Misanthropenwald

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The Royal Overkill

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Wer die letzten Wochen unter dem Stein der Glückseligen geschlummert hat, wird es noch nicht wissen: Heute hat der zukünftig-zukünftige König von Großbritannien seine Mätresse geheiratet. Das ist einigermaßen interessant, weil’s da schließlich um das künftige Staatsoberhaupt der Insel ging. Aber man kann Sachen auch breiig zu Tode labern.

Schon seit Wochen gab’s ja im Grunde kein anderes Thema mehr in den good ol‘ Medien von good ol‘ Germany. Man könnte meinen, es ginge um den König von Germanien, aber dabei war’s doch nur der englische Prinz William, der mit der Sicherung der Thronfolge begann und „seine Kate“ (O-Ton aus jedem Käseblatt) vor den Altar führte. Nun mag man den güldenen Zeitschriften Gala, Bild der Frau, Prisma usw. das bisschen monarchisches Eingeheimel gönnen – der Märchenkitsch sei ihnen gestattet. Dass BILD großspurig und laut und mit viel Tamtam die „Märchenhochzeit“ (Jeder Schreiberling, überall) begleitet, war ja nicht anders zu erwarten. Genausowenig wie die Hasstiraden von z.B. SPON, wo im Vorfeld der Hochzeit kräftig gegen die Schmarotzer und Geldverbrenner aus Windsor Castle gefeuert wurde.

So weit also nichts auffälliges. Wer jedoch heute morgen den Fernseher einschaltete, wurde aber schon regelrecht erschlagen mit Hofberichterstattung. Die ARD übertrug die Hochzeit in ihrer Aufgabe als Öffentlich-Rechtlicher Sender. Das ZDF sendete bereits seit acht Uhr morgens, also gut anderthalb Stunden, bevor irgendwas Spannendes passierte. Die ARD mutete ihren Zuschauern Barbara Schöneberger zu und stellte ihre gesamte Berichterstattung unter den Titel „Küss mich, Kate“. Urgs. Und weil der Gebührenzahler gerne parallel zwischen den Öffentlich-Rechtlichen Sendern hin- und herzappt, musste das ZDF natürlich auch irgendwas aufbieten und schickte Andrea Kiewel in den Hyde Park, um Engländer zu terrorisieren und viel zu Große Mengen Sekt zu trinken.

Ein Hort der Stabilität könnten da nur die Privaten sein, die sich dem Quotendruck beugen müssen – und das gleiche Zeuch auch liefern! Auf Sat1 redet „Society Expertin“ (O-Ton Sat1) Sibylle Waischenberg äußerst wichtig daher. Auf RTL quält die ewig lispelnde Katja Burkhard ihre Umwelt und die Zuschauer (bzw. Tßuschauer, um’s in ihrer Sprache zu sagen) mit ziemlich dummen Fragen. Auch die Nachrichtensender n-tv und N24 sind sich zu fein, sich so ein geiles Ereignis wie eine Hochzeit in London durch die Lappen gehen zu lassen und berichten eifrig drauf los, samt Liveticker am unteren Bildrand, sodass man live noch mitverfolgen kann, wie die Hochzeit sich auf die Aktienkurse auswirkt. Und man erfährt, dass Merkel sich die Hochzeit nicht live angesehen hat.

Nur Phoenix hielt tapfer gegen die Monarchenbeschallung und brachte – hihihi! – eine Dokumentation zur Französischen Revolution. Und ProSieben wiederholte zum fünftausendsten Mal Scrubs.

Jolly Shocking das ganze. Aber nicht einmal auf gestandene, treue Republikaner konnte man sich verlassen – denn was machte SPON, das Vorzeigebollwerk der Republik? Nachdem man dort eine handvoll böser antimonarchischer Hasstiraden lesen konnte? Na? Was wohl? Die knickten völlig ein! Ein Riiiiiesenbanner über die Hochzeit! Drei Hochzeitsartikel allein auf der Startseite! Und die Krönung (im wahrsten Sinne des Wortes): Das „O“ im SPONschen Banner „SPIEGEL ONLINE“ wurde durch ein kleines Krönchen ersetzt. Also wirklich!

Als ob’s um unsere Majestät gegangen wär‘.

Written by Quax

29. April 2011 at 21:40

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Ach, Zeitgeist!

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Manchmal sind die Schreibsklaven bei SPON Zauberer. Sie wollen aus einem Nichts eine Riesenskandalgeschichte machen. Leider sind sie ziemlich schlechte Zauberer. Der für das Skandalthema Sarrazin zuständige SPON-Houdini hat Aufregerpotential da gesehen, wo gar keines ist. Der eigentliche Spaß wird dabei gar nicht berücksichtigt.

Vor langer langer langer langer langer langer langer Zeit war Sarrazin, damals noch kein Science-Fiction-Autor, in einer Talkshow zugast, die im Spartenprogramm ZDF-NEO ausgestrahlt werden wird. Vor der eigentlichen Sendung gab’s eine Testsendung, in der Sarrazin und Schriftsteller Benjamin von Stuckrad-Barre sich gegenseitig Klebezettel an die Stirn pappten und den jeweils auf der eigenen Stirn draufstehenden Namen raten mussten. Sarrazin, der alte Schelm, hatte dem Buchstabenwürger auf dem sein‘ Zettel „Goebbels“ geschrieben.

Stuckrad-Barre hatte den Namen schließlich erraten, was kein Wunder ist. Denn traditionell geht man in den ersten Fragen dieses Spieles alle Akteure des Kabinetts Hitler II durch. Wie dem auch sei, Sarrazin sagte dann über Goebbels:

Ja, der Mann war sehr gut mit Worten, ein Menschenverführer.

Da schrillt das Nazometer, da greift man nach den Nazikeulen! Eigenschaften eines Nationalsozialisten, die stimmen! Steinigt ihn! Skandal! Skandal! Skandal!

Oder will etwa ernsthaft jemand bestreiten, dass der (nicht ganz zu unrecht tote) Propagandaminister verdammt gut war in dem, was er tat? Natürlich, es wäre wesentlich einfacher, wenn die ganze NS-Riege aus strunzdummen, menschenähnlichen Dämonen bestanden hätt‘, dann könnte man die Aussage als Bewunderung ansehen und Sarrazin nach allen Regeln der medialen Kunst öffentlich enthaupten. Aber so…?

Der Sturm, den SPON da versucht im Wasserglas zu entfachen, ist auch nur deshalb möglich, weil die Testsendung versehentlich bei Youtube landete. „Keine Ahnung, wie es reinkam“, zitiert SPON den Leiter von ZDF-NEO. Deswegen sei das Video zunächst wegen Urherberrechtsansprüchen seitens des ZDF gesperrt worden (Lustig, wer hätte gedacht, dass das ZDF die Rechte an der Marke „Goebbels“ hält?), denn, so der ZDF-NEO-Leiter:

„Es war eine zusammengeschnittene, nicht autorisierte Version“, so Himmler

Moment – wer? Himmler leitet das ZDF und lässt einen Clip von seinem Kollegen (darf man das so sagen?) Goebbels löschen. Da schäumt doch der Führer!

Aber keine Sorge, inzwischen hat Himmler den Ausschnitt von Goebbels wieder hochladen lassen.

(Quelle & Video)

Written by Quax

11. September 2010 at 12:43

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Vorfreude

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Ich freue mich. Wirklich. Auf das WM-Spiel Deutschland gegen Serbien. Am Freitag. In Südafrika. Wie ich mich freue!

Nicht auf das Spiel ansich. Diese blöde Sportart kann mich sonstwo mal, sondern auf die Halbzeit. Wenn die Moderatorin vom letzten mal, die sich diesen sprachlichen Dings hier, ne? Worüber sich alle so künstlich aufgeregt haben usw.

Ich weiß ja gar nicht, ob das Spiel überhaupt im ZDF übertragen wird oder ob andere Sender ähnlich begabte Moderatoren haben. Jedenfalls ist es mir ein innerer Reichsparteitag, mich auf die Halbzeit zu freuen. Wenn er kommt. Der ultimative Spruch zum Spiel. Und er wird kommen. Fettnäpfchen werden nicht ausgelassen. Irgendjemand wird ihn bringen. Öffentlich. Und dann wird das Geschrei losgehen. O wie werde ich mich auf diesen Spruch freuen. Und auf die Deppen, die sich drüber aufregen. Und die, die den Spruch verteidigen. Weil sie noch deppiger sind. Deutschland gegen Serbien. Hach, dieser Spruch!

Serbien muss sterbien.

Written by Quax

16. Juni 2010 at 16:57

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Der innere Reichsparteitag

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Gestern, Halbzeitpause. Schland gegen Kängurus. Moderatorin spricht davon, dass Kloses Tor für ihn ein innerer Reichsparteitag sei. Ich kannte die Redewendung nicht, habe ein bisschen gestutzt und mich auf die empörten Kommentare am nächsten Tag gefreut.

Ich wurde nicht enttäuscht.

Zugegeben, der innere Reichsparteitag ist etwas unglücklich gewählt, wenn man im Medium Fernsehen moderiert und immer von der größtmöglichsten Dummheit seiner Zuschauer ausgehen sollte. Für den Medienjournalisten Stefan Niggemeier ist der innere Reichsparteitag eine alltägliche Redewendung. Ich habe sie zwar noch nicht gehört, aber ich glaube ihm da einfach mal. Und was es bedeutet, was ein innerer Parteitag ist, kann man jetzt auch leicht rausfinden.

Es ist mir ein innerer Reichsparteitag, dass ich das nun weiß und werde die Redewendung in meinen aktiven Wortschatz übernehmen („Wie war die Klausur?“ – „Sie war ein innerer Reichsparteitag!“, „Wie war der Urlaub?“ – „Ein einziger Reichsparteitag!“, „Wie war der Parteitag?“ – „Ganz okay.“).

Ich bin auch gespannt, wie es mit der Moderatorin weitergeht. Vielleicht erlebt sie ja einen inneren Frankreichfeldzug.

Written by Quax

14. Juni 2010 at 11:02

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