Misanthropenwald

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Äh…

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In Mecklenburg-Vorpommern leben Menschen. Erstaunlich genug.

Aber da wird auch bald gewählt und die CDU hat was als Wahlslogan?

C wie Zukunft

Äh… Dacu möchte ich nichts mehr sagen.

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Written by Quax

26. Juli 2011 at 15:02

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Löbel!

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Meine Fresse, ich wollte dir beim letzten Mal schon androhen, dass ich dir auf den Sack gehe, wenn du mir noch einen Flyer in den Briefkasten setzt – und jetzt sind es gleich zwei! So nicht, Löbel, soooo nicht. Ich wollte ja nicht, aber du drängst mich ja! Chancenloser CDU-Löbel, du!

Könnt‘ ich mich ja drüber aufregen! Schon die graue Textwüste auf der Vorderseite des ganzen Propagandaflugblattes ist ein Traum. Denn es ist „Zeit für neue Ideen!“ und keine andere Farbe schreit Innovation so sehr heraus wie betongrau. „Politik wird mit Herz, Mut und Verstand gemacht“ und an allem mangelt’s dir, vermutlich besonders an letzterem.

Toll auch dein holpriges „Als Landtagsabgeordneter verspreche ich Ihnen voller Tatkraft und Engagement für Sie zu arbeiten“ – Ist dir die Kommasetzung vertraut, mein Freund und Kupferstecher? „…verspreche ich, [in Worten: KOMMA] Ihnen voller usw.“ – manchmal gibt es Lektoren, die solche Flugblätter korrigieren, aber manchmal eben auch nicht.

Ganz links, Löbel lässig und cool auf einem Stuhl. So kennen wir den Mann mit der teuren Uhr. Und weil’s ja grad aktuell ist, noch schnell ein populistisches „Atomkraft – Nein Nein“ hineingeblökt; es würde mich nicht wundern, wenn er vor drei Wochen noch vollster Atombefürworter gewesen wär‘. Wenn ich Atomkraftgegener wählen will, die auch das übliche Geseiere verbreiten, dann wähle ich doch die Grünen (was ich mangels Hirnschaden aber nie machen würde) und nicht den Löbel, der sich schön mit Mappus ablichten lässt, der bis vor kurzem noch größter Atommann Deutschlands war.

Dann oben links: Löbel in seriöser Pose, denn Löbel hat sich für mich und meinen Stadtteil eingesetzt, der offensichtlich nicht sein eigener ist, sonst täte er das mitreißende „uns“ benützen. Denn Löbel wohnt offensichtlich in F4, das ist das Quadrat in der Innenstadt. „Einsetzen“ tut er sich für Neckarstadt, das ist ein bisschen so, als würde der Berlinabgeordnete von Kreuzberg unter den Linden wohnen.  Aber was soll’s, so ein Löbel hat halt alle Hände voll zu tun, wenn der Wahlkampf „nicht erst vier Wochen vor der Wahl“ beginnt, sondern eine. Beziehungsweise sechs, wenn wir so großzügig sind und ab dem ersten Flyer zählen. In dieser Zeit hat er aber auch wahnsinnig viel bewegt, zum Beispiel hat er das Kinderhaus gerettet. Als Landtagsabgeordneter will sowas weiter machen – ob er weiß, dass der Landtag kein Repräsentantenhaus ist? Nicht nur Kindergärten rettet der Selbstdarsteller und Eitelkopf Löbel, sondern er kämpft auch gegen Schlaglöcher, dieser mutige Mann. In dem er Blumen in die Löcher pflanzt. Aber vorher sich beschweren, dass Schlaglöcher den Verkehr behindern, was Vegetation im Loch natürlich nicht tut. Hohe Symbolkraft und ein schönes Grinsefoto für den Flyer, das reicht. Denn nur eine starke CDU setzt die richtigen Prioritäten, wie Natur auf unseren Straßen.

Apropos Foto: Löbel in seriös, Löbel als Gärtner, Löbel als hemdsärmliger Landratsabgeordneter in Kindergärten, Löbel mit Mappus. Löbel mit Guttenberg ist, hihi, inzwischen verschwunden. Das ist das Licht von eitel Sonnenschein, was da auf den Löbelschen Schädel knallert. Freuen wir uns, dass wir so einen engagierten, jungen Mann wählen dürfen, der „mit beiden Beinen fest auf dem Boden!“ steht. Jemand, der sich auch für die Gesellschaft einbringt und ein Praktikum bei der Müllabfuhr gemacht hat, wovon es natürlich ein geiles Werbebild gibt. Eigentlich möchte ich, dass Löbel weiter etwas für die Bürger tut und gute Arbeit verrichtet und unsere Tonnen leert. Wer soll das machen, wenn er im Stuttgarter Landtag herumlungert?

Neben seinem Praktikum (ob ihm das wohl an der Uni als Pflichtpraktikum angerechnet werden konnte? So als studierender Jurist?) kennt er sich auch mit den sozialen Problemen der Stadt aus, weil er hat schon „zahlreiche Besuche“ in karitativen Einrichtungen gemacht. Jetzt weiß er, wie schlimm es in Mannheim zugeht und will möglichst schnell nach Stuttgart gewählt werden, um das Elend nicht länger ertragen zu müssen.

Uff.

Nächster Flyer.

Vorne drauf der Geisler und der Löbel und der Austausch der Generationen, wie bei Star Trek, als Käpt’n Kirk und Käpt’n Picard aufeinandergetroffen sind. Nur, dass diesmal beide nicht so cool sind. Eigentlich überhaupt nicht. Bezeichnend, dass auch nur diese beiden sprechen, ein Gespräch mit den Bürgerinnen und Bürgern aber gar nicht vorgesehen ist – wäre wohl auch albern, schließlich will Löbel nur von denen nach Stuttgart gehievt werden und keinen Debattierclub eröffnen.

Hinten drauf wird’s aber allerhöchste Zeit, „dass die Neckarstadt einen jungen engagierten CDU-Abgeordneten bekommt!“, was schon zweimal falsch ist. Einmal wieder das liebe Komma zwischen „jung“ und „engagiert“ – in der Aufzählung fehlt noch „bemüht“ und „selbstverliebt“ – „Neckarstadt“ ist der Name des Stadtteils. Ich vermute mal heftig, dass das wie ein Eigenname behandelt wird, dementsprechend ohne Artikel. Wie bei Städten. Es sagt ja auch keiner, dass „die Hamburg“ einen schönen Hafen hat oder dass „der Mönchengladbach“ hoffnungslos verloren ist.

Wie dem auch sei, es folgt das übliche Geschwafel dessen, wofür er sich alles einsetzen will, was – bis auf den Teil mit der Videoüberwachung – exakt so auch in allen anderen Programmen stehen könnte und vermutlich auch tut. Bisher war nur Löbel so dreist, Werbung in meinem Briefkästle zu hinterlassen. Zum Schluss gibt’s noch die hektisch angepappte Antiatomerklärung, man will ja möglichst viele Panikstimmen abfischen. Was völlig fehlt, ist der Hinweis, dass man auf dem Wahlzettel Koch-Löbel wählen muss und dass die CDU den Wahlkreis Mannheim-Nord schon selber abgeschrieben hat.

Es ist nämlich so, in Baden-Württemberg hat der Wähler nur eine Stimme, mit der er den Direktkandidaten samt Partei wählt. Wenn ich das richtig sehe, darf sich jede Partei ein paar der 70 Wahlkreise aussuchen, in denen die Anzahl der abgegebenen Stimmen auch für die Landesliste zählt und je mehr Prozent mann in diesen Wahlkreisen hat, desto mehr Abgeordnete gibt’s zusätzlich im Landtag. So in etwa. Wenn eine Partei ihr Zweitmandat auf einen Wahlkreis gar nicht erst legt, kann man davon ausgehen, dass das eh ein Kampf gegen Windmühlen ist.

Und ihr Don Quichotte heißt Löbel.

Written by Quax

22. März 2011 at 00:16

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Ein Mann für alles

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Hurra, am 27.3. ist endlich wieder Landtagswahl, diesmal in Baden-Württemberg! Wahlwerbung überall, Plakate auf den Straßen, Pappaufsteller an Laternen und Flugblätter in Briefkästen. Flugblätter, wie das des CDU-Spitzenkandidaten Nikolas Löbel für den Mannheimer Norden.

Nein, was habe ich mich gefreut, als ich des Löbels Flugblatt im Briefkästle fand! Ein Traum von einem Menschen ist er, der Nikolas. Und sein Flugblatt ist auch ein Traum von einem Menschen. Der Traum, einmal im Landtag zu sitzen…

Wird auch Zeit!

Die roten Bäckchen, das Hemd, der Anzug. Der graue Hintergrund versprüht ungeahnte Seriösität und die Schrägheit seines Kopfes unendliche Jugendlichkeit. Aber Äußerlichkeiten sind nichts, was die Menschen an die Urne lockt. Denn das Innere zählt, beim Kandidaten wie beim Flyer.

Der Mensch Löbel ist „leidenschaftlicher Fasnachter“, was man an seiner umwerfenden Kostümierung auf dem Bild erkennt. Stolz steht er neben dem Prinzen, Löbel sucht die Nähe des Adels.

Der Mensch ist auch „ein typisches Kind“ seiner Generation – Generation ’86, die Generation der Scheidungskinder und selbstständigen Stiefväter. Ein Jurist der Universität Mannheim, was irreführend ist. Denn der Campus Mannheim, bildet gar keine Juristen aus, sondern Unternehmensjuristen. Paragraphenreiter, die niemals Richter werden können, höchstens Steuerschlupflöcher für Bauunternehmen suchen.

Nichtsdestotrotz ist der schmucke Anzugträger jemand, der „die alltäglichen Sorgen und Nöte“ kennt. Seit er ein junger Abiturient war, folgt er seinem völlig originellen Motto „Träume nicht dein Leben, lebe deinen Traum“, was wohl fast jedes zwölfjährige Mädchen als Motto bei SchülerVZ angibt – aber dies zeigt ja nur noch mal die Volksnähe und Jugendlichkeit des verklemmten Gesetzesschmöckerers, der sich „mit Herz, Mut und Verstand“ engagiert. Herz und Mut sind ihm durchaus zuzutrauen.

Für den Arbeiter Löbel bedeutet Selbstständigkeit „vor allem finanzielle Unabhängigkeit“. Zyniker würden dem Freizeitbauarbeiter nun vorwerfen, dass er diese Unabhängigkeit durch das Frisieren von Finanzberichten und Steuerbescheiden erreichte. Die Wahrheit sieht anders aus. Früh ist der Mensch Löbel aus dem elterlichen Nest voller alltäglicher Sorgen gezogen und erarbeitete jeden einzelnen Euro durch „körperlich harte Arbeit unter schwersten Bedingungen“. Der Proletarier Löbel kämpft für eine Jugend, die „unabhängig vom Geldbeutel ihrer Eltern“ ist. Wie er das tun will, das verschweigt der kluge Taktiker Löbel.

Die Jugend ist für den geistigen Altsenior Löbel eine schlimme Krankheit, die sich nur langsam bessert. Neben „Träume nicht dein Leben usw.“ vertritt Traumtänzer Löbel nämlich noch ein weiteres Motto;  Jugendlichkeit ist die Volksgeißel, der Löbel durch Arbeit für die CDU entfliehen will.

Den Verführungen des Adels erliegt jeder, auch ein Nikolas Löbel. Ob Karnevalsprinz Oliver oder Freiherr Guttenberg, der Löbel hatte sie alle. Gebannt hängt er an den Lippen des Armeeministers und folgt auch dessen Motto: „Immer dankbar sein, immer Träume haben und niemals aufgeben“, vorwärts immer, rückwärts nimmer. Und doch begeht dem Adelskenner Löbel ein Fauxpas, als er den überführten Trickbetrüger und Schwindler Guttenberg mit „Dr. [sic!] Karl-Theodor zu Guttenberg“ vorstellt. Doch als Jurist weiß Löbel natürlich um die Bedeutung akademischer Titel, steht er doch selbst kurz vor dem Examen.

Eine Liste der Dinge, für die der Politprofi Löbel steht, darf nicht fehlen. Und das ist wörtlich zu nehmen, denn der Werbefachmann Löbel setzt selbst beim Plakatieren auf neue Ideen. Überall in Mannheim stehen lebensgroße Pappaufsteller des volknahen Löbels herum, wie auf dem Bild des Flyers zu sehen. In der Hand das seriösgraue Schild und sein viertes Motto, ein zeitlos schönes: „Zeit für neue Ideen!“ 

Der trendige Löbel geht ungeahnte Wege, denn nichts repräsentiert einen CDU-Landtagsabgeordneten in spé besser, als ein zweidimensionaler Aufsteller aus Pappe. Böswillige Zeitgenossen enthaupteten bereits einige dekorative Papplöbels.

Zu guter Letzt bettelt der Löbel förmlich um Stimmen, denn „der Mannheimer Norden hatte noch nie einen CDU-Abgeordneten“, was man dem Mannheimer Norden gar nicht ansieht, denn er sieht ebenso degeneriert aus wie seine Bewohner. Doch das Fehlen eines CDU-Mannheimnord-Abgeordneten sorgte dafür, so der messerscharfe Kombinateur Löbel, dass der Mannheimer Norden „faktisch keinen Einfluss auf die Landespolitik“ hat und hatte. Löbel muss also folgerichtig „das Direktmandat gewinnen“, weil. Weil… weil. Die Begründung ist egal, denn „auch der SPD-Bewerber“ wird, wie „alle anderen Kandidaten“ auch über das Zweitmandat in den Landtag rutschen. Offenbar kann im Norden der Stadt an Rhein und Neckar niemand das Direktmandat gewinnen, es blieb immer vakant im Landtag. Damit sich das ändert, muss Löbel nach Stuttgart.

Nun ist die Verwirrung groß, wen soll man wählen? Der Flyer suggeriert „Löbel“, doch das ist nicht so einfach. Denn auf dem Wahlzettel heißt der Namenstrickser Löbel nicht Löbel, sondern Koch-Löbel. Diesen Makel möchte er loswerden, damit er demnächsten auch unter dem Namen firmieren kann, mit dem er „groß und bekannt geworden ist“.

Drum Löbel (bzw. Koch-Löbel) wählen, Insassen des Mannheimer Nordens! Damit Nikolas Löbel noch größer und noch bekannter wird und sich für unsere Stadt und unser Land einsetzt. Und irgendeiner muss es ja machen.

Written by Quax

26. Februar 2011 at 15:46

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Und sie merken es nicht!

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Nah mehrmaliger Ermahnung hat die CDU jetzt vermutlich gemerkt, dass es besser ist, keine, ich wiederhole, keine Wahlkampflieder zu machen. Weil sie alle mit gigantischem Abstand totale Scheiße sind. Die CDU hat also gelernt. Aber dann kam die CSU.

Und hat ein Lied über die Grünen gemacht. Huhuhu, ist das gut geworden. Aber hört selbst und staunt (oder kotzt).

Uff. Gut, gut. Beziehungsweise ja eben nicht. Fangen wir mit dem an, was als erstes ins Auge springt, nämlich mit dem Optischen. Da hat sich der Internetazubi von der JU aber jede Menge Mühe mit gegeben, noch dazu diese Metaphorik! Alles grün, weil’s ja um die Grünen geht. Clever. Und die Beule ist rot! Weil Sozialismus! Hahaha! Ha. Hu.

Aber was wirklich wichtig ist, ist die Musik. „Musik“. Oder wie es in der CSU-Beschreibung zu dem Video heißt:

„Ein Männlein steht im Walde, ganz grün und dumm. Es hat vor lauter Protest eine Steinschleuder um. Grün sein und dagegen sein, mit Pflaster-, Schotter-, Ziegelstein…“. Wir zeigen, wie es hinter der Fassade der Grünen ausschaut.

Das tut ihr, CSU, das tut ihr. Genau so sieht’s hinter der Fassade der Grünen aus. So und nicht anders. Mensch, seid ihr entlarvend mit eurem Humor. Oder dem verkrampfte Etwas, das ihr bornierten Altherren dafür haltet.

Ab zum Text! Das beliebte Kinderlied kennt jedes, nunja, Kind. Parodien mit bekannten Melodien sind eine schöne Sache, aber doch nicht so! Schon die ersten beiden Verse, so dermaßen verkackt. Im Original geht das so:

Ein | Männ|lein | steht | im | Wal|de | ganz | still | und | stumm / es | hat | vor | lau|ter | Pur|pur | ein | Mänt|lein | um.

Elf Silben im ersten Vers und nochmal elf im zweiten. Nicht schwer, das dürfte selbst die CSU hinkriegen. Aber freuen wir uns nicht zu früh:

Ein | Männ|lein | steht | im | Wal|de | ganz | grün | und | dumm / es | hat | vor | lau|ter | Pro|test | ei|ne | Stein|schleu|der | um.

Elf Silben im ersten Vers, wie gehabt, und im zweiten dreizehn. So blöde kann doch keiner sein, nicht einmal die CSU – aber sie hat mich soeben eines besseren belehrt.

Das ist schon schlimm und tut in den Ohren weh. Aber dann kommt noch mehr Text.

Grün sein und dagegen sein / mit Pflaster-, Schotter-, Ziegelstein / Ach, wie bin ich froh, doch kein Grüner zu sein

Wir halten fest: CSUler sind offenbar ebenso minderbemittelt wie humorlos; wer sonst würde „sein“ auf „Stein“ auf „sein“ reimen? Selbst in Kindergärten wird man bei solchen Reimereien verprügelt!

Puh.

Als ob das nicht alles schon schlimm genug wäre, gibt es noch zwei Sachen anzumerken. Erstens: Die CSU hat den Kommentarbereich zum Video bei Youtube gesperrt, was Bände spricht und/oder bezeichnend für das Selbstverständnis der CSU ist. Man möge sie daran erinnern, sollten sie sich über die „politische Kultur“ des Landes ereifern oder das Wort „Demokratieverständnis“ in den Mund nehmen. Zweitens: Es gibt etwas namens „CSU. Die App. der Christlich-Sozialen Union“ und es ist „kostenlos erhältlich im App Store“. Habt Angst, Völker dieser Erde, habt Angst.

Written by Quax

14. Januar 2011 at 22:26

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Wo gesungen wird, da laufe fort

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He, CDU! Ich muss mal mit euch schimpfen. Gestern habe ich noch eine eindeutige Wahlempfehlung für euch ausgesprochen. Ich glaube, die muss ich noch viel eindeutiger zurücknehmen. Letztes Jahr hab‘ ich euch den heißen Tipp gegeben, die Sache mit den Wahlkampfliedern besser bleiben zu lassen. Und was macht ihr dieses Jahr? ‚N Wahlkampflied…

Ehrlich, Leute… Was soll ich denn dazu noch sagen? Ist das euer ernst? „NRW in guten Händen / NRW bleib stabil / Mit gutem Gefühl nach vorne seh’n / Mit Sicherheit, ouhoooh“ – ihr wollt mich fertig machen, oder? „Wir sind bereit, ouhoooooh!“ – also… ich bin sprachlos! Und: „Zusamm‘ mit Nordrhein-Westfal’n nach vorn und ni-hicht zurüüüüück“

Warum macht ihr sowas furchtbares? Glaubt ihr, nach zwanzig Jahren SPD-Herrschaft ist NRW abgehärtet genug, sowas zu verkraften? Ja? Hm. Dann geht’s jetzt also zusamm‘ mit Nordrhein-Westfal’n vorwärts immer, rückwärts nimmer, weil, wir sind ja bereit, ouhoooooh.

„Und bei Rückschlägen geben wir nicht auf / Denn gemeinsam packen wir’s an“ – Ähm. Rechnet ihr schon mit der Wahlniederlage? Andererseits, wie ein interviewter JUler im Lied bemerkt: „Nur der Jürgen Rüttgers, der kann datt.“ Ja, der kann datt. Nämlich NRW stabil halten mit guten Gefühl usw. Und apropos JU – mit Schrecken habe ich gesehen (und noch schlimmer: gehört!), dass ihr auch ein Kampflied euer eigen nennt, namens Die tausendjährige JU Die JU wird immer sein

Erinnert vom Titel her an Die Partei hat immer Recht, aber hören wir in das Schmuckstück deutscher Reimkunst mal rein:

Das Orgelsolo ist besonders funky. Ich möchte, dass das auf meiner Beerdigung gespielt wird. Und sonst so? Ja. Das Reimschema ist ähnlich dicht wie in einem Prosatext. Nur die JU kann so reimen: „Wir sind Deutschlands Nummer eins / Für Freiheit und Gerechtigkeit / Die JU wird immer sein / Komm‘ mit und sei auch du dabei“ – „eins“ auf „Gerechtigkeit“, „sein“ auf „dabei“ gereimt, so dichten wahre Fürsten. Hoioioi!

„Die Junge Unio-on / Ist unsere Missio-o-on / Die Zukunft uns’res Landes, das sind wir“ – in diesem Lied wird ja Drohung an Drohung gereiht! Aber wenigstens reimt’s sich, das ist mehr, als ich vom Refrain sagen kann. Warum habt ihr da nicht was realitätsnahes besungen, wie: „Wir sind Deutschlands Nummer eins / Dichttalent haben wir keins / Sinn fürs Schreiben ham wa kein / Die JU wird immer sein“

Also, wenn ihr so regiert, wie ihr komponiert, dann ist NRW alles andere als in guten Händen. Wie klingt euer wagnerscher NRW-Wahlkampfknaller eigentlich aus, so textlich, ist das ähnlich anspruchsvoll wie der Rest des Songs?

„Nooordrhein-Westfalen, Noooooooooordrhein-Westfaaaalen! Na na na na na naaa!“

Ouhoooooh.

Written by Quax

8. Mai 2010 at 11:17

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Nur die allerdümmsten Kälber wählen ihren Schlachter selber

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NRW-Wähler aufgepasst, am Sonntag ist Muttertag! Und das schönste Geschenk, dass man Mutti machen kann, ist wählen zu gehen. Also, NRWähler, ihr dürft euch zwischen zwei Insolvenzverwalter für das (mehr oder weniger) sympathische Bindestrichland an Rhein und Ruhr entscheiden.

Da wäre der momentan amtierende MiniPrä Jürgen Rüttgers von der CDU. Der beliebte ex-Zukunftsminister mit dem lustigen S-Fehler ist leidenschaftlicher Rumänenhasser (weil faul & klauen) und genau das, was NRW (kurz für: Nordrhein-Westfalen) verdient hat. Doch vorsicht! Er ist in einer Koalition mit der FDP gefangen und möchte daraus erlöst werden.

Rüttgers Herausforderer ist Sozi und heißt Hannelore Kraft (SPD). Was weiß man von ihr, außer dass sie SPD und Frau ist? Nichts. Also, liebe NRWler, bitte wählt nicht CDU(freudscher Verschreiber) SPD. Denn wenn Kraft MiniPrä wird, wird’s hier nur noch einen, vielleicht zwei, Einträge über sie geben. Dann gehen die Wortspiele aus („Kraftloser Auftritt“, „Kraft voll Kraft“ oder – obligatorisch und wieder da – : „Kraft durch Freude“). Außerdem ist Kraft eine Frau. Eine Frau. Als Ministerpräsident. Das geht doch nicht! Wisst ihr, NRW-Behauser, welches Bundesland von einer Frau regiert wird? THÜRINGEN! Das liegt in der DDR! Da kann man mal sehen, was Östrogen anrichtet.

Ansonsten gibt’s nur so langweilige Kleckerparteien zu wählen, wie die FDP. Dazu noch ein Wort zu verlieren, erübrigt sich eigentlich. Wir erinnern uns mit Schrecken, wie sich die Gelben, damals vor fünf Jahren, es war im Mai, die Macht erschlichen – indem sie Rüttgers‘ Naivität und Gutgläubigkeit schamlos ausnutzen. 

Dann gibt’s noch die Grünen, die eine umweltbewusste Energiepolitik machen wollen und für Windräder sind. Diese Windräder wollen sie mit selbstproduzierter heißer Luft betreiben und sollte die Grünenfraktion nicht ausreichen, macht die CDU gerne mit. Noch ein Grund, Rüttgers Club zu wählen!

Zünglein an der Waage ist die böse Linkspartei, die am Sonntag in den Landtag einzieht. Wie wir alle wissen, besteht die Linke in NRW ausschließlich aus ehemaligen SED-Leuten und das sind alles Kommunisten, die alle Menschen NRWs versklaven wollen und das Land mit ihrem zerstörerischen Sozialismus überziehen. Dann ist’s aus mit dem schönen NRW! Darum SPD Grüne CDU wählen! Damit die 5. Kolonne Moskaus bleibt, wo der Pfeffer wächst (Thüringen)!

Also gibt es nur eine Partei, die am Sonntag gewählt werden kann – nein, gewählt werden soll und muss! Drum wählt CDU! Grund s.o.

Written by Quax

7. Mai 2010 at 22:48

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Zurücktreten!

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Das Ego von Dr. jur. Guido Westerwelle ist seit dem 27. September 2009 (BuTaWa; unschön für Bundestagswahl) um ca. drei Meter gewachsen. Das sind 1,785 cm am Tag. Das Wachstum ist allerdings unerklärlich, hat er sich doch permanent blamiert und viel Quatsch erzählt. Wir fassen das mal zusammen.

Wahlkampf 2002: Dr. jur. Guido Westerwelle ist der erste Kanzlerkandidat der FDP. Da er gehört hat, dass BuKas (unschön für Bundeskanzler) irgendeinen Sockenschuß haben müssen (Schmidt – raucht wie ein Colt, Schröder – cool wie ein Westernheld, Adenauer – alt wie Methusalem, Kohl – dick wie eine Birne und überhaupt, usw. usf.), will er auch einen. Er lässt sich also eine schöne 18 auf die Schuhsohlen tätowieren und kurvt mit einem sogn. Guidomobil durch dieses schöne Land von uns. Die 18 steht für 18 Prozent Stimmenanteil bei der BuTaWa und es sind ja nahezu alle ehemaligen BuKas mit 18 Prozent zu einem ebensolchen gewählt worden. Es wurden dann übrigens 7,4 Prozent. Das sind wiederum 41 Prozent von 18.

2002 bis September 2009: Westerwelle wurde ab und zu als Parteivorsitzender der FDP bestätigt, mit immer tolleren Ergebnissen. Ansonsten war er von der Warte der Wichtigkeit aus gesehen eher, nunja, unsichtbar.

27. September 2009: 14,6 Prozent! Bäm! Soviel Prozent hatte die FDP noch nie. Aber bei der BuTaWa 09 featuring Muddi Merkel and the Söders gelingt der FDP und zuforderst uns Guido der Coup. Regierungsbeteiligung! Und diesmal richtig. Mit Ernstgenommenwerden inklusive.

27/28. September 2009: Nunja, das Ernstgenommenwerden hat sich schnell erledigt. Als so ziemlich erste Amtshandlung leistet sich der neue Außenminister [(nicht etwa Wirtschaftsminister! (Im Nachhinein wohl zum Glück)]  einen Fauxpas, äh, pardon, also ‚tschuldigung, ich meine natürlich Fehltritt. Wir sind ja schließlich in Deutschland, hier. Also: Fehltritt. Vor der Presse von übern Ärmelkanal. Westerwelle nix Englisch. Wir kommentierten bereits gehässigst.

1. Januar 2010: Das Wachstumsbeschleunigungsgesetz („Hotelgesetz“) tritt in Kraft. Darin hat die Firma Mövenpick (Gerüchten zu Folge/vielleicht/ eventuell/wird gemunkelt) festschreiben lassen, dass es jetzt ganz merkwürdige Mehrwertsteuersätze für Hotels, aber auch für Campingplätze und Bordelle gibt. Toll. Guido mag das Gesetz ganz dolle.

Oktober 2008 – Oktober 2009: In diesem Zeitraum, der gerade die schöne Chronologie hier bricht, sollen Parteispenden von der Familie Finck (Mövenpick-Besitzer) an die FDP geflossen sein. Sollen, liebe Rechtsanwälte! Sollen!

11. Februar 2010: Westerwelle darf einen Gastbeitrag für DIE WELT schreiben und faselt da was von „spätrömischer Dekadenz“ und „sozialistischen Zügen“ an der Hartz-IV-Diskussion. Eine Welle der Empörung schwappt durchs Land (und das wären dann wohl fünf Euro in die Phrasenkasse). Alle würden immer nur  Spendengelder Steuergelder beziehen wollen, nur keiner will sie zahlen. Außer Finck.

Jetzt: Während der Außenguido unterwegs in aller Welt ist und dort den Boden für die deutsche Wirtschaft ebnet (mit Dampfwalzen), wird hier zuhause eine „Verleumdungskampagne“ (Westerwelle, auf jedem Rollfeld dieses Planeten) von der Opposition betrieben. Verwandte sollen Vorteile aus seinen Reisen ziehen, Aufträge zugeschanzt werden etc. Die Oma soll schon Kaffee geordert haben.

Written by Achja

14. März 2010 at 15:18

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