken eigentlich satt und länger arbeiten heißt auch mehr Streik und das will man um jeden Preis verhindern.

Damit der Senat in Paris darüber nicht abstimmen kann, haben sich die Streikerinnen und Streiker etwas überlegt. Sie blockieren einfach Ölraffinerien, damit Paris und Umland ohne Benzin dastehen und die Abgeordneten schlicht nicht zur Abstimmung kommen, weil sie ihre Autos nicht benutzen können. Das ist eine Taktik, die sich auch unsere Genossen im Kampf um/gegen/für den Bahnhof in Stuttgart abgucken können. Zementfabriken besetzen, damit kein Baustoff geliefert werden kann und Wasserwerke blockieren, damit die Polizei ihre H2O-Druckverteilungswagen nicht aufmunitionieren kann.

Doch nicht nur Stuttgarter können von Parisern lernen, sondern auch umgekehrt wird ein Sabot daraus. Denn von König Mappus lernen heißt siegen lernen, wie man zündelnde Demonstranten am effektivsten beseitigt, indem man beispielsweise Wasserwerfer oder Giftgas einsetzt. Beides scheint in der Stadt der Liebe nicht in ausreichendem Maße vorhanden zu sein oder l’empereur Sarkozy mag noch nicht massiv vergelten.

So klappt Völkerverständigung, wenn die Franzosen für weniger Arbeit und Streik streiken und die Deutschen um einen Bahnhof drumrum und die Regierung Polizisten mit Schlagstöcken einsetzt oder eben kurz vor dem Einsatz von ABC-Waffen steht; beide Seiten können voneinander lernen.

Written by Quax

22. Oktober 2010 at 13:09

Veröffentlicht in Politik

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